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Tierisch gute Nachwuchs-Artisten

Kinder der Grundschule Oberottendorf sind heute Stars in der Manege. Den Applaus müssen sie aber teilen.

Von Katarina Lange

Früher bändigten muskelbepackte Hünen in der Manege Elefanten und Raubtiere. Heute stehen 120 aufgeweckte Kinder vor Benjamin Hein. Für den Artisten vom traditionsreichen Zirkus Hein ist das ganz selbstverständlich. Doch auch die Schüler hören auf sein Kommando. Ein Wort genügt, und schon ist die Rasselbande mucksmäuschenstill. Schließlich geht es um etwas. Dessen sind sich die Kinder der Grundschule Oberottendorf bewusst. Gleich stehen sie im Rampenlicht. Beäugt von ihren Mitschülern. Dann muss alles klappen.

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Eine Woche lang haben die Kinder das Klassenzimmer gegen das Zirkuszelt getauscht. Auch die Steppkes der ASB-Kita Pfiffikus und der Kita Vogelnest machen mit. Vier Tage lang probten sie mit den Artisten. „Kinder sind das dankbarste, aber auch kritischste Publikum“, verrät Benjamin Hein. In kürzester Zeit zeigt er den Schülern Tricks und Kniffe, die nur die ganz großen Zirkusstars kennen. Zum Beispiel, wie ein Meerschweinchen aus einem Zylinder gezaubert wird. Oder wie man eine Ziege dazu bringt, zu balancieren. „Schwer gibt es bei uns nicht“, sagt er und zwinkert. Man müsse den Kindern nur klar machen, dass es nicht um Einzelleistungen geht, sondern um die Gemeinschaft. „Was nützt es einem Akrobaten, wenn die Spitze der Menschen-Pyramide klasse ist, die Basis aber nicht gut steht?“, fragt er. Das hat er auch den Schülern gesagt. „Hier ist jeder auf jeden angewiesen. Wie in einer großen Familie“, betont Benjamin Hein, der selbst vier Jahre an der Staatlichen Fachschule für Artistik in Berlin studiert hat.

Dann geht es auch schon los. Langsam zählen die Schüler den Countdown herunter. Drei, zwei, eins – die alles entscheidende Generalprobe kann beginnen. Mit einem Trommelwirbel öffnet sich der Vorhang. Plötzlich stürmen zehn Schüler in die Manege. Jeder Einzelne steht für eine Zirkusnummer, von A wie Artistik bis Z wie Zauberei. Oder wie Ziege. Denn fünf dieser possierlichen Tiere eröffnen den Zirkusnachmittag. Von den Kindern werden sie nacheinander über einen schmalen Steg geführt. Nicht jeder Ziegenbock macht gleich mit. Erst muss ein Leckerli her. Dann springen und balancieren die Tiere auf Kommando. Den Applaus, den die kleinen Dompteure am Ende für ihre Leistung bekommen, müssen sie sich aber teilen – mit den Ziegen. Magisch geht es danach weiter. Einige Grundschüler probieren sich als Zauberer aus. Und tatsächlich. Erst ziehen sie aus einer eigentlich leeren Box bunte Tücher hervor. Dann springt plötzlich ein kleines Meerschweinchen aus einem Hut.

So unterhaltsam die einzelnen Darbietungen auch sind. Den Kindern verlangen sie höchste Konzentration ab. Zum Beispiel beim wackeligen Gang auf dem Hochseil, den mehrere Mädchen wagen. Die Kleinste in der Gruppe, Stella, springt auf dem dünnen Drahtseil sogar in einen etwa 50 Zentimeter hohen Reifen. Das gibt glatt einen Extra-Applaus.

Welche Tricks die Oberottendorfer Kinder noch aus dem Ärmel schütteln, davon können sich die Besucher heute überzeugen. Am heutigen Freitag sind zwei Galavorstellungen auf dem Festplatz in Niederottendorf geplant. Die erste Vorstellung beginnt 15 Uhr, die zweite 18 Uhr. Aktuell sind noch ein paar Restkarten für die Shows zu haben, wie Schulleiterin Katrin Barowsky mitteilt. Pro Vorstellung können maximal 250 Besucher zugelassen werden.