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Künstler ohne Publikum

Das Gerhart-Hauptmann-Theater in Görlitz und in Zittau ist vorerst bis Ende Mai geschlossen. Als erstes in Sachsen hat es für seine Mitarbeiter Kurzarbeit vereinbart.

Von Ines Eifler
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Szene aus dem Stück "De fesche Mode", das vor kurzem noch am Gerhart-Hauptmann-Theater gezeigt wurde.
Szene aus dem Stück "De fesche Mode", das vor kurzem noch am Gerhart-Hauptmann-Theater gezeigt wurde. © Artjom Belan

Für Künstler, die auf Publikum angewiesen sind, ist die Coronakrise mit ihren geschlossenen Theatern und Konzerthäusern eine besondere Herausforderung. "Sie können in diesen Zeiten weder arbeiten noch proben, und ihre Arbeit fehlt ihnen", sagt Caspar Sawade, Kaufmännischer Geschäftsführer des Gerhart-Hauptmann-Theaters. 

Sollten irgendwann die ersten Beschränkungen wieder aufgehoben werden und sich die Lage leicht entspannen, so gehörten Theater als Orte von Menschenansammlungen sicher zu den letzten Einrichtungen, die wieder für den Betrieb zugelassen würden, nimmt Sawade an. Im Publikum sitze man einfach dicht beieinander, selbst wenn einige Reihen freiblieben. 

Kurzarbeit ist sonst für Theater nicht vorgesehen

Damit das Gerhart-Hauptmann-Theater die Krise überstehen kann, konnte es als erstes Spielhaus in Sachsen für seine festen Mitarbeiter Kurzarbeit vereinbaren. "So eine Lösung ist sonst in den Tarifverträgen von Theatern nicht vorgesehen", sagt Sawade, "weil die Auftragslage normalerweise steht." Selbst wenn ein Theater abbrenne, könne ein Ausweichort gefunden oder ein Zelt als Ersatz aufgebaut werden. "Aber ein Szenario für Seuchen wie in diesen Tagen hat vorher noch nie jemand bedacht." 

Freie Künstler haben es besonders schwer

Schwierig sei die Lage vor allem für freischaffende Künstler, die für geplante Inszenierungen engagiert waren. "Ihnen gewähren wir nun Vorschüsse auf zukünftige Aufträge, damit sie wirtschaftlich überleben können", sagt Sawade. Für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs überlegt die Theaterleitung verschiedene Varianten, je nachdem, wie lange die Schließung nötig ist. Davon ist im Moment vor allem die Realisierung des Sommertheaters abhängig. 

Noch vor Kurzem sorgte die Oper "Tosca" für volles Haus: Nun müssen wegen Corona auch im Görlitzer Theater die Türen auf unbestimmte Zeit verschlossen bleiben. 
Noch vor Kurzem sorgte die Oper "Tosca" für volles Haus: Nun müssen wegen Corona auch im Görlitzer Theater die Türen auf unbestimmte Zeit verschlossen bleiben.  © André Schulze

Premieren werden verschoben

Die fertigen Produktionen wie etwa die Opern "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" oder "Don Giovanni" sowie Schauspiele wie "Endland" oder "Iphigenie auf Tauris" werden auf die nächste Spielzeit verschoben. Deren Premieren und auch weitere lägen im Zeitraum bis 31. Mai. Mindestens bis dahin haben alle Spielstätten des Gerhart-Hauptmann-Theaters geschlossen. 

Wird es ein Sommertheater 2020 geben?

Ob die beiden Sommertheaterstücke "Evita" im Görlitzer Stadthallengarten und "Die rechte und die linke Hand des Teufels" auf der Waldbühne Jonsdorf stattfinden können, hängt davon ab, wann das Theater den Probenbetrieb wieder aufnehmen darf. Bis Ende 2020 wären die Theatermitarbeiter über Kurzarbeitregelungen abgesichert. "Aber wir hoffen, dass dies nicht so lange nötig ist", sagt Caspar Sawade. "Sobald wir wieder spielen dürfen, fangen wir an."

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