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Timo Werner und Bayern – passt das überhaupt?

RB Leipzig trifft auf München – und der Auswahlangreifer wohl auf seinen künftigen Klub. Ein Wechsel wäre sehr riskant.

Was flüstern sie denn? Bayern-Trainer Niko Kovac (l.) und RB-Profi Timo Werner.
Was flüstern sie denn? Bayern-Trainer Niko Kovac (l.) und RB-Profi Timo Werner. © Jan Huebner

Ob ausreichend Weißbier im Mannschaftsbus der Bayern verstaut wird, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Traditionell feiern sie ihre Meisterschaften mit Hefeweizen-Duschen auf dem Rasen. Am Sonnabend gegen 17.20 Uhr könnte es in Leipzig so weit sein. Falls Borussia Dortmund nicht gegen Fortuna Düsseldorf gewinnt, wäre der Titelverteidiger auch bei einer Niederlage erneut Meister. München gegen RB ist außerdem die Generalprobe fürs Pokalfinale zwei Wochen später.

Als wenn das nicht schon reichen würde, bekommt die Spitzenpartie des vorletzten Spieltages durch die Causa Timo Werner zusätzlich Brisanz. Möglich ist folgendes Szenario: Der von den Bayern umworbene Nationalstürmer verhindert durch seine Tore erst die Meisterfeier und dann die Pokalparty seines künftigen Vereins. Es wäre ein gelungener Abschied von den Rasenballern und alles andere als ein glücklicher Einstand beim neuen Arbeitgeber.

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Noch aber ist der Wechsel des 23-Jährigen nicht mehr als das meistdiskutierte Gerücht in der Bundesliga. Ob es tatsächlich so kommt, ist ungewiss. Die Aussagen der Verantwortlichen in den vergangenen Tagen widersprechen sich zum Teil. Galt es vor einigen Wochen noch als sicher, dass Werner die seit der Winterpause vorliegende Vertragsverlängerung nicht unterschreibt, ist das plötzlich nicht mehr ausgeschlossen. „Ich halte es immer noch für ein Stück weit offen“, erklärte RB-Vorstandsboss Oliver Mintzlaff vor einer Woche und betonte: „Wir haben immer gesagt, wir wollen nicht in ein letztes Vertragsjahr, ohne dass wir Klarheit haben.“

Das Lieblingsszenario der Leipziger – nach der Verlängerung – ist deshalb, dass der Angreifer in diesem Sommer geht und eine hübsche Ablösesumme hinterlässt. Noch aber sollen da die Vorstellungen weit auseinanderliegen. Die Bild-Zeitung spekuliert, dass RB 60 Millionen Euro fordert, der FC Bayern aber nur 25 Millionen zahlen will. Gewöhnlich nähern sich die Verhandlungspartner in solchen Fällen irgendwo in der Mitte an.

Womöglich gehen die Leipziger aber auch leer aus. „Ich kann es nicht ausschließen, dass Timo erst 2020 geht“, erklärte Ralf Rangnick diese Woche. Dann läuft der Vertrag aus, und Werner könnte ablösefrei wechseln. Für RB wäre das die schlechteste Variante. „Ich fände es fair, wenn wir von seinem nächsten Transfer partizipieren würden“, erklärte der Trainer und Sportdirektor. Vor drei Jahren hatte ihn der Bundesliga-Neuling vom VfB Stuttgart, wo Werner teilweise nur auf der Bank saß, für zehn Millionen Euro verpflichtet. In Leipzig wurde er Stamm- und Nationalspieler, steigerte seinen Marktwert um das Sechsfache.

Dankbarkeit ist zwar keine Tugend, die im Profigeschäft noch eine gewichtige Rolle spielt – ob ein Spieler überhaupt zu einer Mannschaft und deren System passt, dagegen schon. Werner ist mit seinem Tempo der ideale Stürmer für die RB-Philosophie vom schnellen und geradlinigen Umkehrspiel. Am wertvollsten und effektivsten ist er, wenn er viel Platz hat und mit dem Ball am Fuß Richtung Tor stürmen kann.

Und wie wäre es beim FC Bayern? Zumindest in der Bundesliga treffen die Münchner fast immer auf Gegner, die sich aufs Verteidigen konzentrieren, um nicht überrollt zu werden. Die Offensivkräfte müssen sich deshalb auf engstem Raum behaupten, in Dribblings gehen. Dies setzt technische Fertigkeiten auf höchstem Niveau voraus. Genau die sind gerade nicht Werners Stärke.

Auszahlen würde sich ein Wechsel für Werner auf jeden Fall. Das Gehalt wäre wahrscheinlich doppelt so hoch. Allerdings könnte er sich in München schnell auf der Bank wiederfinden. Lukas Podolski und Mario Götze sind warnende Beispiele. Auch wenn die Altmeister Arjen Robben und Franck Ribery am Saisonende gehen, ist die Konkurrenz auf den Außenpositionen mit Serge Gnabry und Kingsley Coman groß.

Womöglich ist Leipzig also noch nicht aus dem Rennen, zumal mit Julian Nagelsmann im Sommer ein neuer Trainer kommt. Mintzlaff jedenfalls glaubt, dass Werner unter dessen Regie „ein noch besserer Stürmer wird. Wir spüren auch, dass unsere Argumente beim Spieler und seinem Berater angekommen sind.“

Und falls das Pokalfinale doch Werners letzter Einsatz für RB wird? „Sollte er uns tatsächlich verlassen, suchen wir bereits nach einem Ersatz, der uns 15 bis 20 Tore garantiert“, erklärte Rangnick.

Im Mittelpunkt steht Werner am Sonnabendnachmittag auf jeden Fall. Vielleicht spritzen die Leipziger nach dem letzten Heimspiel der Saison ja auch mit Bier – dann allerdings mit Pils.