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Tillich verspricht Fördergeld für Kirschallee

Neustadt will das fast 14 Hektar große Industriegebiet revitalisieren. Dafür gibt es Lob von höchster Stelle.

Von Katarina Gust

Die Scheiben sind eingeschlagen. Unkraut wuchert an der Fassade. Aus kleinen Sträuchern ist dichter Bewuchs geworden. Langsam scheint die Natur ein Stück der verlassenen Industriehallen an der Kirschallee in Langburkersdorf zurückzuerobern. Die Idylle hält jedoch nicht mehr lange. Zumindest, wenn es nach den Plänen der Stadt Neustadt geht. Die Kommune will das insgesamt fast 14 Hektar große Gelände revitalisieren und in ein neues Gewerbegebiet verwandeln. Noch in diesem Jahr könnten die ersten Ruinen abgerissen werden.

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Bevor das Großprojekt, an dem Investitionen von mehr als drei Millionen Euro hängen, in Angriff genommen wird, sah sich Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich an der Kirschallee um. Zusammen mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Jens Michel und Landrat Michael Geisler (CDU) ließ er sich von Neustadts Bürgermeister Manfred Elsner (FDP) erklären, was auf dem Gelände konkret geplant ist. Elsner selbst kennt das Grundstück nicht nur als Ruine, sondern noch als florierendes Fortschritt-Kombinat. Von 1972 bis 1990 arbeitete er für den Landmaschinen-Hersteller. In dem markanten Hochhaus an der Kirschallee, im Volksmund als Schwarze Kuh bekannt, war die Forschungs- und Entwicklungsabteilung ansässig. Elsner war bei Fortschritt als persönlicher Mitarbeiter des Technischen Direktors angestellt. Hervorragende Jahre seien das gewesen, wie Elsner im Rückblick sagt.

Mit der Wende kam dann jedoch das Aus für das Kombinat. Von jetzt auf gleich seien über 5 000 Arbeitsplätze weg gewesen. Ein Einschnitt, der viele ältere Neustädter noch heute beschäftigt. Jetzt sei die Zeit gekommen, die Brache wiederzubeleben, sagt Elsner. Ähnlich, wie es mit dem ehemaligen Dachziegelwerkgelände geglückt ist. Auch der Industrie- und Gewerbepark Neustadt/Langburkersdorf zählt zu den Aushängeschildern Neustadts. Beide Areale seien gut belegt. „Städte wie Neustadt müssen heute Flächen vorhalten“, erklärt der Bürgermeister. Nur so sei man attraktiv für Firmen, die sich neu ansiedeln wollen. „Nachbarstädte haben diese Möglichkeit nicht“, sagt Elsner. Deshalb müsse man die Chance nutzen, alte Industriegebiete wieder zu aktivieren.

Für die Revitalisierung der Flächen an der Kirschallee ist der Anfang bereits gemacht. Die Vorbereitungen laufen. Seit drei Monaten wird vermessen, geplant und begutachtet. „Von Fledermäusen über Umweltbelange muss alles berücksichtigt werden“, zählt der Ratschef auf. Es gäbe viele Details, auf die geachtet werden müsse. Elsner ist jedoch optimistisch und überzeugt, diese planerischen Hürden zu nehmen.

Buhlen um Finanzspritzen

Eine wichtige Hürde liegt aber noch vor ihm und der Stadt. Die Kommune hofft auf eine dicke Finanzspritze vom Freistaat Sachsen. Mit den Fördermitteln soll das Millionenprojekt mitfinanziert werden. Über konkrete Summen wird aktuell nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Um wie viel Geld es geht, wird erst feststehen, wenn die Fördermittel bewilligt werden. Bis zum 15. September will Neustadt den entsprechenden Antrag bei der Landesdirektion einreichen. Wie lange die Bearbeitung dauert, ist ebenfalls noch offen.

Bei seinem Besuch in Langburkersdorf ließ Ministerpräsident Stanislaw Tillich jedoch zwischen den Zeilen durchblicken, dass Neustadts Chancen auf Fördermittel gut stehen. „Ich kann sagen, dass wir mit Freude auf den Fördermittelantrag warten“, erklärte Tillich und warf Manfred Elsner ein vielversprechendes Schmunzeln zu. Dieser wiederum hofft, noch dieses Jahr eine positive Nachricht vom Freistaat zu bekommen. Denn dann könnten noch vor Jahresende die ersten Ruinen abgebrochen werden.

Erste Firmen an der Angel

Tillich lobte in diesem Zusammenhang den Entschluss von Neustadt, diese riesige Industriebrache zu revitalisieren. Die Kommune sei leistungsstark und hätte ein großes Potenzial. Das würden solche Vorstöße zeigen. „Neustadt ist damit vielen Kommunen voraus“, urteilte der Ministerpräsident und deutete das als Zeichen von wirtschaftlicher Stärke. Die muss Neustadt tatsächlich beweisen. Denn um die Fördergelder bewilligt zu bekommen, muss die Kommune bereits potenzielle Investoren benennen können. Nachfragen nach freien Gewerbeflächen gäbe es. Mit konkreten Namen hält sich Manfred Elsner jedoch noch zurück.

Ein Kandidat ist dabei der Wohnmobilhersteller Capron. Die Stadtverwaltung unterhalte intensive Kontakte zu Capron. Das Werksgelände grenzt direkt an das Gebiet der Kirschallee. Das Unternehmen ist auf seinen rund 22 Hektar voll ausgelastet. Und die Produktion brummt. Pläne, mit dem Betrieb weiter zu expandieren, wären deshalb keine Überraschung. Die Firmen, die nach Flächen fragen, würden laut Elsner gern sofort losbauen. Städte, die darauf vorbereitet seien und schnell reagieren könnten, würden davon profitieren.