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Bischofswerda

Zwangspause im Tierpark: "Das tut weh"

Kein Andrang im Streichelgehege, dafür Grüße über Facebook - wie der kleine Zoo in Bischofswerda durch die Corona-Krise kommt.

Corona – Krise in Deutschland, Sachsen. Ausgangsbeschränkungen, Selbst-Isolation, Social Distancing. Tierpark Bischofswerda, die Tiere werden mit einer Stammbelegschaft versorgt. Die Leute von der Lebenshilfe , die hier sonst arbeiten, bleiben zu Hause am
Corona – Krise in Deutschland, Sachsen. Ausgangsbeschränkungen, Selbst-Isolation, Social Distancing. Tierpark Bischofswerda, die Tiere werden mit einer Stammbelegschaft versorgt. Die Leute von der Lebenshilfe , die hier sonst arbeiten, bleiben zu Hause am © Steffen Unger

Bischofswerda. Die  Sträucher mit den bunten Ostereiern wurden schon geschmückt, ehe der Tierpark am 19. März schließen musste. Jetzt ist keiner da, der sich daran erfreuen kann. Die Wege, auf denen sonst die Besucher unterwegs sind, sind menschenleer. Die kleinen Laufräder, auf denen die Jüngsten durch die Anlage flitzen können, stehen abgedeckt neben dem Eingang. Der ist verschlossen.  Und er bleibt es auch. Mindestens bis zum 19. April. 

Tierparkleiterin Silvia Berger ist es nicht leicht gefallen, die Anlage zu schließen. Noch jetzt beginnt ihre Stimme ein wenig  zu beben, wenn sie davon spricht. "Das hat richtig weh getan", sagt sie. Gerade jetzt, da es Frühling wird und die ersten Jungtiere zu sehen sind. Kleine Ziegen und noch kleinere Schweinchen, die sonst im Streichelgehege von den Besuchern verwöhnt werden. Dass das in diesem Jahr nicht möglich ist, wird Folgen haben. Der tierische Nachwuchs dieses Jahres wird wohl nicht so zutraulich sein, wie es die Besucher im Schiebocker Zoo kennen. 

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Zwei Teams arbeiten unabhängig voneinander

Doch Silvia Berger will nicht klagen. Es ist richtig, dass angesichts der Pandemie auch der Tierpark geschlossen wurde, betont sie.  Nur so können Menschen und Tiere geschützt werden. "Und im Grunde genommen geht es uns doch noch gut, wenn man nur an die Einzelhänder oder die Betreiber von Gaststätten denkt." 

Arbeit gibt es auch jetzt mehr als genug im Tierpark. Die rund 200 Tiere wollen täglich versorgt sein. Darüber hinaus soll der knapp einen Hektar große Park in Schuss gehalten werden.  Wenn er wieder aufmachen  darf, soll alles schön und gepflegt sein. So wie es die Besucher vom Tierpark Bischofswerda gewohnt sind.  

Menschenleere Wege, freie Bänke, wo sonst immer viel Begängnis ist: der Tierpark Bischofswerda in diesen Tagen. Im Hintergrund ist das Bärengehege zu sehen. 
Menschenleere Wege, freie Bänke, wo sonst immer viel Begängnis ist: der Tierpark Bischofswerda in diesen Tagen. Im Hintergrund ist das Bärengehege zu sehen.  © Steffen Unger

Das ist auch jetzt kein Selbstläufer. Denn die Tierpark-Leiterin musste nicht nur die Dienstpläne, sondern die gesamte Organisation grundlegend ändern. Zum Team gehören acht bis zehn Mitarbeiter mit einer Behinderung. Sie kümmern sich sonst um die Haustiere, die Wege und die Grünflächen. Doch weil die Behindertenwerkstätten in Sachsen geschlossen wurden,  dürfen auch sie jetzt nicht arbeiten. 

Die verbliebenen sechs Mitarbeiter splitteten sich in zwei Teams auf, die voneinander unabhängig arbeiten. Unterstützt wird jedes Team von zwei ehrenamtlichen Helfern.  Es gibt getrennte Arbeitsbereiche, separate Pausenräume, allenfalls mal einen Gruß aus Dutzenden Metern Entfernung. So soll verhindert werden, dass das gesamte Pflegerteam ausfällt, sollte der Fall eintreten, dass einer der Beschäftigten positiv auf das Coronavirus getestet  wird.

Stroh- und Heulager wurden aufgefüllt

Auch Silvia Berger ist jetzt den ganzen Tag über bei den Tieren und packt mit an. Eine Arbeit, der sie viel Gutes abgewinnt.  Ansonsten bleiben ihr dafür nur etwa 20 Prozent ihrer Arbeitszeit, vor allem an den Wochenenden. Der überwiegende Teil ist Planung und Organisieren, Arbeit an Konzepten, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Das ist jetzt erst mal alles nicht wichtig. Vorrang haben saubere Gehege, gutes Futter und natürlich gesunde Tiere. Alle Tierparkbewohner sind wohlauf, sagt die Leiterin. 

Eine Mitarbeiterin ist ausschließlich in der Futterküche beschäftigt und bereitet alles vor. Das ist zum Teil aufwändig. Besonders anspruchsvoll sind die Totenkopfäffchen und die Papageien. Von letzteren gibt es rund zehn Arten im Tierpark Bischofswerda. Jede Art bekommt ihr eigenes Futter. Das alles schnabelgerecht zuzubereiten, kostet viel Zeit. 

Doch  Futter ist ausreichend da. Vor Schließung des Tierparkes wurden die Stroh- und Heureserven aufgefüllt. Der Tierpark hatte sie in einer Scheune eingelagert.  Um jetzt Wege zu vermeiden, wurden die Bestände schon vor einigen Tagen herangefahren. Unterstützung kommt vom Trägerverein, der Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung. Deren Verwaltung arbeitet weiter. Die Mitarbeiter kümmern sich zum Beispiel um die Post. Auch das Mittagessen wird von dort geliefert.  

Über Facebook mit dem Tierpark verbunden

Der Tierpark ist zwar geschlossen, aber dank der sozialen Netzwerke nicht  abgeschottet. Aller paar Tage veröffentlicht Silvia Berger ein  Foto oder ein kurzes Video auf Facebook. Das kommt bei den virtuellen Besuchern sehr gut an. "Bei aller Arbeit: Die paar Minuten nehme ich mir", sagt sie.  Auch, damit der Besucherstamm die Bindung zum Tierpark nicht verliert und auf dem Laufenden bleibt. Besonders treue Gäste haben eine Jahreskarte, die sie jetzt leider nicht nutzen können.   

Der Tier- und Kulturpark Bischofswerda gehört zu den wenigen Einrichtungen im Landkreis Bautzen, die an 365 Tagen im Jahr geöffnet haben. Auch zu Heiligabend und zu Neujahr. In diesem Jahr ist es anders. Denn mindestens einen Monat bleibt der Park nun zwangsweise geschlossen. Das sind auch wirtschaftliche Verluste. Zu etwa 50 bis 55 Prozent finanziert sich der Tierpark aus Eintrittsgeldern, Patenschaften und Spenden. 

Zeit darüber nachzudenken, wie die Ausfälle kompensiert werden können, blieb bisher noch nicht. Erst einmal haben die Mitarbeiter und ihre Helfer jeden Tag straff zu tun, die Tiere gut zu versorgen. Und sie hoffen, dass die Besucher in Scharen kommen werden, wenn das Metallgitter am Eingang erst mal wieder geöffnet wird. Zumindest in dieser Fragen werde sie sich wohl keine Sorgen machen müssen, denkt sie Silvia Berger. 

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