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Tiefer gelegt

200 Meter Eugal- Gasleitungsrohre wurden in einem Stück in der Erde verlegt. Eine Teamarbeit von Giganten.

Zwischen dem Gewerbegebiet Meißen-Ost und Neusörnewitz kam am Dienstag eine riesige Gasleitung in die Erde.
Zwischen dem Gewerbegebiet Meißen-Ost und Neusörnewitz kam am Dienstag eine riesige Gasleitung in die Erde. © Arvid Müller

Von Anette Lindackers

Coswig. An der Köhlerstraße zwischen dem Gewerbegebiet Meißen-Ost und Neusörnewitz befindet sich die aktuelle Baustelle der Gascade Gastransport GmbH. Ein Graben mit 2,60 Metern Tiefe ist auf einer Länge von etwa 400 Metern ausgehoben. Oben an der Kante liegt die knapp 200 Meter lange Gas-Rohrleitung, bereit zum Ablegen in den Graben.

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Die Rohleitung – bestehend aus elf verschweißten Einzelrohren à 18 Meter und einem Gewicht von je 15 Tonnen – wird noch vor dem Ablegen in den Graben mit einem Prüfdetektor auf Fehlstellen kontrolliert. In der Zwischenzeit fährt schweres Gerät auf: Zehn Rohrverleger sind entlang des Grabens angerollt und beziehen, dirigiert von einem Monteur, Position. Jedes dieser Geräte kann zwischen 90 und 130 Tonnen heben und auf wenige Zentimeter genau positionieren.

Vom Seitenbaum Rohrverleger hängt am Haken eine breite Schlaufe, die nacheinander um die Rohre gezogen wird, alles in Zeitlupe. Jetzt fahren die Rohrverleger ganz allmählich ihre Ausleger aus. Um die Maschinen vor dem Kippen zu bewahren, befinden sich auf der gegenüberliegenden Seite Gegengewichte, die jetzt ihre Position finden. Wie eine überdimensionierte Schlange hebt sich die Leitung in die Höhe, krümmt sich sogar ein wenig und findet ganz allmählich, Stück für Stück, ihre Position im Graben.

Die Leitung besteht aus 18 Einzelrohren, von denen jedes einzelne 15 Tonnen wiegt und 18 Meter lang ist. Zehn Rohrverleger waren nötig, um die Leitung genau zu positionieren.
Die Leitung besteht aus 18 Einzelrohren, von denen jedes einzelne 15 Tonnen wiegt und 18 Meter lang ist. Zehn Rohrverleger waren nötig, um die Leitung genau zu positionieren. © Arvid Müller

„Dies ist einer der letzten längeren Abschnitte, die jetzt noch rechts der Elbe verlegt worden sind“, sagt Ioannis Plakidis-Adamer, Bauleiter bei Gascade Gastransport GmbH für dieses Gebiet. „Ich bin zufrieden mit dem Baufortschritt, wir liegen gut im Zeitplan, sodass wir Mitte/Ende September die meisten Rohrverlegungen fertigstellen können.“

Rechts und links vom Graben sind weitere Bauarbeiten zu erkennen, denn unter Straßen und Bahngleisen werden Rohrgräben gezogen, damit im Anschluss die Rohleitungen manuell zusammengeschweißt werden können.

Die Gascade Gastransport GmbH plant, baut und betreibt die europäische Gas-Anbindungsleitung (Eugal). Von den rund 480 Kilometern, die von der Ostseeküste in Lubmin bei Greifswald bis an die tschechische Grenze in Deutschneudorf verlegt werden, entfallen rund 106 Kilometer auf Sachsen. Größtenteils besteht die Anlage aus zwei Ferngasleitungen, für Sachsen ist ein Strang vorgesehen. Geplant ist, dass Ende 2019 der erste Strang in Betrieb gehen wird, die zweite Gasleitung soll Ende 2020 fertiggestellt sein. Bei 100 bar Betriebsdruck wird mit einer jährlichen Transportkapazität von 55 Milliarden Kubikmeter Gas gerechnet.

Plakidis-Adamer ist zuständig für insgesamt 74 Kilometer der Pipeline, davon entfallen 33 auf sächsisches und 41 Kilometer in brandenburgisches Gebiet. „Die Monteure und Bauarbeiter auf der Baustelle kommen aus der ganzen Welt“, sagt Plakidis-Adamer, während er einem der Monteure in fließendem Italienisch letzte Anweisungen gibt.

Wenn alle Leitungen verlegt und verbunden sind, wird alles wieder zugeschüttet. Die Gasrohre haben einen Durchmesser von 1,40 Metern, sodass etwa 1,20 Meter zur Überdeckung bleiben. 

Die Erdschichten werden wieder so aufgelegt, wie vorgefunden, der Mutterboden liegt auf einem etwa acht Meter breiten Streifen neben der Grube bereit zum Rücktransport. Wenn alles verfüllt und abgeschlossen ist, erfolgen die Kompensationsmaßnahmen, das Gelände wird rekultiviert. Entlang der Gasleitung verläuft künftig ein Schutzstreifen von zwölf Metern Breite, der frei gehalten werden muss und nicht mit tiefwurzelnden Pflanzen bepflanzt werden darf.

 Die europäische Gas-Anbindungsleitung (Eugal) wird von der Ostseeküste in Lubmin bei Greifswald bis an die tschechische Grenze in Deutschneudorf verlegt. 
 Die europäische Gas-Anbindungsleitung (Eugal) wird von der Ostseeküste in Lubmin bei Greifswald bis an die tschechische Grenze in Deutschneudorf verlegt.  © Arvid Müller

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