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Ausgerechnet New York!

Die Oppacherin Sindy Kalauch lebt seit Jahren in der US-Metropole. Dort ist die Corona-Lage besonders extrem. Wie ihre Familie daheim jetzt damit umgeht.

Sindy Kalauch aus Oppach lebt in New York.
Sindy Kalauch aus Oppach lebt in New York. ©  privat

Kontakt halten, miteinander reden, sich sehen  - das geht für viele Familien derzeit nur über Telefon, das Smartphone oder Video-Anrufe. Für Silvia Kalauch und ihre Tochter ist die Kommunikation mittels moderner Medien schon lange Alltag. Sie wohnen rund 6.500 Kilometer voneinander entfernt. 

Trotzdem ist das für die Oppacherin jetzt grade besonders schwer. Ihre Tochter Sindy lebt seit etlichen Jahren in New York. "Ausgerechnet! Wo doch dort grade das Virus besonders wütet", sagt die Mutter. 

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Endspurt - jetzt geht es um alles! Denn das Ende der Schulzeit rückt in greifbare Nähe und damit auch die Chance auf einen der heiß begehrten Wunschausbildungsplätze.

Aber Silvia Kalauch möchte anderen Eltern Mut machen, deren Kinder ebenfalls weit weg leben und die sich deswegen Sorgen machen. "Auch das werden wir schaffen", sagt die Oppacherin zuversichtlich. 

Sie weiß: vielen Eltern geht es wie ihr, dass die Kinder weit weg wohnen. Da mache man sich in so einer außergewöhnlichen Situation natürlich umso mehr Sorgen. "Umso mehr bin ich froh und dankbar, dass wir jetzt diese technischen Möglichkeiten haben", sagt die 58-Jährige. Jeden Tag kann sie mithilfe der modernern Technik ihre Tochter sehen. Per Skype oder Videoanruf halten sie Kontakt. "Man hatte ja sonst auch immer gefragt: "Wie geht’s? Alles okay? Bist Du gesund?" Was bisher eine Floskel war, sagt die Mutter, hat plötzlich einen ganz anderen Hintergrund. "Ein Husten am Telefon lässt da schon die Alarmglocken bimmeln. Aber wir machen uns gegenseitig Mut. Denn auch sie macht sich Sorgen um uns."

2013 als Au Pair nach New York

Ihre Tochter Sindy ging 2013 erstmals nach New York. Damals nahm sie über eine Agentur einen Job als Au-Pair-Mädchen an. Zuvor hatte sie eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin abgeschlossen. "Das war meine einzige Bedingung, dass sie eine Berufsausbildung abschließt", sagt Mutter Silvia Kalauch und lacht herzlich. "Dann kannst du machen, was du willst", hab ich ihr gesagt. 

Ihr war es wichtig, erzählt sie, ihre Kinder zu mutigen und freien Menschen zu erziehen. "Das ist uns offenbar gelungen, sonst hätten sie den Schritt ins Ausland nicht gewagt. Darauf sind wir stolz", so die Mutter. Auch ihre ältere Tochter lebte im Ausland, sie war zwei Jahre lang in Australien. Jetzt lebt sie aber etwas näher - in Dresden. 

Die Metropole New York gefiel ihrer jüngeren Tochter Sindy schon damals so gut, dass sie ihre Au-Pair-Zeit um ein Jahr verlängerte und insgesamt zwei Jahre in dem Job blieb. Danach kam sie wieder nach Deutschland, arbeitete für einige Zeit in ihrem erlernten Beruf in München.

Ende 2015 eröffnete sie ihren Eltern, was die Mutter da schon längst ahnte: sie wolle für immer nach New York gehen. Sie hatte sich dort gut eingelebt und auch Freunde kennengelernt. Jetzt lebt sie im Stadtteil Queens und studiert Psychologie.

Das geht, wie bei vielen Studenten hierzulande, derzeit auch nur übers Selbststudium zu Hause. Die Uni ist geschlossen, Ausgangssperren wie in Sachsen und Deutschland gibt es auch in den Vereinigten Staaten. Das Lernen von zu Hause sei recht aufwendig. Vor allem, weil Sindy ja alles in Englisch lernen muss. "Mit den vielen Fachbegriffen ist das schon schwer", so die Mutter. 

Sie weiß immer gut bescheid, was ihre Tochter grade so macht. So ist Sindy jeden Tag mit dem Fahrrad unterwegs, um sich abzulenken und ein bisschen zu bewegen. Das gehört zu den wenigen Aktivitäten, die noch möglich sind. Außerdem geht sie nur zum Einkaufen raus. "Dann aber mit Handschuhen und Mundschutz", erzählt die Mutter. 

Die Oppacherin Sindy Kalauch vertreibt sich in New York die Zeit unter anderem mit Rad fahren - eine der wenigen Aktivitäten, die noch möglich sind.
Die Oppacherin Sindy Kalauch vertreibt sich in New York die Zeit unter anderem mit Rad fahren - eine der wenigen Aktivitäten, die noch möglich sind. ©  privat

Insgesamt gehen die New Yorker recht diszipliniert mit der Situation um und halten sich an die Kontaktverbote und Abstandsregeln, erzählt die Oppacherin. Ganz in der Nähe ihrer Wohnung gibt es eines der provisorischen Lazarette, die aufgebaut wurden, um Infizierte zu behandeln.

Und auch Tote liegen dort. Das alles hat Sindy auch schon mit ansehen müssen. Allein in New York gibt es inzwischen mehr Corona-Tote als in ganz Deutschland. Die Zahl der Corona-Infizierten in New York City liegt bei über 50.000, die Zahl der Toten bei über 1.500. Die Stadt ist in den USA mit am stärksten betroffen. Über 337.000 Menschen sind im ganzen Land infiziert, die Zahl der Verstorbenen nähert sich mittlerweile der 10.000-er Marke an.

Einschränkungen auch im Alltag

Nicht nur wegen der Sorgen um die Tochter, auch im Alltag bekommen Silvia Kalauch und ihre Familie die Einschränkungen jetzt zu spüren. "Natürlich gibt es Einschnitte." Ihre Minijobs kann die Oppacherin derzeit nicht ausüben. Da ist sie froh, dass ihr Mann, der in einem Bautzener Handwerksbetrieb arbeitet, derzeit noch gut zu tun hat. 

Die Osterfeiertage werden sie aber wohl nur allein in Oppach verbringen. Auch die ältere Tochter wird nicht aus Dresden herkommen können. 

Und Besuche der Jüngeren, die in den USA lebt, sind ohnehin selten drin. Immerhin: Erst voriges Jahr ist sie noch einmal zu Hause in Oppach gewesen. Denn, wann sie sich in der jetzigen weltweiten Lage wieder einmal sehen werden, ist sehr ungewiss. Hinzu kommt, dass die Reisen auch ein finanzieller Aspekt sind. "Den Flug würde man ja noch günstig bekommen", so Silvia Kalauch. Aber auch eine Unterkunft müsste finanziert werden - in der Metropole New York ist das nicht billig. Erst ein Mal hat Silvia Kalauch ihre Tochter bisher in New York besucht. Das war 2014, als sie noch als Au Pair dort arbeitete. 

Wiedersehen in New York: Im Jahr 2014 besuchte Silvia Kalauch ihre Tochter in den USA. Mehr Besuche waren noch nicht drin.
Wiedersehen in New York: Im Jahr 2014 besuchte Silvia Kalauch ihre Tochter in den USA. Mehr Besuche waren noch nicht drin. ©  privat

Runder Geburtstag ohne Familie

Auch, wenn Sindy in diesem Jahr ihren 30. Geburtstag feiert, wird es keine große Fete mit der Familie geben. "In der aktuellen Lage kann man ja keine Pläne machen", sagt Mutter Silvia. 

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Trotz aller Sorgen, die sie sich mache, schaut sie optimistisch in die Zukunft und ihr Kind auch, sagt Silvia Kalauch. "Sich jetzt verrückt machen, bringt keinem etwas. Und irgendwann werden wir auch wieder Besuchspläne schmieden können", gibt sie allen Eltern mit auf den Weg, die in einer ähnlichen Lage sind. 

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