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Tierpfleger können kaum noch planen

Der Corona-Lockdown hat die Meißner Tierheime in Existenznot gebracht. Jetzt sorgt die Pandemie für ein neues Problem.

Katrin Aßmann, die Leiterin des Meißner TIerheims, berichtet von den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Nicht nur die Tiervermittlung ist betroffen.
Katrin Aßmann, die Leiterin des Meißner TIerheims, berichtet von den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Nicht nur die Tiervermittlung ist betroffen. © Archiv: Claudia Hübschmann

Meißen. Hunde, Katzen und Co. konnten seit Anfang April kaum vermittelt werden – wegen der Corona-Schutzverordnungen. Die Tierheime blieben für Besucher weitgehend geschlossen. So fielen wichtige Einnahmen aus. Doch auch in der finanziellen Schieflage, mussten die Tiere weiter versorgt werden. Jetzt sind viele zu den regulären Öffnungszeiten zurückkehrt. Die Vermittlung läuft wieder an. Doch Tierpfleger in Meißen und Niederau stehen Corona-bedingt vor einer neuen Herausforderung.

Das Pensionsgeschäft ist chaotisch. Viele Tierbesitzer melden sich kurzfristig an oder ab – da sie selbst nicht immer wissen, ob sie in den Urlaub fahren. "Wir können nur kurzfristig planen", erklärt Katrin Aßmann, Leiterin des Meißner Tierheims "aktion Tier Meißen". "Manchmal kommt erst zwei bis drei Tage vorher eine Absage." Das sei dieses Jahr sehr extrem. Aber auch andersherum. Wenn die Leute auf einmal doch verreisen und schnell eine Tierbetreuung benötigen. "Dann müssen wir absagen, weil wir keine Kapazitäten haben. Generell ist unser Pensionsgeschäft dieses Jahr eingebrochen."

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Das Tierheim Niederau beziehungsweise die Tierpension Heyne bestätigt das. Inhaber Karlheinz Heyne erklärt, sein Hauptgeschäft, die Pension, sei derzeit ein "heilloses Durcheinander". "Das ist für mich kaum planbar." Das Problem: Wenn plötzlich Länder zu Risikogebieten erklärt werden wie momentan in Kroatien. Manche Kunden der Tierpension sagen dann nicht ab, dass sie keinen Platz brauchen, da sie doch zu Hause bleiben. "Oder sie vergessen es. Ich will ihnen nichts Böses unterstellen. Wahrscheinlich haben sie andere Sorgen."

"Rücklaufquote auf null"

Was hingegen die Vermittlung betrifft, habe Corona kaum Auswirkungen gehabt, so Katrin Aßmann. "Wir vergeben nicht mehr Tiere als im Vorjahr, etwa um Ausfälle der letzten Wochen auszugleichen", sagt Katrin Aßmann. Verschiedene Tierheime in Deutschland hatten zuletzt davon berichtet, dass die Nachfrage nach Tieren gestiegen war. Mit mehr Zeit im Homeoffice und mehr Freizeit generell wurde dieser Trend begründet. Zwar seien auch bei Katrin Aßmann die Anfragen während des Lockdowns etwas gestiegen, doch mehr vermittelt wurde nicht.

"Wir sind da sehr vorsichtig, auch schon vor Corona." Das Tierheim lasse sich bei der Vermittlung Zeit und mache keine Schnellschüsse. "So konnten wir unsere Rücklaufquote auf null reduzieren. Das heißt, wer sich einmal für ein Tier entschieden hat, behält es auch." Im Gespräch loten die Mitarbeiter aus, wie ernst es einem Interessenten ist. "Möchte sich jemand einen Hund zulegen, lassen wir ihn zum Beispiel erst einmal Gassi gehen." 

Das Tierheim Gröbern hat die Corona-Pause wiederum effektiv genutzt. Seit dem 1. Juli hat es in Niederau wieder geöffnet. Bis dahin konnten die Mitarbeiter und Helfer dort das tun, wofür sonst die Zeit fehlte. Zum Beispiel gab es einige Reparaturen, die anstanden. "Diese Zeit war ruhig und ohne Druck. Das war sehr angenehm", so die Leiterin Sabine Kaden. Für die nächsten Wochen hofft sie deshalb auf eine größere Nachfrage mit Menschen, die sich eine Tierhaltung gut überlegen. Denn sie habe noch viele kleine Kätzchen, die vermittelt werden müssen.

"Es geht uns aber noch gut“, sagt sie. Auch wenn die Vermittlung etwas eingebrochen sei. "Die Nachfrage nach Tieren ist momentan gering. Vielleicht liegt es am heißen Wetter." Die Einnahmen fehlen ihr jetzt. Sie hoffe, dass das verschobene Sommerfest und das Kinderfest am 4. Oktober stattfinden können. "Wir wollen uns wieder etwas ins Gespräch bringen, und wir brauchen auch die Einnahmen und Unterstützung."

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