merken
PLUS

Theater kündigt Vertrag mit den Stadtwerken

Das Gas kommt von anderswo billiger. Diese Entscheidung ist umstritten.

Von Jenny Thümmler

Das Gerhart-Hauptmann-Theater hat seinen Vertrag über die Gasversorgung mit den Stadtwerken Görlitz gekündigt. Das teilte Theatergeschäftsführer Caspar Sawade mit, nachdem die Kündigung des Stromvertrags mit den Stadtwerken Zittau im dortigen Stadtrat für Diskussionen gesorgt hatte. „Wir sind in einer derartigen Finanznot, dass wir uns nach einem günstigeren Anbieter umschauen mussten“, sagte er. Mit dem Wechsel könne eine erhebliche Summe eingespart werden. So wird das Zittauer Theater den Strom ab Oktober von den Stadtwerken Fulda beziehen.

Anzeige
Lausitz Festival, ein neues Kultur-Festival
Lausitz Festival, ein neues Kultur-Festival

In Sachsen und Brandenburg findet erstmals ein Mehrsparten-Kulturfestival statt, das durch Fördermittel des Bundes ermöglicht und finanziert wird.

Wie es im Falle der Kündigung bei den Görlitzer Stadtwerken aussieht, lässt Caspar Sawade ein paar Tage später offen. Er wird aufgrund der gegenseitigen Rücksicht zwischen Vertragspartnern Vorgänge zwischen ihnen zum momentanen Zeitpunkt nicht kommentieren, teilt Theatersprecherin Sophie Brückner mit. Erst wenn es einen neuen offiziellen Stand in der Sache gebe. Damit bleibt auch unbeantwortet, woher das Theater in Zukunft das Gas für die Heizung des großen Görlitzer Hauses beziehen wird. Auch die Stadtwerke Görlitz wollen sich nicht zum Thema äußern. „Aus Datenschutzgründen dürfen wir keine Informationen über Kundenverträge weitergeben“, sagt Sprecher Sascha Caron.

Im Falle von Görlitz ist die Sache etwas delikat, da die Stadt Gesellschafterin sowohl der Stadtwerke als auch des Theaters ist. Entsprechend schwer fällt es Bürgermeister Michael Wieler, in dieser Entscheidung für richtig oder falsch zu stimmen. „Alle sollen wirtschaftlich arbeiten und die dafür günstigsten Wege gehen“, sagt er. Da sich das Theater in großen Finanzierungsschwierigkeiten befindet, sei die Geschäftsführung darauf angewiesen, Mittel frei zu bekommen für den Erhalt des eigentlichen Theaterbetriebs. Im Aufsichtsrat, dessen Vorsitzender Wieler ist, fiel es den Mitgliedern ebenfalls schwer, zu einer Wertung zu kommen. Denn die Stadtwerke unterstützen das Theater mit 20 000 Euro im Jahr, vor allem für das Straßentheaterfestival Viathea. Im ungünstigsten Fall könnte dieses zwischen Baum und Borke hängen.

Auch ist die Frage eine generelle, sagt Michael Wieler. Und spricht den Trend in Deutschland an, dass Stadtwerke Kunden außerhalb ihres direkten Umkreises Verträge zu viel günstigeren Konditionen als den Stammkunden anbieten. Um damit ihre Bilanzen zu bereinigen. Weil sich Kampfpreise oft nur große Unternehmen leisten können, laufen kleinere Gefahr, dadurch bankrott zu gehen. Volkswirtschaftlich ist es problematisch, dieses deutschlandweite Spiel mitzuspielen, so Wieler. „Aber wie soll ein Geschäftsführer entscheiden, dessen Unternehmen in Finanznot ist? Er muss ja den Betrieb am Laufen halten.“ Letztlich ist es eine Entscheidung der Geschäftsführung, die weder vom Aufsichtsrat abgesegnet werden muss, noch den Betriebsrat einbezieht. Auf ein Wort