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Theatersommer: So geht es 2020 weiter

Intendant Lutz Hillmann freut sich über den Erfolg des diesjährigen Theatersommers. Auch Pläne für das nächste Jahr hat er bereits.

Intendant und Regisseur hat mit der Sonnenallee einen weiteren Kultfilm für die Bühne bearbeitet. Nun zieht er Bilanz.
Intendant und Regisseur hat mit der Sonnenallee einen weiteren Kultfilm für die Bühne bearbeitet. Nun zieht er Bilanz. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Nach 35 Vorstellungen von „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ ist der Bautzener Theatersommer Geschichte. In den vergangenen sechs Wochen sind die Zuschauer in den 1970er-Jahren in Ostberlin bei Micha und seiner Clique und all ihren Freuden und Sorgen gelandet. Über die erfolgreiche Produktion sprach die SZ mit dem Bautzener Theaterintendanten und Regisseur Lutz Hillmann.

Seit Sonntag ist der Theatersommer und die Komödie „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ Vergangenheit. Wie fällt Ihr Resümee aus, Herr Hillmann?

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Nach drei Jahren Olsenbande und Rekordzuschauerzahlen für Egon, Benny und Kjeld waren wir schon gespannt, ob wir mit unserer diesjährigen musikalischen und komödiantischen Zeitreise das Publikumsinteresse treffen. Diese Rechnung ist sehr gut aufgegangen. Es kamen über 35.000 Zuschauer zu unseren Vorstellungen, das ist zu 100 Prozent ausverkauft.

Wie erklären Sie sich den Erfolg?

Der Erfolg hatte nicht von vornherein mit dem Thema zu tun, sonst hätten wir das im Vorverkauf gemerkt. Ich denke, die große Resonanz hat zum einen etwas mit der Art der Aufführung zu tun und zum anderen mit der Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Leute haben gemerkt, dass wir keine Ostalgie betreiben, sondern dass wir versucht haben, mit aller Differenziertheit unsere Vergangenheit darzustellen – mit allen Widersprüchen und Schwierigkeiten. Ich glaube, das ist sehr gut angekommen und die Musik hat das Übrige getan.

„Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ hat auf unterhaltsam-satirische Art eine Geschichte vom Erwachsenwerden im Schatten der Mauer erzählt. Was begeisterte das Publikum konkret?

Das Stück hat einen guten Rhythmus bekommen, über drei Stunden ist es, glaube ich, nie langweilig geworden. Es ging Schlag auf Schlag ohne große Umbau- und Wartezeiten. Gut gefallen hat auch, dass die unterschiedlichen Ansprüche bedient wurden – für diejenigen, die lachen wollten genauso wie für die Zuschauer, die hinter die Oberfläche schauen wollten.

Ihr Wunsch war es, dass unterschiedliche Generationen dieses Stück zum Anlass nehmen, um 30 Jahre nach dem Mauerfall vielleicht über bisher ungefragte Fragen miteinander zu sprechen. Kam denn auch junges Publikum?

Zum Ende des Theatersommers wurde das Publikum jünger. Ich hätte mir aber ein paar mehr junge Leute gewünscht, auch weil ich die Resonanz aus anderen Städten und Bühnen kenne. Letztlich muss ich aber sagen: Die „Sonnenallee“ hat auch bei uns generationsübergreifend funktioniert.

Für das authentische Flair der Zeit haben auch die Musiker um Tasso Schille gesorgt …

Sie „Mauersegler“ haben ganze Arbeit geleistet. Musik transportiert hervorragend Emotionen – und hat auch gezeigt: In diesen 1970er-Jahren wurde einfach beidseits der Grenze eine Super-Rockmusik gemacht. Wer die Band übrigens noch mal erleben will, bekommt beim Bühnenball die Chance.

Auch bei dem Burgfilmnächten stand in diesem Jahr der deutsche Film im Mittelpunkt?

Und das Konzept ist gut aufgegangen. Wir hatten über 1 000 Zuschauer, am besten besucht war der „Gundermann“-Film von Andreas Dresen. Diesen Film kann man sich durchaus auch zweimal ansehen. Auch er zeigt wie unsere „Sonnenallee“ einen differenzierten Blick auf die ostdeutsche Geschichte.

Nach dem Theatersommer ist vor dem Theatersommer. Worauf darf sich das Publikum in der kommenden Spielzeit freuen?

Im kommenden Jahr geht es in eine ganz andere Richtung. Da kommen Sherlock Holmes und Doktor Watson auf die Bühne der Ortenburg. Das Stück heißt „Holmes – und das Biest von Bautzen“. Es ist ein Klasse-Stoff mit Super-Figuren von Arthur Conan Doyle, der sich hervorragend in die Gegenwart und das Hier und Heute übertragen lässt. Versprochen: Da kommt wieder etwas sehr Unterhaltsames heraus. Jetzt gehen wir erst mal in die Theaterferien. Zurück sind wir zum Tag der offenen Tür und dem Spielzeitauftakt am 8. September.

Gespräch: Miriam Schönbach

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