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Theaterfoyer mit Kran

260 Stützpfähle sichern die Baugrube. Bis zur Grundsteinlegung auf dem Gelände des Kraftwerks Mitte im Juli soll sie fertig sein.

© André Wirsig

Von Bettina Klemm

Die künftige Baugrube sieht seltsam aus. Für den Theaterneubau auf dem Gelände des Kraftwerks Mitte wurde die Erde an einigen Stellen tief ausgehoben, auf anderen Flächen wird das übliche Bodenniveau nur von Stahlpfeilern im Boden markiert. „Der Neubau wird nur zum Teil unterkellert, beispielsweise für den Orchestergraben, für Unterbühnen und Lager“, erklärt Axel Walther. Der Geschäftsführer der KID, Kommunale Immobilien Dresden, kündigt an, dass nach Pfingsten etwa 260 Pfähle in Tiefen von 7,50 bis 12,70 Metern gebohrt werden, um dem späteren Theaterneubau Standsicherheit zu geben.

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Zur Sicherheit wurde die Fläche nach Bomben und Granaten abgesucht. Aber nichts gefunden, schließlich stand auf dem Areal bis vor einigen Jahren das eigentliche Heizkraftwerk. Um die künftige Baugrube trocken zu legen, muss das Grundwasser um etwa zweieinhalb Meter abgesenkt werden. Dazu werden sechs Tiefbrunnen und zehn sogenannte Schluckbrunnen zum Versickern gebohrt. So wird das Wasser in der Nähe der Schweriner Straße ins Grundwasser filtriert und nicht, wie bei anderen Baustellen, in die Elbe gepumpt.

Bis zum 8. Juli soll die 3.000 Quadratmeter große Baugrube fertig sein. Dann will die Stadt zur feierlichen Grundsteinlegung einladen. Bis Ende 2016 baut sie im Kraftwerk Mitte neue Spielstätten für die Staatsoperette und für das Theater Junge Generation. Die Gesamtkosten für das Projekt betragen rund 96 Millionen Euro, sechs Millionen davon sind für die Ausstattung vorgesehen. 15 Millionen Euro Städtebaufördermittel fließen in das Bauvorhaben. Mit dem Bau hat die Stadt ihre Immobilientochter KID beauftragt.

In einem reichlichen Jahr bereits soll der Rohbau abgeschlossen sein. Ein wichtiger Teil davon wird die Maschinenhalle des einstigen Kraftwerks sein. Im Sommer 1900 wurden in ihr die ersten Dampfmaschinen mit Generatoren in Betrieb genommen. 1994 wurden die letzten Anlagen zurückgebaut. Nun soll die unter Denkmalschutz stehende Halle das Foyer, die Probebühne und das Puppentheater aufnehmen.

Vorerst ist aber das Bauwerk völlig entkernt. Nur einzelne Maschinenfundamente bleiben erhalten. Vom Dach ist nur noch das tragende Stahlgerippe zu sehen. Die Metallteile werden konserviert, bevor das Dach neu gedeckt und das Oberlicht mit Glas versehen wird. Im Inneren der Halle ist der Kran an der Decke gut erkennbar. Er bleibt erhalten und erinnert die künftigen Theaterbesucher an die Geschichte des Hauses. Die Maschinenhalle hat eine Traufhöhe von 7,40 Metern. Bis zu 5,20 Meter geht es in einigen Bereichen in die Tiefe. „An einigen Stellen wird man das gesamte Ausmaß der Maschinenhalle auch später noch erkennen“, erklärt Projektleiter Florian H. Brandenburg.

Derzeit verstärken die Bauarbeiter den oberen Teil der hinteren Mauern mit vier Betonstützen. Anschließend wird die Rückwand zwischen sechs Pfeilern abgerissen, nur etwa zwei Meter Mauerwerk oben bleiben erhalten. So wird die Maschinenhalle unmittelbar mit dem Theater-Neubau verbunden. Die Besucher gelangen vom Foyer direkt in die Zuschauersäle.

Für das Theaterprojekt wird die einstige Schaltzentrale gegenüber vom Maschinenhaus nicht benötigt. Um aber dennoch einen Theaterboulevard zu schaffen, verhandeln die Drewag Stadtwerke derzeit mit möglichen Nutzern. „Wir denken im Wesentlichen an eine kulturelle Nutzung und sind mit mehreren Interessenten, darunter Musik- und Tanzclubs, privaten Theatern und Gastronomen, im Gespräch“, kündigt Drewag-Prokurist Frank Neuber an. Die Umbauten sollen im nächsten Jahr beginnen, damit der städtische Theater-Neubau ein würdiges Gegenüber erhält. Zu den Investitionskosten kann sich Neuber erst äußern, wenn die Anforderungen der künftigen Nutzer bekannt sind.

In das Kraftwerksgelände möchte auch Jana Betscher von der IG Kraftwerk Mitte einziehen. Seit vier Jahren bemüht sich ihr Verein darum, dass die Kreativwirtschaft im Kraftwerk eine Heimat findet. „Wir brauchen eine Gesamtplanung auch für das Umfeld und zusätzliche Angebote beispielsweise für Familien und Touristen“, sagt sie. Auch wenn die Theater Sommerferien haben, müsse auf dem Gelände etwas los sein“, sagt Jana Betscher.