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Wie eine Tiefenauer Skulptur im Kunsthandel landete

Die fast zwei Meter große Figur zierte bis in die DDR-Zeit den Schlossgarten. Heute steht sie in Dresden zum Verkauf – doch vielleicht nicht mehr allzu lange.

Ein Original einer Tiefenauer Brunnenfigur steht im Dresdner Kunsthandel am Schloss, wo Mitarbeiter Felix Pietschmann sich entspannt dagegen lehnen kann. Dass die tonnenschwere Figur umkippt, ist eher unwahrscheinlich.
Ein Original einer Tiefenauer Brunnenfigur steht im Dresdner Kunsthandel am Schloss, wo Mitarbeiter Felix Pietschmann sich entspannt dagegen lehnen kann. Dass die tonnenschwere Figur umkippt, ist eher unwahrscheinlich. ©  Sebastian Schultz

Tiefenau/Dresden. Sie ist ein Hingucker zwischen dem Porzellan, Gemälden und Möbelstücken. Dafür sorgt allein die Größe. Die Skulptur im Dresdner Kunsthandel am Schloss ist aber nicht nur wegen ihrer mehr als 1,80 Meter Höhe außergewöhnlich. Kein anderes Stück musste aufwendiger per Kran in das Geschäft unweit vom Grünen Gewölbe gehievt werden.

Knapp 300 Jahre ist die Figur alt. Sie stellt einen Triton dar – ein aus der griechischen Mythologie stammendes Mischwesen mit menschlichem Ober- und fischartigem Unterkörper. Im Dresdner Kunsthandel am Schloss befindet der sich erst seit rund anderthalb, zwei Jahren, erzählt Inhaber Thomas Lieber. Davor hatte er mehrere Jahrzehnte im Palais im Großen Garten verbracht, zweieinhalb Kilometer entfernt.

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Die längste Zeit hat die Figur aber im Tiefenauer Schlossgarten gestanden. Ab 1710 hatte der damalige Oberhofmarschall Graf August Ferdinand von Pflugk – einer der ranghöchsten Beamten von Sachsens damaligem Kurfürst August dem Starken – das Tiefenauer Schloss erbauen lassen.

 Zum Schlossgarten gehörten auch die vier Sandstein-Tritonen. Gefertigt haben soll sie der spätere Hofbildhauer Augusts des Starken, Johann Benjamin Thomae, der neben seinem Lehrer Balthasar Permoser als wichtigster Barockbildhauer der damaligen Zeit in Dresden gilt. Beide haben auch am Zwinger gebaut.

Ein Duplikat hingegen sind die Brunnenfiguren vor Ort in Tiefenau, die derzeit saniert werden. Jede Figur hat eine individuelle Körperpose.
Ein Duplikat hingegen sind die Brunnenfiguren vor Ort in Tiefenau, die derzeit saniert werden. Jede Figur hat eine individuelle Körperpose. ©  Sebastian Schultz

Das Tiefenauer Schloss steht seit der Zerstörung infolge des Befehls der Sowjetischen Militäradministration von 1948 nicht mehr. Die vier Tritonen gibt es im einstigen Schlossgarten, dem heutigen Rosengarten, aber noch immer.

Die Figuren samt der zugehörigen Brunnen sind gerade saniert worden. Bei den Skulpturen handelt es sich allerdings um Kopien der einstigen Original-Tritonen. Anfang der 1960er-Jahre seien sie von einem Dresdner Bildhauer gefertigt worden, so die Ortschronik. Unter anderem, weil die Originale so stark beschädigt waren.

Eine intakte Original-Figur sei in den 1950ern nach Dresden verbracht worden, heißt es in Tiefenau. In der Landeshauptstadt stand sie im Palais im Großen Garten. Bis sie das Land vor einigen Jahren an die einstige Besitzerfamilie des Tiefenauer Schlosses zurückübereignete.

Von Nachfahren der Familie habe er die Figur auch gekauft, erzählt der Dresdner Kunsthändler Thomas Lieber. In sein Geschäft in der Schlossstraße sei die Figur danach aber nicht gleich gekommen.

Sie machte erst einmal noch einen Zwischenstopp beim Restaurator. Dort wurden kleinere Schäden ausgebessert, Auswaschungen zum Beispiel. „Es war ja immer Wasser drübergelaufen, das hat schon Spuren hinterlassen“, sagt der Kunsthändler, der mit seinem Unternehmen seit 30 Jahren am Markt ist.

Eine Preisvorstellung nennt Lieber auf seiner Webseite für den Tritonen nicht. Auf Nachfrage nennt er jedoch eine Hausnummer: um die 20 000 Euro. Das sei auch der Preis, den man für eine neue Figur dieser Art rechnen müsse.

Einen Abnehmer gibt es bisher nicht. Doch es gebe einen Interessenten, sagt der Kunsthändler. Wen, da will sich der Geschäftsmann nicht in die Karten schauen lassen. So viel bestätigt er aber: Der heutige Besitzer des Tiefenauer Schlossareals Henry de Jong, der aus der Anlage ein großes Ferienresort machen will, war es nicht.

Von den großen Plänen für Tiefenau hat auch Kunsthändler Thomas Lieber gehört. Im Gespräch zeigt er sich recht gut informiert über das Areal. Er sei selbst auch schon da gewesen, sagt er. „Für mich steht die Frage: Wenn man Millionen ausgibt, warum kann man dann nicht noch 20 000 Euro für die Originalität ausgeben?“ Direkt weiterleiten lässt sich die Frage an Gutsbesitzer Henry de Jong derzeit nicht. Doch das Ganze sei auch eine Preisfrage, ist aus seinem Umfeld zu hören.

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Die im Dresdner Kunsthandel erhältliche Original-Skulptur stand offenbar schon einmal im Ausland zum Verkauf.

Sollte sich der jetzige Interessent von Kunsthändler Thomas Lieber für den Kauf des Stücks entscheiden, könnte es gut sein, dass die Tritonenfigur die Region verlässt. Fünfzig Prozent seiner Kunden kämen aus dem Ausland und 90 Prozent seien Touristen, sagt der Händler.

Im Fall des Verkaufs wohl die Chance vergeben, dass ein Original nach Tiefenau zurückkehrt. In Thomas Liebers Dresdner Geschäft wäre dann wieder etwas mehr Platz – es gäbe allerdings auch einen Hingucker weniger.

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