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Timo muss sich warm anziehen

An Timo kann man sich erinnern. Obwohl er es mit seinem Dreitagebart und der Sonnenbrille nicht unbedingt in die Herzen aller Schwiegermütter schaffen würde, ist die Lego-Figur in Großenhain zum Star geworden.

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Von Susanne Plecher

An Timo kann man sich erinnern. Obwohl er es mit seinem Dreitagebart und der Sonnenbrille nicht unbedingt in die Herzen aller Schwiegermütter schaffen würde, ist die Lego-Figur in Großenhain zum Star geworden. Der kleine Plastikmann hat vor zwei Jahren dem Jugendtrickfilm-Festival ein Gesicht gegeben. Dieses Jahr, bei der zweiten Auflage, bekommt er starke Konkurrenz.

Denn jetzt haben die Teilnehmer aus Großenhain und Gröditz nicht nur die 45 Kilogramm Lego-Steine verbaut, die Künstler Sebastian Bieler schon 2009 zur Verfügung gestellt hat. In den neuen Filmen sind Knetfiguren, Klebezettel, animierte Fotos und lebendiges Graffiti die Protagonisten. „Wir haben die Beschränkung auf die klassischen Lego-Stein-Filme aufgehoben“, sagt Bieler. Zusammen mit dem Computer-Experten Christian Stelzner, Sozialarbeiter Raimo Siegert, dem Gröditzer Streetworker Marco Wegner und Assistenten Martin Luh hat der Großenhainer Künstler den zweiten Durchlauf des Festivals angeschoben. Schon im August 2010 haben die Vorbereitungen dafür begonnen, im Februar sind die ersten Filme entstanden. Teilnehmer zu finden, so Bieler, sei gar kein Problem gewesen. 80 Kinder und Jugendliche haben in 19 Gruppen zusammen gearbeitet. Weil das Geld ausging, konnten gar nicht alle Interessenten mitmachen.

Vorbereitungen auf Hochtouren

„Trickfilme drehen ist immer Geduldsarbeit“, sagt Sebastian Bieler, auch wenn sich im Vergleich zu 2009 vieles verbessert hat. „Wir sind technisch versierter geworden.“ Auch die Technik selbst hat sich verbessert. Sind die Aufnahmen vor zwei Jahren noch mit Webcams und Laptops gemacht worden, stand jetzt eine Spiegelreflexkamera zur Verfügung. Per Fernbedienung hat der Trickfilmnachwuchs die Szenen fotografiert. Für jeden Film sind zwischen 800 und 1000 Fotos gemacht worden, die letzten diesen Mittwoch. Jetzt arbeiten die Organisatoren mit Hochdruck an der Fertigstellung der Filme. Das Material muss geschnitten, Tonspuren gesetzt werden. Auch am Abspann wird gefeilt: Zeitrafferaufnahmen zeigen dem Zuschauer, wie der Film entstanden ist. Für die zweieinhalb Minuten, die die Streifen im Schnitt dauern, waren die Jugendlichen drei bis vier Tage beschäftigt.

Die Filme entsprechen dem Niveau und den Fähigkeiten der neun bis 27-jährigen Teilnehmer. Und das ist teils atemberaubend hoch. „Jeder hat den Film gedreht, den er konnte“, sagt Raimo Siegert. Er hat die Finanzmittel organisiert. Die zirka 11000 Euro kamen aus dem Stadtsäckel, der Meißner Sparkassenstiftung und dem Programm „Weltoffenes Sachsen“ der Amadeu-Antonio-Stiftung.

Und Timo? Der muss sich warm anziehen, wenn am Samstag, 3. Dezember, um 18 Uhr die Filme im Saal des Alberttreffs präsentiert und prämiert werden. Eine fünf-köpfige Jury wird die besten drei Filme ermitteln. Der Frauenhainer Bürgermeister Lothar Herklotz (CDU), Rathaussprecherin Diana Schulze, Alberttreff-Chef Uwe Naumann und die Trickfilm-Experten Maria Kaluzni und Alexander Ehrke müssen sich dieser schwierigen Aufgabe stellen. Dem goldenen Oscar im fernen Hollywood angelehnt, verleihen sie Preise in den Kategorien bester Film, beste Geschichte und beste technische Umsetzung. Außerdem kürt das Publikum per Stimmzettel seinen Liebling. Eintrittskarten kosten 2,50 Euro, Schüler zahlen einen Euro. Man sollte rechtzeitig da sein. „Vor zwei Jahren saßen die Zuschauer zum Teil zu zweit auf den Plätzen“, erinnert sich Siegert. Und da hatte Timo noch keine Konkurrenz.

www.unser-timo.de