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Hoyerswerda

„Tierpark-Café – Anziehungspunkt

60 Jahre Zoo Hoyerswerda: Vom Schwarzbau zur ersten alkoholfreien Gaststätte über „Jambo“ bis hin zum „Sambesi“

Der Bau in seiner ersten Gestalt 1969 mit dem Ur-Springbrunnen.
Der Bau in seiner ersten Gestalt 1969 mit dem Ur-Springbrunnen. © Foto: Archiv des Stadtmuseums Hoyerswerda (Foto: G

Hoyerswerda. Günter Peters war das, was man im besten Sinne einen Visionär nennen darf. Zweitens war er einer, der seine Pläne handfest und prompt verwirklichte; akribisches Abwägen, Bedenkenträgerei und preußische Korrektheit bis ins letzte Detail wurden, falls hinderlich (und wann wären sie das je nicht gewesen?) beiseite getan: Jetzt machen wir das erst mal so, alles andere ergibt sich dann. Und wenn nicht – wen störte es angesichts geschaffener Tatsachen? Drittens war Peters Künstler. 

All diesen drei Eigenschaften verdankt Hoyerswerda ganz wesentlich seinen Tiergarten, später Tierpark, heute Zoo, und wenn auch noch manchmal händeringend nach wohl nie vorhandenen Bauzeichnungen und Leitungsplänen gesucht wird – anders als im Peters’schen Hauruck-Verfahren wäre wohl zu DDR-Zeiten ein Tiergarten nicht zu schaffen gewesen – und ob er es heute wäre, sei auch noch dahingestellt.

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Was Peters schon bald umtrieb, und hier kamen seine drei eingangs geschilderten Eigenschaften Visionär, Verwirklicher und Künstler zum Tragen: „Sein“ Tiergarten brauchte unbedingt eine Gaststätte! Aber woher nehmen? 1968 sah der Fuchs Peters seine Chance. Die schilderte er rückblickend 1987, in seinem letzten Interview seinem Nach-Nachfolger, Dr. Werner Jorga, so: „Unter anderem fing das damit an, dass wir eine Bärenanlage bauen wollten. Dazu stand uns eine Reihe von Bauresten zur Verfügung ... Im Rahmen dieser Maßnahme, die dann auf der Terrasse eine Erweiterung erfuhr, entstand das Tiergartencafé, für das ich hinterher beschimpft wurde, weil ich dafür gar keine Zeichnung, keine Unterlagen habe. Aber das war so – sehr schön. Wir bauten das Haus erst mal fertig und dann fertigten wir die Zeichnungen an. Die stimmten dann auf jeden Fall.“

Wann das Café eingeweiht wurde? Die dem Autor zugänglichen Quellen nennen kein konkretes Datum; zurückhaltend heißt es stets „1968“. Vermutlich wollte man den „Schwarzbau“ nicht noch mit einer offiziellen Feierstunde adeln. Immerhin gab es in der Zeitung „Hoyerswerdaer Volksstimme“ („Organ der Kreisleitung der SED und des Kreisausschusses der Nationalen Front Hoyerswerda“) den wohlwollenden Nachklapp: „Das Wunder von Hoyerswerda – Tierpark-Café – Anziehungspunkt Nummer 1“. Darin las man: „Erwähnt sei noch, daß das Tierpark-Café die erste alkoholfreie Gaststätte unserer Kreisstadt ist.“

Fertig-Speisen auf Plastetabletts

Der Autor erinnert sich an den Selbstbedienungstresen mit Plastetabletts, vorbefüllten Cola-Gläsern, fertigen Tellern mit Kuchen und Torte, Bockwurst samt Mayonnaise-Salat und ähnliches Kantinen-Essen: anspruchslos, aber solide und kostengünstig. Ob es späterhin auch Bier gab, entzieht sich seiner Kenntnis; wahrscheinlich ist es aber – wie sonst hätte ein Restaurant annähernd rentabel geführt werden können?

Nach der Wende 1990 kamen schwierige Zeiten. 2004 wurde das Café geschlossen. Haupt-Handicap: Es konnte abends nicht arbeiten; es lag ja innerhalb des geschlossenen Zoos. 2005 wurde es durch die Lausitzer Werkstätten wieder eröffnet. Dann sollte es umgebaut werden, jedoch stellte sich heraus, dass ein Neubau kostengünstiger sein würde. 2007 wurde der Altbau abgerissen. Am 16. November desselben Jahres wurde der Grundstein für den Neubau (Arbeitstitel „Afrikahaus“) gelegt, der 1,7 Millionen Euro kostete; anders als zu Peters‘ Zeiten natürlich korrekt dokumentiert war und am 15. Oktober 2008 als „Jambo“ („Willkommen“) für Besucher öffnete – mit 70 Innensitzplätzen und 120 auf der Terrasse. Aber schon im November 2011 war wieder Schluss: „Personelle und nachfragebedingte Gründe“ bewogen die Lausitzer Werkstätten, das Café zu schließen. Am 30. Juni 2013 gab’s den Neustart, nunmehr als „Sambesi“, jetzt betrieben von der städtischen ZooKultur gGmbH.

Das heutige Zoo-Restaurant „Sambesi“, vormals „Jambo“. 
Das heutige Zoo-Restaurant „Sambesi“, vormals „Jambo“.  © Foto: Uwe Jordan

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