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Thiendorf ist Spiele-Weltmeister

Aus einem Spielnachmittag fürs ganze Dorf ist eine WM-Teilnahme geworden.

Von Birgit Ulbricht

Von wegen nur Würfelglück! Einmal geschlafen und bei einer sechs eine neue Spielfigur herausgesetzt, statt eine gegnerische Figur aus dem Feld zu schlagen – und schon beginnt die ganze Runde tippel tappel tour von vorn. „Aufpassen muss man“, sagt Spieleleiter Sven Kretschmer. Auf das, was die Mitspieler tun und auf die Gegner.

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E-Mail an den Bürgermeister

Mit einer lockeren Würfelrunde, aufschreienden Kindern, die eine Spielfigur zurücksetzen müssen oder pausenlosem Gelächter hatte das Mensch-ärgere-Dich-nicht-Turnier, zu dem die Thiendorfer vor kurzem gefahren sind, nichts zu tun. In der riesigen Eisweinhalle im kurpfälzischen Wiesloch herrschte angestrengte Konzentration bei den fast 200 Teilnehmern der diesjährigen Weltmeisterschaft im Mensch-ärgere-Dich-nicht. Der Landrat selbst vergab die Preise zur Siegerehrung, das Publikum säumte ringsherum die Spielbretter und bejubelte schließlich die einzigen angereisten Ossis. Die sind jetzt Weltmeister und kommen aus Thiendorf. Ob sich das schon herumgesprochen hat?

„Die Turnierleitung hat uns gesagt, dass sie an Bürgermeister Armin Freund eine Mail geschickt hat“, sagt Sven Kretschmer. Freunde und Familien wissen natürlich von dem tollen Erfolg. Sie kennen das MÄDN-Team-Thiendorf. Vor fünf Jahren kamen die jungen Leute auf die Idee, im Jugendklub einen Mensch-ärge-Dich-nicht-Nachmittag zu veranstalten. Für Jung und Alt, was fürs ganze Dorf eben. „Das war ein Riesenspaß und lief so gut, dass wir weitergemacht haben“, erzählt Sven Kretschmer.

Andere Spieler entdeckten die Thiendorfer im Netz, luden sie zu sich ein. Die Thiendorfer fuhren zu ersten professionellen Turnieren und veranstalteten schon zweimal selbst den Sachsen-Cup im Ort. Jetzt haben sie den Weltmeistertitel in den Landkreis Meißen geholt. Aber wie ernst zu nehmen ist so ein Titel? So ernst wie andere Spiele-Weltmeisterschaften auch.

Egal ob Online-Spiel oder Brettspiel – die Hersteller geben jährlich offiziell ihre Spiele-Termin-Kalender heraus. Natürlich sind manche Spiele nur in Europa verbreitet, andere werden wieder weltweit gespielt. Die Lizenz für das gute alte Mensch-ärgere-Dich-nicht hat Schmidt-Spiele Berlin. Die führen die Thiendorfer jetzt offiziell auf ihrer Internetseite als amtierende Weltmeister und haben die Sachsen schon als Zugpferd zur neu geplanten regionalen Meisterschaft in Bremen 2013 eingeladen. Doch zuvor müssen die Fünf erst ihren Erfolg verdauen. Sie hatten sich zwar intensiv auf die WM vorbereitet und sich auch heimlich die Finalteilnahme vorgenommen. „Aber als wir hauchdünn in das Finale gerutscht sind, waren wir schon heilfroh“, sagt Sven Kretschmer. Doch was sich während und nach dem Turnier abspielte, war einfach unglaublich, sagen die Thiendorfer. Die Thiendorfer das sind Gundula und Lars Wuttke, Felix Kretschmer, der Spielertrainer Sven Kretschmer sowie Carina Schmude – die in der Einzelwertung antrat. Jeder Spieler musste drei Vorrunden-Partien absolvieren und dabei Punkte für das Team zu sammeln. Anschließend erhielten die vier Teams mit den meisten Punkten einen der begehrten Plätze im Finale. Nach der ersten Vorrunde sah es für Thiendorf alles andere als gut aus. Nur ein Sieg und zwei dritte Plätze ließen alle Träume schwinden. Aber nach der ersten Fehleranalyse gingen die Thiendorfer fit in die zweite Runde. Dort konnten die beiden Wuttkes trumpfen. Damit war Thiendorf plötzlich punktgleich mit dem bis dahin Viertplatzierten und wollte die Chance auf das Finale in Runde drei nutzen. Dort passierte das Unmögliche: drei Siege und Thiendorf war als Drittstärkste qualifiziert.

Teamfarbe ist grün

Da Gundula bei der letzten WM-Teilnahme 2010 bereits sehr gut spielte war klar, dass sie das Team im Finale vertreten musste. Das Finale fing genauso zäh an, wie das gesamte Turnier, aber „Gundel“ schaffte es, drei Figuren im Ziel zu platzieren und mit der vierten Figur direkt vorm Ziel zu stehen. Dann kam sie endlich, die langersehnte 1. „Wir sind Weltmeister!“ Unglaublich! Wir lagen uns in den Armen, konnten es eigentlich noch gar nicht fassen“, sagt Sven Kretschmer. Der Pokal ist 18 Kilo schwer, und die grünen Spielfiguren bekommen einen Ehrenplatz.