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Theaterdonner bei den Linken

Überraschend gelingt dem Schauspieler Franz Sodann der Sprung auf einen guten Listenplatz für die Landtagswahl.

© Sebastian Willnow

Von Karin Schlottmann

Der Schauspieler Franz Sodann, schwärmte der Landtagsabgeordnete Volker Külow vor zwei Monaten, werde ein sympathisches und attraktives Aushängeschild für die Linke. „Wir freuen uns, mit ihm in den Wahlkampf zu ziehen.“ Stolz präsentierte er den Sohn des prominenten Schauspielers Peter Sodann („Tatort“) in der Partei als seine politische Entdeckung.

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Luise Neuhaus-Wartenberg. Foto: privat:
Luise Neuhaus-Wartenberg. Foto: privat:

Gut möglich, dass Külow seine Lobreden längst bereut. Denn Sodann ist auf dem Parteitag der Linken überraschend auf einen aussichtsreichen Listenplatz für die Landtagswahl am 30. August gewählt worden. Külow ließen die Delegierten dagegen durchfallen, und das gleich in mehreren Wahlgängen. Damit hat Leipzig zwar die geforderten drei guten Plätze bekommen – nur der Stadtvorsitzende Külow selbst ist nicht mehr dabei. Seine Chance, einen Wahlkreis als Direktkandidat zu erobern, sind gering, eine Rückkehr in den Landtag damit unwahrscheinlich.

Külow, den viele Linke als Strippenzieher fürchten, erkannte Sodanns politisches Talent. Den persönlichen Ehrgeiz des 40-jährigen Künstlers hat er aber offenbar unterschätzt. Statt sich wie erwartet mit einer aussichtslosen Bewerbung als Direktkandidat zu begnügen, trat Sodann auf dem Parteitag ohne Vorwarnung auf Platz 22 an und gewann auch dank seiner mitreißenden und professionellen Bewerbungsrede.

Parteichef Rico Gebhardt kann mit diesem Ergebnis sicher gut leben. Er selbst ist auf dem Parteitag in Leipzig mit 70 Prozent der Delegiertenstimmen zum Spitzenkandidaten gekürt worden. In anderen Parteien würde man das als Niederlage sehen. Bei den notorisch zerstrittenen Linken gilt dieses Resultat als großer Sympathiebeweis.

Turbulenter verlief die Wahl von Luise Neuhaus-Wartenberg. Gebhardt hatte die 33-Jährige als wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische Sprecherin in sein Team geholt. „Ich halte einiges aus, aber das sprengt mein Vorstellungsvermögen“, schimpfte Gebhardt in der ehemaligen Fabrikhalle in Leipzig. Mit einem Erpressungsbrief hätten innerparteiliche Gegner versucht, die Wahl von Neuhaus-Wartenberg zu verhindern. In der Reinigungsfirma ihrer Familie herrschten prekäre Arbeitsbedingungen mit Überstunden und Wochenendarbeit, wurde behauptet. Interne Daten der Firma würden öffentlich gemacht, falls Gebhardt nicht auf die Kandidatur verzichte, hatte der Landtagsabgeordnete Heinz Hoffmann gedroht. Hoffmann, der erst seit Kurzem als Nachrücker im Landtag sitzt, hatte sich selbst Hoffnung auf die Position des wirtschaftspolitischen Sprechers gemacht.

„Über das, was mir in den letzten Tagen passiert ist, bin ich sehr erschüttert“, sagte Neuhaus-Wartenberg. Anrufer am Telefon hätten sie aufgefordert zuzugeben, dass sie ein Verhältnis mit Gebhardt habe und Gebhardt auch der Vater ihres dreijährigen Sohnes sei. Zur moralischen Unterstützung hatte sie ihre gesamte Familie inklusive der Großmutter mitgebracht. Die Vorwürfe, gewerkschaftsfeindlich und arbeitgebernah zu sein, wies sie zurück. In ihrer bisweilen pathetischen Bewerbungsrede sprach sie über ihren Großvater, der ihr persönliches und politisches Vorbild sei. Er habe sich beim Aufbau in der DDR engagiert und trotz politischer Intrigen in der damaligen Zeit immer „für eine bessere Welt“ gekämpft. „Das lässt mich vieles aushalten“. Es gab langen Beifall. Dennoch setzten die Delegierten die Newcomerin nicht auf den von Gebhardt vorgesehenen Listenplatz fünf, sondern nur auf Platz elf.

Kein Happy End gab es dagegen für Edith Franke. Die Mitgründerin der „Dresdner Tafel“ und Alterspräsidentin des Landtags fand keine Unterstützung für eine erneute Kandidatur auf einem guten Listenplatz. Die 71-Jährige hatte in einem Zeitungsinterview den Linken mangelndes Engagement für die Armen vorgeworfen. Das kam in der Partei gar nicht gut an. Der Vorwurf mangelnden Engagements gelte vor allem für Franke selbst, hieß es.