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Theorie und Praxis

In Mittelsachsen sind zurzeit noch 953 Ausbildungsplätze frei, 816 Jugendliche suchen noch eine Lehrstelle. Theoretisch passt das, nur in der Praxis wollen viele Schüler eben ihren Lieblingsberuf erlernen.

Von Siggi Grohmann

In Mittelsachsen sind zurzeit noch 953 Ausbildungsplätze frei, 816 Jugendliche suchen noch eine Lehrstelle. Theoretisch passt das, nur in der Praxis wollen viele Schüler eben ihren Lieblingsberuf erlernen. Die meisten künftigen Azubis interessieren sich für den Beruf des Verkäufers beziehungsweise Kaufmanns.

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Nur sind diese Plätze eben sehr begehrt, und wer eine solche Ausbildung ergattern will, muss sich schon bei der Bewerbung gut verkaufen. Nur wie soll das gehen, wenn er das Verkaufen erst erlernen will? Dann bleibt ihm nur, erst einmal einen anderen Beruf zu erlernen – nur welcher ist der richtige?

Dafür gibt es vielfältige Informationsmöglichkeiten. So hat Mittelsachsens Arbeitsagentur jetzt eine positive Bilanz der „Woche der offenen Unternehmen“ gezogen. Knapp 1000 Schüler sahen sich in 140 Betrieben um. Dabei wurden 155 verschiedene Berufe vorgestellt. Allerdings gab es auch einige Unternehmen im ländlichen Raum, bei denen in dieser Woche an keinem einzigen Tag ein Schüler gesehen wurde.

An anderen Stellen kann man sich sogar schon nachts auf den künftigen Beruf vorbereiten. So bietet das Institut für Keramik, Glas- und Baustofftechnik der TU Bergakademie Freiberg das sogenannte Nachtlabor an, in dem Schüler experimentieren können. Kein Experiment dagegen ist der Girls-Day, an dem sich Mädchen seit Jahren in typischen Männerberufen umsehen können. An der Freiberger Uni konnten die jungen Damen zum Beispiel mit Materialforschern echte Diamanten herstellen. Allerdings hat schon Marilyn Monroe gesungen: „Diamonds are girls best friends.“ Insofern schließt sich der Kreis also wieder.

Aber auch an der Freiberger Hochschule strahlt nicht alles wie ein Edelstein. Die TU Bergakademie feiert im nächsten Jahr zwar ihr 250-jähriges Bestehen, allerdings drohen in nächster Zukunft Stellenabbau und sogar die Schließung einiger Fachbereiche.

Nun haben Studenten einen Film gedreht, mit dem sie gegen die Kürzungen protestieren. In dem Streifen sind Studenten mit aufgespannten Regenschirmen in einem Hörsaal zu sehen, in dem es durch die Decke regnet. In einer anderen Szene stehen Studenten Schlange im Verwaltungsgebäude oder versuchen, per Autostopp nach Dresden zu kommen, weil nur noch dort Mathe-Vorlesungen angeboten werden.

Damit ist zwar nicht unbedingt zu rechnen, Mathematik wird auch in Zukunft zur Grundversorgung zählen, aber gerade dabei hapert es bei vielen Jugendlichen. Auch wenn zum Beispiel eine Holzkunstfirma bei einem Bewerber für den Beruf des Spielzeugmachers bei Fingerfertigkeit und Leistungsbereitschaft über eine Vier in Mathematik hinwegsehen würde, Rechnen sollte man schon können – besonders wenn man Kaufmann werden will.

Und genau deshalb wird diese Rechnung von den 816 Bewerbern für die 953 Ausbildungsplätze in der Praxis nicht aufgehen .