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Tierkindergarten im Göhrischgut

Besitzer Rico Heinzig hat erstmals Ferkel seltener Rassen abzugeben. Und er züchtet mithilfe von Fischen verschiedenes Gemüse.

© Andreas Weihs

Von Ulrike Keller

Der Gutsherr betrachtet sich die Schweinerei mit größtem Vergnügen. Immer wieder muss Rico Heinzig vom Göhrischgut seinen vier Damen einen beherzten Klaps geben, damit sie auch ihren Nachwuchs mal ans Buffet lassen – an die vier Tröge im Gehege. Der Hunger der vier Sauen ist gewaltig. Ihre 32 Winzlinge lernen, sich von klein auf durchzusetzen. Mit ihren sechs Wochen sehen die Vierbeiner aus wie sonderbare Frischlinge: farbenfroh mit anliegenden borstigen Löckchen. Und tatsächlich: Es sind kleine Exoten. Denn diese Babys einer neuseeländischen Kune-Kune-Sau und dreier ungarischer Wollschwein-Mütter sind ein Beitrag zum Überleben zweier vom Aussterben bedrohter Hausschweinrassen.

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„Ich betreibe die Haltung aus Liebhaberei“, sagt Rico Heinzig. Deshalb sah er sich verpflichtet, seine weiblichen Tiere auch einmal werfen zu lassen. Und deshalb sieht er sich nun in der Pflicht, einen Teil des grunzenden Zuwachses an andere Liebhaber abzugeben. „Es sind sehr robuste Rassen“, weiß der 38-Jährige. „Sie können ganzjährig draußen sein.“ Bekannt seien sie für ihr exzellentes Fleisch. Davor steht für ihn allerdings ein artgerechtes Leben. In entsprechende Haltungen würde er die Tiere ab Mitte April verkaufen – zu einem Preis von 75 Euro für ein Ferkel.

Doch im ehemals größten linkselbischen Weingut zwischen Meißen und Riesa tut sich weitaus mehr. Der Gutsbesitzer widmet sich verstärkt der Fischzucht. Hintergrund: Das Hochwasser spülte ihm sämtliche Teiche leer. 100 Karpfen nahm die Elbe, 17 Tiere brachte sie ihm. 200 bis 300 Fische will er wieder hineinsetzen. Allerdings erst in einer Größe, in der sie eine Überlebenschance haben. Seine Idee war, selbst Setzlinge aufzupäppeln. Aber wie? In teure Technik wollte er nicht investieren. Zumal ihm immer daran gelegen ist, naturnahe Kreisläufe zu nutzen. Rico Heinzig hat eine Testanlage gebaut, bestehend aus Plastikbottichen, Eimern sowie einem esstischhohen Kiesbeet. In den Bottichen schwimmen Fische, im Kiesbeet wachsen Salat- und Kohlrabipflanzen. Rohre verbinden alles. Es plätschert.

„Die Karpfen sind das Düngekraftwerk der Pflanzen“, erläutert Heinzig. „Die Pflanzen im Kiesbeet entziehen dem Wasser Nährstoffe und reinigen es damit.“ Auf diese Weise gedeihen die Pflanzen und erst recht die Fische. Aquaponic heißt die Kopplung von Fischzucht und Gemüseanbau. „Fische haben mich schon immer gereizt“, erzählt der langjährige Hobbyaquarianer. Dazu kommt: „Ich probiere alle denkbaren Ideen für die Selbstversorgung mit gesunden Lebensmitteln aus.“ Mit dieser Anlage kann man Fische und Gemüse ziehen oder im Winter auch Gemüse vorziehen. Der Platz findet sich in jedem Keller, auf jedem Balkon, betont er. „Und die Pflanzen entwickeln sich durch die stets vorhandene Grundfeuchte im Kiesbeet ohne jede Betreuung.“ Das Projekt lockt bereits Interessierte an. Im Herbst findet auf dem Göhrischgut ein Seminar dazu statt.

Einige Teilnehmer werden in den neuen Ferienwohnungen übernachten. Drei sind es insgesamt. Ziel ist, dass sich die Gäste aufgehoben fühlen. Deshalb stehen die Gutsküche und der Rote Salon als Gemeinschaftsräume zur Verfügung. Besonders würde Heinzig sich über einen Austausch mit Gleichgesinnten freuen. Stichworte: Kune-Kune-Schwein und Aquaponic.