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Tickende Zeitbomben im Kirnitzschtal

Bereits seit den Juni-Unwettern türmen sich große Berge im Tal. Die Erdmassen könnten nun zur neuen Gefahr werden.

Die Folgen von Unwettern. Überall entlang der Kirnitzschtalstraße liegen solche Geröllhaufen.
Die Folgen von Unwettern. Überall entlang der Kirnitzschtalstraße liegen solche Geröllhaufen. © Daniel Schäfer

Entlang der Kirnitzschtalstraße reiht sich Erdhaufen an Erdhaufen. Sie sind die Hinterlassenschaft der Strakregen der letzten Wochen und Monate, als sintflutartig Schlamm, Erde, Steine und Bäume ins Tal gespült wurden. Um die Straße wieder freizubekommen, mussten die Erdmassen beiseitegeschoben werden. Und dort liegen sie noch immer. Inzwischen türmen die sich an einigen Stellen ziemlich hoch.

Anwohner wie auch Wirte und Vermieter befürchten, dass von den abgelagerten Erdmassen nun neue Gefahr ausgeht. Nicht nur, weil die Erdhaufen etwa Arsen und Nickel enthalten. Vor allem können die Berge selbst abrutschen. Einen ersten Vorgeschmack gab es bereits am 26. August. Wiederum sorgte Starkregen dafür, dass Erdmassen und Geröll ins Tal stürzten. Allerdings setzten sich auch die bereits abgelagerten Haufen zum Teil in Bewegung. „Die Geröllberge müssen weg. Sie sind zum einen gefährlich und zum anderen bieten sie auch unseren Touristen keinen schönen Anblick“, sagte Elisabeth König, Wirtin vom Lichtenhainer Wasserfall bereits vor dem Kirnitzschtalfest. Und das war Ende Juli. Noch immer liegen aber die Geröllberge da.

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Spezielle Entsorgung

Was sagt das Landratsamt in Pirna dazu? „Für die mit Steinen, Laub und Altholz vermischten Geröllmassen musste eine entsprechende Deponie beziehungsweise Ablagefläche gefunden werden“, sagt Martina Aurisch, die zuständige Amtsleiterin für Straßenbau und Verkehr auf Nachfrage der Sächsischen Zeitung.

Das Problem sei, die Erdmassen können nicht einfach wieder zurück in den Wald geschafft werden. Experten haben die Zusammensetzung geprüft und festgestellt, dass die Geröllmassen hohe Anteile an Chrom, Nickel, Zink und Arsen enthalten. „Die gefundenen Stoffe stellen eine Eigenheit des Kirnitzschtales dar, und sind für diese Gegend fachlich tolerierbar“, sagt die Amtsleiterin.

Dennoch erfordert die Zusammensetzung eine spezielle Entsorgung. Die etwa 2.500 Tonnen Geröll würden auf eine dafür zugelassenen Fläche verbracht. Das Landratsamt hat ein entsprechendes Unternehmen mit der Entsorgung beauftragte. Das Unternehmen selbst habe eine ortsnahe Fläche bereitgestellt. Weitere Flächen würden nicht benötigt. Wie das Landratsamt nun ankündigte, sollen die Erdhaufen voraussichtlich in dieser Woche abtransportiert werden. Die Entsorgung wird ziemlich teuer. Das Landratsamt rechnet mit Kosten in Höhe von etwa 126.000 Euro.

Dämme wären gut

Die Gefahr vor weiteren Erdrutschen im Kirnitzschtal bleibt bestehen. Eine schnelle Abhilfe sieht das Landratsamt derzeit nicht. Bewährt hat sich aber offenbar der Geröllfang, den die Stadt Sebnitz oberhalb des Forsthauses im Kirnitzschtal errichtet hat. Dieser muss jedoch immer wieder geleert werden – auf Kosten der Stadt.

Flächendeckend entlang des Kirnitzschtales Dämme zu bauen, die dem Tal Schutz gegen Erdrutsche bieten, würden einen erheblichen und nachhaltigen Eingriff in die Landschaft zur Folge haben. Das dürfte auch kaum genehmigungsfähig sein, da die betroffenen Gebiete entweder im Nationalpark oder im Landschaftsschutzgebiet liegen. Und das Landratsamt bleibt auch bei seiner Aussage, bei angekündigten Unwettern die Kirnitzschtalstraße vorsorglich zu sperren. Man setze vor allem darauf, alles Mögliche zu tun, damit die Straße so schnell wie möglich, wieder freigegeben werden kann.

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