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Eifersüchtig auf die Kinder

Ein Ehemann ärgert sich, weil seine Frau alles macht, was ihre Tochter will. Paarberater Christian Thiel sieht darin auch eine Gefahr.

Christian Thiel
Christian Thiel © SZ

Mein Mann und ich sind seit 25 Jahren verheiratet. Aus meiner ersten Ehe stammen zwei Töchter, wir haben gemeinsam einen 23-jährigen Sohn. Mein Mann ist eifersüchtig auf meine älteste Tochter und die beiden Enkelkinder, die in München leben. Meine Tochter erwartet, dass wir unsere freie Zeit mit den Kindern verbringen, ihr im Haushalt helfen etc. Mein Mann lehnt das ab. Ich, als Mutter und Oma, fühle mich in die Pflicht genommen. Was können wir tun?

Ihre Zuschrift wirft gleich mehrere Fragen auf. Wie soll sich ein Mann wohl an Ihrer Seite fühlen, wenn er nicht die Nummer eins bei Ihnen ist, sondern stattdessen Kinder und Enkel? Das ist, um es ganz offen zu sagen, eine Form der Untreue gegenüber dem Partner. Und schon das alleine kann einer Partnerschaft schwer schaden.

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Zweite Frage: Wie würde es Ihnen an seiner Stelle wohl gehen? Wenn ihm seine Tochter aus erster Ehe wichtiger wäre als Sie. Er hat für sie immer Zeit, auch wenn Sie ihn gerade brauchen.

Dritte Frage: Und warum darf Ihre Tochter von Ihnen erwarten, dass Sie sich um deren Kinder kümmern? Sie darf sich das wünschen. Sie darf Sie darum bitten. Aber erwarten kann und darf sie das in meinen Augen nicht.

Vierte Frage: Warum darf die Tochter Erwartungen haben, von denen Sie sich in die Pflicht genommen fühlen, Ihr Mann aber ganz offensichtlich nicht? Sie sind also Ihrer Tochter verpflichtet – ihm gegenüber aber nicht im gleichen Maß.

Möglicherweise war das Verhältnis zwischen Ihrem Mann und Ihren Kindern aus erster Ehe nie ganz entspannt – jetzt stellen Sie sich nicht auf die Seite Ihres Mannes, sondern auf die Ihrer Kinder. Sie dürfen gerne Oma sein – aber eine Tochter, die auch noch die beste Freundin ist, und viel Unterstützung erwartet, macht mit ihrer Haltung dem neuen Mann den Platz an Ihrer Seite streitig.

Ihre Aufgabe ist es, sich aufseiten Ihres Manns zu stellen und mit ihm zu besprechen, wie sie mit den Anforderungen der Tochter umgehen. Sie müssen eine gemeinsame Linie finden. Fragen Sie bitte Ihren Mann als erstes, was er sich wünscht und vorstellt – nicht Ihre Tochter. Sonst besteht eine Gefahr für Ihre Ehe.

Letzte Frage: Wie kommen Sie darauf, dass Ihre Tochter Ihre Freundin ist? Eltern dürfen Ihre erwachsenen Kinder unterstützen, nur Freunde und Ratgeber sollten sie nicht sein.

Am 12. April 2019, 18.30 Uhr, können Sie Single- und Partnerschaftsberater Christian Thiel beim Leserforum live erleben. „Hilfe, wir reden aneinander vorbei! Wie Paare sich besser verstehen“ heißt die Veranstaltung mit ihm im Haus der Presse Dresden, Ostra-Allee 20. Karten für 13 Euro, mit SZ-Card 12 Euro in allen SZ-Treffpunkten.