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Wenn Geburtstag zu Hause völlig ungewohnt ist

Dresdens beste Wasserspringerin Tina Punzel wird 25 Jahre jung. Das sollte eigentlich bei Olympia in Tokio gefeiert werden.

Wasserspringerin Tina Punzel vom Dresdner SC will auch nächstes Jahr wieder hoch hinaus. Den Olympia-Frust bekämpfte sie mit ihrer Lieblingsschokolade.
Wasserspringerin Tina Punzel vom Dresdner SC will auch nächstes Jahr wieder hoch hinaus. Den Olympia-Frust bekämpfte sie mit ihrer Lieblingsschokolade. © Ronald Bonß

Dresden. Unter normalen Umständen wäre sie jetzt wie jedes Jahr zu einem ihrer vielen Wettkämpfe unterwegs gewesen, diesmal in Tokio bei den Olympischen Spielen. Aber was ist derzeit schon normal? Und deshalb feiert Dresdens erfolgreichste Wasserspringerin Tina Punzel an diesem Samstag ihren 25. Geburtstag erstmals seit langer Zeit zu Hause.

Dabei schaut sie nicht nur zurück auf eine beeindruckende Karriere, sondern fokussiert sich bereits voll und ganz auf den Höhepunkt im nächsten Sommer – wenn die um ein Jahr verschobenen Spiele in Tokio denn stattfinden. Ihr Ziel ist klar: „Ich weiß auf jeden Fall, dass ich nächstes Jahr noch mal angreifen und alles rausholen möchte, was geht“, sagt sie. Wie es nach Olympia 2021 dann weitergeht, lässt sie offen.

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Studium statt Olympia

So optimistisch stand es zuletzt nicht immer um Punzels Motivation. „Als es hieß, Olympia wird verschoben, war einfach der Antrieb weg. Wenn ich dann mal zwei Tage nicht trainieren wollte, habe ich auch das gemacht. Ich war froh, dass ich nicht weiter an einem Plan arbeiten musste, bei dem ich gar nicht weiß, wohin der führen soll“, sagt sie. Und nun? Die ganze Zeit Füße hochlegen? Nicht bei Tina Punzel.

Sie hat die Zeit genutzt, um in ihrem Studium der Wirtschaftswissenschaft an der TU Dresden einiges aufzuholen. Sieben Kurse belegt, sieben Prüfungen geschrieben. So kann sie mit Blick auf Olympia die studentischen Pflichten ohne schlechtes Gewissen wieder etwas herunterfahren.

Am Sonntag geht es erst mal ab in den Urlaub, und zwar in Familie.
Am Sonntag geht es erst mal ab in den Urlaub, und zwar in Familie. © Robert Michael

Im Februar hatte das Team um Bundesstützpunkttrainer Boris Rozenberg den letzten Wettkampf, dann folgten die rund sechs Wochen coronabedingte Zwangspause. Mit ihrer Trainingspartnerin, der 19-jährigen Lena Hentschel, die seit 2019 in Dresden trainiert, verabredete sie sich dennoch zu gemeinsamen Einheiten auf dem Rad oder Treppenläufen. Diese wenigen festen Termine waren für eine gewisse Routine wichtig. Mit dem Bundestrainer sei alles abgesprochen worden, aber „Boris hat uns da viele Freiheiten gelassen, je nach den individuellen Bedingungen zu Hause. Ich glaube, alles andere hätte ich auch nur schwer durchziehen können“, erzählt Punzel.

Als sie Anfang Mai wieder mit den anderen Sportlern trainieren konnte, kehrte auch die Motivation zurück. „In der gewohnten Umgebung wieder Übungen zu machen, von denen man weiß, die führen mich zu meinem Ziel, das hat schon geholfen“, betont sie lächelnd.

Wettkampffeeling gibt es derzeit nur im Training.
Wettkampffeeling gibt es derzeit nur im Training. © dpa/Maja Hitij

Die ehrgeizige Sportlerin hat dabei mit Sicherheit auch den Olympia-Startplatz im Hinterkopf, den sie bei der WM 2019 für Deutschland erkämpfte. Selbstbewusst genug, den Platz nicht mehr herzugeben, sondern mit ihrem Namen zu besetzen, ist Punzel auf jeden Fall. „Ich sag mal so: Es gibt ein paar junge Sportlerinnen, die sich anbieten. Die haben mich auch schon mal geschlagen. Da war es aber so, dass ich einfach nicht meine beste Leistung abrufen konnte. Ich schätze mich schon so ein, dass ich meine Erfahrung und meine mentale Stärke aus der Vergangenheit ausspielen kann, wenn es um die Wurst geht. Das zumindest ist der Plan“, unterstreicht sie.

Der Alltag sei inzwischen wieder einigermaßen eingekehrt, dennoch sind die Wasserspringer ungewohnt lange zu Hause und nicht alle zwei Wochen zum Training in Berlin oder Rostock. Nächstes Jahr im Februar soll dort angeknüpft werden, wo die Saison dieses Jahr so abrupt endete. Dann wird auch über die letzten vier Quotenplätze für Tokio im Synchronspringen entschieden. Eine Herausforderung für Punzel, aber sie ist optimistisch: „Wir sind ein konkurrenzfähiges Team sowohl vom Brett als auch vom Turm. Am Ende ist viel von der Tagesform abhängig. Meine beiden möglichen Partnerinnen sind jung, da müssen die Nerven mitspielen. Wenn du auf dem Brett stehst und genau weißt, das entscheidet über deine nächsten Jahre, ist es mental schwierig.“

Die Chancen der Krise

Die Dresdnerin kann der Krise auch etwas Positives abgewinnen: „Ich konnte meine Akkus zu Hause gut aufladen, das erleichtert es mir, nächstes Jahr noch mal alles zu geben. Ich habe auch meine Heimat neu schätzen gelernt. Sonst war ich immer nur kurze Zeit da, jetzt kann ich meine Blumen selber gießen und auch den Kühlschrank mal richtig füllen“, freut sie sich. „Es sind die kleinen Dinge, über die man sonst nicht weiter nachdenkt.“

Für einen entspannteren Blick nach Tokio hat die Unterstützung der Sponsoren beigetragen. Das am Olympiazyklus ausgerichtete Sportstipendium der Stadt wurde entsprechend verlängert. Die Saisonvorbereitung soll wie gewohnt mit dem Auftakttrainingslager in Zinnowitz starten.

Aber erst mal macht Punzel eine Woche Urlaub. Am Freitag fand in Dresden der letzte Trainingswettkampf statt, jetzt wird Geburtstag gefeiert, coronatauglich natürlich. „In Tokio wäre für mich das Halbfinale vom 3-Meter-Brett gewesen – bestenfalls einen Tag später das Finale. Dann hätten wir gemeinsam angestoßen.“ Das macht sie jetzt ganz entspannt zu Hause mit ihrer Trainingsgruppe und Freunden aus Berlin.

© Robert Michael

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