merken

Thiendorf verbannt lärmende Laster

Der Kampf des Unternehmer- Ehepaars Büttner gegen die Lkw-Parkplätze im Gewerbegebiet scheint Früchte zu tragen.

Von Manfred Müller

Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Es ist Nacht im Thiendorfer Gewerbegebiet. Von Ruhe aber kann nicht die Rede sein. Auf der Straße Am Fiebig stehen in langer Reihe parkende Lkw, und bei etlichen davon tuckern die Motoren. Einige der Fahrer betreiben in ihren Brummis Heizung, Mikrowelle und Kaffeeautomat über die Lichtmaschine. Andere Lkw sind Kühltransporter, die ihre Aggregate über Nacht am Laufen halten müssen. Ilona Büttner ist wieder einmal geladen. Unsanft pocht sie an eine Autotür und staucht den verschlafenen Fahrer zusammen. Der schaltet verdutzt den Motor aus. Die Unternehmerin betreibt mit ihrem Mann Detlef schräg gegenüber eine Kunststoffverarbeitungsfirma. Im Obergeschoss hat sich das Ehepaar seine Wohnung eingerichtet. „Wir können durch den Lärm seit Jahren nachts nicht mehr richtig schlafen“, sagt sie. „Bei offenem Fenster schon gar nicht.“

Am Mittwochabend brachten die beiden Firmeninhaber ihr Problem zum wiederholten Male im Gemeinderat zur Sprache. Dass sie in einem Gewerbegebiet wohnen, sei ihnen durchaus bewusst. Allerdings habe ihnen die Gemeinde vor mehr als einem Jahrzehnt die Wohnung genehmigt. Und außerdem müsse sich die Kommune doch einmal die Frage stellen, was sie davon hat, wenn sie die Brummifahrer dort übernachten lässt – nichts außer Lärm, Abgasen und Müll.

Die Büttners führen seit zehn Jahren einen regelrechten Feldzug gegen die Lkw-Parkplätze und letztlich auch gegen die Gemeinde, die die Buchten eingerichtet hat. Vor allem deshalb, weil sich Fahrer nicht auf die zugelassenen vier Parkmöglichkeiten beschränken, sondern ihre Transporter auch auf Pkw-Parkplätzen und Fußwegen abstellen. „Bis zu 27 Fahrzeuge haben wir schon gezählt“, reklamiert Ilona Büttner. Die machen nicht nur Krach, sondern die Brummipiloten reinigen auch die Laderäume dort und lassen den Dreck und Müll dann einfach liegen. Den Platz hinter der Elektroverteilerstation nutzen sie als Toilette. Das hat die Büttners über die Jahre dermaßen verärgert, dass sie sich erbitterte Auseinandersetzungen mit der Gemeinde, dem Landkreis und der Polizei lieferten. Die schalteten letztlich auf stur und ließen die Unternehmer mit ihrem Problem allein.

„Die Lkw-Buchten wurden damals angelegt, um das wilde Parken im Gewerbegebiet zu verhindern“, erklärt Thiendorfs neuer Bürgermeister Dirk Mocker. „Das war ein verkehrstechnischer Versuch.“ Mocker fungierte vor seiner Wahl im vorigen Jahr als Hauptamtsleiter und kennt das Problem ganz genau. Mit der Betriebswohnung der Familie Büttner mitten im Gewerbegebiet habe die Gemeinde eine Ausnahme gemacht, die ihr letztlich nicht gut bekommen sei. Aber im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger Armin Freund zeigt sich Mocker kompromissbereit. Die Gemeinde will die Brummis nun zumindest parktechnisch aus dem Gewerbegebiet verbannen. Noch in diesem Jahr sollen die Buchten am Fiebig mit Pollern so weit verkleinert werden, dass dort nur noch Pkw abgestellt werden können.

Außerdem soll eine entsprechende Beschilderung das Parken für Lkw generell verbieten. „Ich suche mit den Gemeinderäten noch nach der kostenmäßig und sicherheitstechnisch günstigsten Variante“, sagt Mocker. „Aber wir werden die Mittel dafür auf jeden Fall dieses Jahr in den Haushalt einstellen.“

Der Sinneswandel der Kommune ist nicht nur der Büttnerschen Beharrlichkeit und dem Wechsel im Bürgermeisteramt geschuldet. Zum einen existiert auf der anderen Seite der Autobahn seit Jahren ein Autohof mit entsprechenden Parkmöglichkeiten. Der wurde von vielen Brummifahrern nur nicht angenommen, weil sie eine Stellplatzgebühr bezahlen mussten. Zum anderen ist es die Gemeinde leid, ständig die Hinterlassenschaften der Lkw-Fahrer vom Fußweg und aus den Grünanlagen zu entfernen. Das sieht offensichtlich auch eine Mehrheit im neu gewählten Gemeinderat so, wodurch die Umgestaltung der Parktaschen nun in greifbare Nähe gerückt ist.

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.