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Todesfahrer hantierte mit Waffe

Nachdem er bei Dippoldiswalde betrunken eine Frau anfuhr und tötete, brachte ein 54-Jähriger ein Gewehr ins Spiel.

Mit diesem Passat hat ein 54-Jähriger in der Nacht zu Sonntag ein Ehepaar angefahren und damit eine Frau getötet. Der Fahrer hatte 1,92 Promille Alkohol im Blut.
Mit diesem Passat hat ein 54-Jähriger in der Nacht zu Sonntag ein Ehepaar angefahren und damit eine Frau getötet. Der Fahrer hatte 1,92 Promille Alkohol im Blut. © Marko Förster

Nach dem tödlichen Unfall bei Dippoldiswalde in der Nacht zu Sonntag hat sich Stunden später ein weiterer dramatischer Polizeieinsatz angeschlossen.

Der 54-jährige Unfallfahrer, der in Reichstädt laut ersten Erkenntnissen mit knapp zwei Promille Alkohol im Blut ein Ehepaar angefahren und damit eine 57-Jährige getötet hatte, wurde tags darauf von der Polizei gestellt, weil er mit einer Waffe hantierte.

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Die Polizei hatte nach Ende der Unfallaufnahme in der Nacht den Mann, der das Unfallauto gefahren hat, wieder nach Hause gehen lassen. Weitere Vernehmungen, um den Hergang des schlimmen Geschehens aufzuhellen, sollten erst später angesetzt werden. 

Dann bekamen die Beamten jedoch die Information, dass der Fahrer mit einer Waffe in eine Gartenlaube gegangen sei. Es gab den Verdacht, dass er sich selbst etwas antun wollte. Weil jetzt auch eine Waffe im Spiel war, forderte die Polizei ein besonders ausgerüstetes Spezialeinsatzkommando an. „Das kam aber nicht mehr zum Einsatz“, sagt Polizeisprecher Lukas Reumund. Der Mann hatte vorher schon die Waffe hergegeben. Polizeibeamte und Rettungskräfte brachten ihn in eine Klinik.

Die Stimmung in Reichstädt ist jetzt von Trauer geprägt, aber auch aufgewühlt wegen des dramatischen Geschehens in der Nacht zu Sonntag. Die verstorbene Frau und ihr 60 Jahre alter Mann gingen an der Talstraße entlang nach Hause, als von hinten aus Richtung Dippoldiswalde der 54-Jährige mit einem blauen Passat angerast kam und die beiden erfasste. An der Unfallstelle verteilen sich die Markierungen zur Rekonstruktion des Unfalls auf einer Strecke von 22 Meter auf der ganzen Straßenbreite und im Straßengraben. Das zeigt, wie schwer der Aufprall gewesen sein muss. Die Frau wurde so schwer verletzt, dass sie noch am Unfallort verstarb. Der Mann kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. 

Der Fahrer des Unfallautos fuhr erst weiter, kehrte dann aber um und war vor dem Eintreffen der Polizei wieder an der Unfallstelle. Als die Polizisten bei ihm eine Alkoholkontrolle machten, ergab sich ein Wert von 1,92 Promille.

Die Markierungen auf der Straße zeigen, wo der 54-Jährige das Ehepaar in der Nacht zu Sonntag erfasste.
Die Markierungen auf der Straße zeigen, wo der 54-Jährige das Ehepaar in der Nacht zu Sonntag erfasste. © Karl-Ludwig Oberthuer

Die Verstorbene war Bankberaterin, ihr Mann ist Bauplaner. Sie waren in Reichstädt engagiert und haben sich ins Dorfleben eingebracht. An der 700-Jahrfeier von Reichstädt im Sommer war sie beteiligt, beim Volleyball oder der Musikschule Dippoldiswalde. „Sie war auch seit Jahren immer als Helferin bei unserem Sportfest dabei“, sagt Martina Wünschmann vom Verein Behindertensportfest. „Dass so etwas passieren muss …“

„Wir sind im Dorf alle geschockt“, sagt Reichstädts Ortsvorsteher Falk Hennig. „Wenn eine Person so mitten aus dem Leben gerissen wird, ist das tragisch. Wenn man sie dann noch persönlich kennt, ist es doppelt schlimm.“

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Die Dippoldiswalder Oberbürgermeisterin Kerstin Körner sagt nach dem tragischen Unfall: „Meine Gedanken sind in allererster Linie bei der Familie, der ich mein aufrichtiges Beileid ausspreche und der ich Kraft wünsche für die bevorstehende Zeit.“ Körner ist auch deswegen tief betroffen, weil sie die Familie privat gut kannte.

Betroffene haben Kerzen aufgestellt.
Betroffene haben Kerzen aufgestellt. © Franz Herz
© Grafik: SZ/Romy Thiel

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