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Todesfahrer von Reichstädt vor Gericht

Im Oktober 2019 hatte ein betrunkener Autofahrer ein Ehepaar am Straßenrand übersehen. Die Frau starb an den Folgen des Unfalls.

Oktober 2019: Das Auto des Unfallfahrers zeigt deutliche Spuren des Aufpralls.
Oktober 2019: Das Auto des Unfallfahrers zeigt deutliche Spuren des Aufpralls. © Marko Förster

Dieser Unfall erschütterte im Oktober 2019 die Region. Ein Ehepaar hatte Freunde besucht, einen geselligen Abend verbracht und war zu Fuß auf dem Weg nach Hause. In der Dunkelheit liefen die beiden in Reichstädt am rechten Straßenrand, als sie von einem VW-Passat angefahren wurden. Die 57-jährige Frau wurde durch die Wucht des Aufpralles beiseite geschleudert und so schwer verletzt, dass sie noch am Unfallort an den Folgen verstarb. Ihr Ehemann wurde ebenfalls schwer verletzt. Er überlebte das tragische Ereignis und kämpft bis heute mit den Folgen.

Am Mittwoch beginnt nun der nächste Teil der Aufarbeitung des Geschehens. Das Schöffengericht am Amtsgericht verhandelt im Prozess gegen den 55-jährigen Fahrer. Er saß zum Zeitpunkt des Unfalls am späten Abend des 12. Oktober 2019 alkoholisiert am Steuer seines blauen VW Passat. Die Polizei ermittelte bei ihm einen Wert von 1,9 Promille.

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Der nun Angeklagte war direkt nach dem Unfall zunächst weitergefahren, dann aber umgekehrt und zur Unfallstelle zurückgekommen. Die Polizisten untersuchten sein Fahrzeug, befragten den Fahrer und machten besagten Alkoholtest. Weitere Ermittlungen sollten am nächsten Tag stattfinden. 

Doch der Unfallverursacher musste da zunächst entwaffnet werden. Anwohner hatten beobachtet, wie der Mann mit einem Gewehr in eine Gartenlaube gegangen war. Sie riefen die Polizei. Möglicherweise plante er einen Suizid. Als die Polizisten eintrafen, gab er jedoch auf und übergab seine Waffe.

Strafmaß für fahrlässige Tötung bis zu fünf Jahre

Im Prozess wird nun zu klären sein, welche Umstände zu dem Unfall geführt haben und welches Strafmaß der Sache angemessen ist. Der Fahrer ist angeklagt wegen fahrlässiger Tötung, wobei in seinem Fall durch die Alkoholisierung von grober Fahrlässigkeit auszugehen ist. Das Strafmaß kann bis zu fünf Jahre betragen. 

Ähnlich gelagerte Fälle sind aber auch schon häufiger mit Bewährungsstrafen ausgegangen, vor allem dann, wenn der Angeklagte nicht vorbestraft ist und auch im Straßenverkehr bisher keine Auffälligkeiten gezeigt hat.

In Reichstädt selber ist der Unfall nach wie vor ein großes Thema. In dem Ortsteil von Dippoldiswalde wohnen nur etwa 1.400 Menschen. Da kennt nahezu jeder jeden. Und das Ehepaar ist dort verwurzelt und beliebt. Die Verstorbene war Bankberaterin, ihr Mann ist Bauplaner. Beide haben sich im Ort engagiert.

„Wir sind im Dorf alle geschockt“, sagte Reichstädts Ortsvorsteher Falk Hennig damals im Oktober nach dem Unfall. „Wenn eine Person so mitten aus dem Leben gerissen wird, ist das tragisch. Wenn man sie dann noch persönlich kennt, ist es doppelt schlimm.“

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Die Oberbürgermeisterin von Dippoldiswalde, Kerstin Körner, sagte nach dem tragischen Unfall: „Meine Gedanken sind in allererster Linie bei der Familie, der ich mein aufrichtiges Beileid ausspreche und der ich Kraft wünsche für die bevorstehende Zeit.“ Auch Körner kannte die betroffene Familie gut.

Die öffentliche Verhandlung am Amtsgericht Dippoldiswalde beginnt am Mittwoch um 9 Uhr. Möglicherweise spricht Richterin Daniela Höllrich-Wirth noch am selben Tag das Urteil. (mit SZ/fh)

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