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Hunde plötzlich sehr gefragt

Peter Vater, Leiter des Görlitzer Tierheims, ist kein Freund davon, Tiere in einer Ausnahmesituation zu vermitteln. Aber in der Corona-Krise steige die Nachfrage.

Auch wenn es gerade besondere Bedingungen im Tierheim Görlitz sind, Auslauf will Hund Emmi trotzdem haben.
Auch wenn es gerade besondere Bedingungen im Tierheim Görlitz sind, Auslauf will Hund Emmi trotzdem haben. © Nikolai Schmidt

Ein trauriger Tag im Görlitzer Tierheim. Einer der Hunde war plötzlich erkrankt, "eine Magenverdrehung", erklärt Tierheimleiter Peter Vater. Zwei Not-Tierarztbesuche und eine OP konnten das 13 Jahre alte Tier nicht mehr retten. Aber auch davon abgesehen, ist bei Peter Vater die Stimmung derzeit gedrückt. Auch mit ersten Lockerungen, Kontaktbeschränkungen gelten weiterhin, auch im Tierheim. 

Für die freiwilligen Gassi-Gänger gilt deshalb: Zutritt nicht erlaubt. Spazieren gehen die Tiere dennoch so viel wie sonst auch, sagt Peter Vater. "Das Arbeitsvolumen für die festen Mitarbeiter ist jetzt eben deutlich gestiegen." Ein anderes Problem: "Wichtig für die Vermittlung ist, dass wir die Tiere bestmöglich kennenlernen." Zum Beispiel, wie ist das Verhalten Menschen gegenüber, die sie nicht jeden Tag vor Augen und Nase haben? Gerade bei Tieren, die erst kürzlich ins Tierheim kamen, ist das jetzt schwer festzustellen. 

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Nachfrage nach Tieren ist stärker

Vermittlung in Corona-Zeiten, das ist ohnehin ein schwieriges Thema für Vater. "Von anderen Tierheimen weiß ich, die haben die Vermittlung komplett eingestellt." Er fühle sich in der Zwickmühle. Auf der einen Seite: "Natürlich wollen wir, dass unsere Tiere möglichst bald ein neues, schönes Zuhause bekommen." Und es gebe derzeit nicht weniger Nachfrage, im Gegenteil. 

Der Görlitzer Tierheimchef Peter Vater prüft Interessenten auf Herz und Nieren, ehe er ihnen ein Tier überlässt.
Der Görlitzer Tierheimchef Peter Vater prüft Interessenten auf Herz und Nieren, ehe er ihnen ein Tier überlässt. © Archiv: Nikolai Schmidt

Das ist die andere Seite: Viele sind wegen der Corona-Schutzmaßnahmen nach wie vor  zu Hause. Eine Situation, in der bei manchem vielleicht der Wunsch nach einem Haustier aufkommt, ob lang gehegter Traum oder neue Idee.  "Die Leute versichern, sie möchten wirklich ein Tier. Ich will ihnen ja gerne glauben, aber ich weiß nicht. Ich fühle mich unwohl damit."

Vermittlung nur in Ausnahmefällen

Generell ist Vater kein Freund davon, Tiere in Ausnahmesituationen zu vermitteln. "Jetzt kommt ein Hund zum Beispiel in ein volles Haus, weil vielleicht auch die Kinder gerade daheim sind. In der Situation lebt sich das Tier ein. Und dann kehrt der Alltag wieder ein, das Tier ist plötzlich tagsüber allein." Seine Skepsis merkt man an der Zahl der vermittelten Tiere seit Anfang März. Die neuen Halter mussten  lange Gespräche mit ihm über sich ergehen lassen, erzählt Peter Vater. "Ich gebe zu, im Moment ist das eher ein Verhör." Vor allem gehe es darum, sicher zu sein, wie der Alltag mit dem Tier aussehen wird. Und ob der überhaupt zum ausgewählten Tier passt. 

Für die Interessenten, mit denen er letztlich einen Termin abgemacht hat, gilt: Nur eine Person darf aufs Gelände. Auch schwierig.  "Vermittlung ist eigentlich Familiensache." 

Dankbar ist Vater gerade vor allem den Mitarbeitern, die über eine sogenannte Arbeitsangelegenheit im Tierpark beschäftigt sind. Diese Maßnahmen wurden jetzt zeitweise eigentlich ausgesetzt, erzählt Vater. Hintergrund ist die sächsische Allgemeinverfügung vom 18. März, vor allem die Kontaktbeschränkungen, bestätigt das Landratsamt Görlitz. 

Angst vor Quarantäne

"Einige wollten trotzdem unbedingt kommen." Ehrenamtlich und unter strengen Regelungen. "Obwohl wir ihnen nur eine kleine Aufwandsentschädigung dafür geben konnten. Aber ohne sie hätten wir personell richtig alt ausgesehen." Drei feste Mitarbeiter hat das Tierheim. Die andere Seite: Je mehr Leute vor Ort, desto größer die Sorge vor einer Corona-Infektion. 

"Davor habe ich sehr große Angst. Wenn wir alle in Quarantäne müssten, wer soll sich dann um die Tiere kümmern?" Ein rotierendes System mit zwei Belegschaften ist mit oder ohne die AGH-Mitarbeiter nicht machbar. Gearbeitet wird jetzt mit Maske, unterschiedlichen Pausenzeiten und Abstand. Vater greift zu einer Sprühflasche auf dem Tisch: Desinfektionsmittel. 

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