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Theater gegen Missbrauch

Ein Schauspiel sensibilisiert Freitals Schüler für das Thema Gewalt an Kindern und ermutigt sie, Grenzen zu setzen.

Von Marleen Hollenbach

Im Klassenzimmer ist es still. Eine Nadel könnte man hier zu Boden fallen hören. Dabei sitzen 15 Drittklässler auf den Stühlen. Gebannt blicken die Kinder nach vorn. Vor der Tafel steht „Nase“. So nennt sich der etwa 10 Jahre alte Junge, der von der Schauspielerin Christina Kraft dargestellt wird. Den Kindern der Wurgwitzer Grundschule erzählt er seine Geschichte.

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Von zu Hause weggelaufen, fand der Junge in einem alten Bus ein neues Zuhause. Warum er weg wollte, darüber redet der Junge nicht gern. Es hat etwas mit seinem Onkel zu tun, der einfach auftauchte, der Mutter half, ihm Knusperflocken schenkte und irgendwann auch das Bett mit dem Jungen teilen wollte. „Der Onkel stinkt“, sagt Nase. Die Kinder lachen. Caren Pfeil beobachtet die Schüler der Freitaler Grundschule. Sie hat das Stück „Der mit dem Fuchs spricht“ geschrieben, das jetzt an zehn Schulen in Sachsen aufgeführt wird. Die Wut auf die Täter hat sie dazu getrieben, das Thema sexueller Missbrauch bei Kindern aufzugreifen. „Wenn ich daran denke, was die Täter anrichten, macht mich das einfach sauer“, sagt Pfeil. Immer wieder traf sie Erwachsene, die in ihrer Kindheit Opfer sexueller Übergriffe waren und ihr berichteten, wie sie heute noch darunter leiden, wie schwer es ihnen noch fällt, anderen Menschen zu vertrauen.

Dieses Problem kennt auch „Nase“, der im Theaterstück auf einen arbeitslosen Clown trifft. Ängstlich ist der Junge, aber auch neugierig auf den Besuch. Und so setzt er dem Clown klare Grenzen, sagt ihm, wie weit er sein neues Zuhause betreten darf. „Das ist eine weitere wichtige Botschaft des Stücks. Kinder sollen sagen, wo die Grenzen für sie sind und der Clown, in Vertretung der Erwachsenen, akzeptiert diese auch“, erklärt Caren Pfeil. So entsteht eine Freundschaft, ein Vertrauensverhältnis zwischen den beiden, das den Jungen im Stück dazu bewegt, von seinen schlimmen Erlebnissen zu erzählen.

Ins Detail geht er nicht. Das ist auch nicht Sinn der Vorstellung. „Wir wollen ja die Kinder nicht verschrecken. Den meisten wird das Thema glücklicherweise fremd sein“, sagt Caren Pfeil. Das Wort Missbrauch wird deshalb nicht ausgesprochen. Auch nicht im Nachgespräch. „Wir gehen nur soweit, wie die Kinder. Wenn Fragen danach kommen, dann beantworten wir sie auch. Ansonsten gehen wir aber nicht konkret darauf ein“, erklärt die Autorin des Theaterstücks. Nach dem Onkel fragen die Schüler der Grundschule in Wurgwitz nicht. Vielmehr haben sie sich für die Geschichte ein Ende überlegt. Der Junge könnte nach Hause gehen und den Clown zur Unterstützung mitnehmen, schlagen sie vor. Oder aber, er könnte zusammen mit dem Clown leben. Caren Pfeil findet die Ideen der Kinder klasse. „Es zeigt uns, dass es uns gelungen ist, den traumatisierten Jungen gleichzeitig auch als starke Persönlichkeit darzustellen“, sagt sie.

Wenn es nach der Autorin geht, dann sollen das Theaterstück nicht nur die Wurgwitzer Grundschüler sehen. „Denkbar wäre auch eine Vorführung für Eltern und Pädagogen“, erklärt Caren Pfeil. Im Anschluss könnte darüber geredet werden, wie man sich gegenüber einem betroffenen Kind verhält.