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Einfach ausgesetzt: Wer kennt Lonely?

Unbekannte haben einen ausgehungerten Hund beim Tierheim Bischdorf zurückgelassen - eine Straftat. Das sucht nun nach dem Eigentümer.

Unbekannte haben den Hund am Tor des Tierheims Bischdorf angeleint.
Unbekannte haben den Hund am Tor des Tierheims Bischdorf angeleint. © Tierheim

Der schwarze Hund trägt ein weißes Halsband. Seine Hüftknochen staken aus dem Fell. Er ist klapperdürr. Die blaue Leine, mit der das Tier an das Tor vom Tierheim Bischdorf angebunden ist, ist kurz. "Vermutlich ein Labrador-Mix", sagt Tierheimmitarbeiter Wolfgang Loske. Woher der Hund kommt, ist ungewiss. Plötzlich war er da. Offenbar ausgesetzt. Von Unbekannten. Namenlos ist der Hund nicht mehr. Die Tierheimmitarbeiter haben ihn "Lonely" - der Einsame – genannt.

Ramona Loske, Vorsitzende vom Tierschutzverein Löbau-Zittau, schüttelt den Kopf. "Es gab keinen Hinweis, weder in unserem Briefkasten, noch an anderer Stelle", sagt sie. Gefunden wurde allerdings unweit des Hundes eine abgegriffene Schachtel mit Herztabletten, die nach Tierheimangaben für Hunde sein sollen. Ein Zufall? Das glauben die Tierschützer weniger. In der Einrichtung, in der neben Katzen und Kleintieren aktuell 21 Hunde leben, werde keiner der Hunde mit einem solchen Medikament behandelt.

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Voller Zecken und ohne Chip

Dass Lonely schnell versorgt werden konnte, ist einer engagierten Anwohnerin zu verdanken. Durch die Corona-Auflagen sind die Öffnungszeiten im Tierheim etwas verkürzt. Ab 13 Uhr ist die Einrichtung noch bis Ende Mai geschlossen. "Gegen 15.10 Uhr bekamen wir einen Anruf", erzählt Ramona Loske. Die Anwohnerin hatte beim Gassi gehen mit ihrem eigenen Hund den angebundenen Labradormix entdeckt und sofort die Vereinschefin informiert. Vor Ort fanden die Tierschützer ein freundliches, aber ausgehungertes Tier vor, das zudem voller Zecken war. Sie entfernten die Blutsauger und schauten, ob der Findling einen Chip trägt. Mit dessen Hilfe könnte man die Herkunft herausfinden. Das erwies sich jedoch als Fehlanzeige. 

Geschätzt wird der Hund auf fünf bis sechs Jahre. Genaueres zum Alter wird erst der Tierarztcheck zeigen. Ob der Hund aufgrund einer möglichen Erkrankung oder durch Parasiten so dünn ist, wird ebenfalls abgeklärt. Freitagmittag war Lonely noch in der Görlitzer Tierarztpraxis zur Untersuchung. Ob der Hund ausgesetzt wurde, um die Abgabegebühr zu sparen oder aus ganz anderen Gründen, ist aktuell noch völlig unklar.

Aufruf auf Facebook gestartet

Doch wie geht es nun weiter? Einerseits sammelt das Tierheim nun Hinweise und hat auf Facebook einen entsprechenden Aufruf gestartet. Der wurde bis Freitagmittag mehr als 1.300 Mal geteilt – eine enorme Reichweite für einen solchen Eintrag. Dort steht unter anderem: "Wer kann helfen und kennt das Tier, um dem Täter auf die Finger zu klopfen?" Denn das Aussetzen eines Tieres sei eine Straftat. Ramona Loske sagt, dass tatsächlich bereits zwei voneinander unabhängige Hinweise eingegangen sind. Denen wird nun nachgegangen. 

Lonely bleibt auf jeden Fall mindestens die kommenden vier Wochen im Tierheim. Eher ist an eine mögliche Vermittlung nicht zu denken. So oder so hat der Hund schon die Herzen der Tierheimmitarbeiter erobert. „Er ist wirklich sehr lieb und zugänglich“, sagt Ramona Loske. Nur mit den anderen Hunden mag er sich nicht so richtig anfreunden. Niemand wüsste bisher, ob Lonely in der Vergangenheit überhaupt Kontakt zu anderen Vierbeinern hatte und er deshalb auf seine Artgenossen nicht sonderlich gut zu sprechen ist.

Der Hund ist keine Ausnahme. Mit ausgesetzten Tieren hat der Verein immer wieder mal zu tun. Vor einigen Jahren, so erinnert sich Wolfgang Loske, wurde ebenfalls ein Mischlingshund am Tierheimtor angebunden. Er konnte ebenso in gute Hände vermittelt werden, wie die ausgesetzten Katzenkinder von der Bushaltestelle Rosenbach. Im Sommer vor zwei Jahren wurden vier offenbar ausgesetzte Welpen im Königsholz bei Großhennersdorf gefunden. Sie waren schwer krank, drei von ihnen überlebten. In einem Zittauer Gewerbegebiet  wurden Hundewelpen in einem Pappkarton entdeckt. Und 2018 fand ein Spaziergänger in Neugersdorf einen kleinen weißen Hund im Gebüsch – neben ihm ein Körbchen. Alle diese Tiere bekamen neue Familien.

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