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Die wichtigsten Antworten zum Olympia-Aus

Die Spiele von Tokio sollen nun 2021 stattfinden. Die Sportler sind erleichtert, das IOC hat Baustellen. saechsische.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Auch wenn die Olympischen Spiele von Tokio nun erst 2021 stattfinden sollen, ihren alten Namen sollen sie behalten.
Auch wenn die Olympischen Spiele von Tokio nun erst 2021 stattfinden sollen, ihren alten Namen sollen sie behalten. © Jae C. Hong/AP/dpa

Tokio. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die Organisatoren in Japan haben sich angesichts der Corona-Pandemie in einer historischen Entscheidung auf eine Verlegung der Sommerspiele in Tokio ins kommende Jahr verständigt. Es ist die erste Verlegung oder Absage Olympischer Spiele in Friedenszeiten und die erste seit dem Zweiten Weltkrieg. Die SZ beantwortet die wichtigsten Fragen:

Wie kam die Entscheidung des IOC und der Veranstalter zustande?

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Lange hatten sich beide Parteien gegen eine Verschiebung gewehrt und stur an dem geplanten Termin vom 24. Juli bis 9. August festgehalten. Erst am Sonntag hatte IOC-Präsident Thomas Bach erklärt, man wolle mit einer Entscheidung noch vier Wochen warten. Doch der Druck wurde immer größer. 

Nachdem zunächst einzelne Sportler einen Boykott der Spiele angekündigt hatten, erklärte mit Kanada am Montag ein erstes Land, keine Athleten nach Japan zu entsenden. Auch immer mehr Verbände – darunter der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) – hatten in den vergangenen Tagen eine Verlegung gefordert.

Wie begründet IOC-Chef Bach die Verschiebung?

Der 66-Jährige äußerte sich nicht persönlich, sondern nur in einem gemeinsamen Statement mit dem japanischen Premier Shinzo Abe. Darin heißt es, man sei aufgrund von Informationen, die die Weltgesundheitsorganisation WHO am Dienstag bereitgestellt habe, zu der Einsicht gekommen, dass die Spiele „verlegt werden müssen, um die Gesundheit der Athleten und aller anderen, die mit den Olympischen Spielen zu tun haben, sowie der internationalen Gemeinschaft zu schützen“.

Wie fallen die Reaktionen bei den deutschen Sportlern aus?

„Mir fällt ein großer Stein vom Herzen“, sagte Deutschlands Sportler des Jahres Niklas Kaul. Handball-Chef Bob Hanning sprach gar von einer „guten Nachricht für die Welt“. DOSB-Athletensprecher Jonathan Koch pustete erst einmal durch: „So traurig die Verschiebung für jedes Sportlerherz auch sein mag, ist es doch zu begrüßen.“ Der Speerwurf-Weltmeister Thomas Röhler empfand die Entscheidung auch als Sieg über das IOC: „Wenn alle an einem Strang ziehen, Athleten und nationale Verbände, dann ist man nicht machtlos.“

Welche Probleme bereitet die Verschiebung?

Mehrere. Die Fußball-EM wurde ebenfalls auf 2021 verschoben (11. Juni bis 11. Juli). Zudem stehen bei den Leichtathleten (6. bis 15. August in Eugene/US-Staat Oregon) – die für eine Verlegung um ein Jahr offen sind – und Schwimmern (26. Juli bis 1. August im japanischen Fukuoka) Weltmeisterschaften auf dem Programm. Die 43 Sportstätten wurden teilweise nur für eine temporäre Nutzung gebaut. Diese könnten für eine spätere Nutzung 2021 nicht mehr zur Verfügung stehen.

Auch das Olympische Dort bereitet Sorge. Viele der begehrten Appartements in den 21 Hochhäusern wurden für die Nutzung nach den Spielen bereits verkauft oder vermietet.

Was hätten die Olympischen Spiele 2020 im Normalfall gekostet?

Offiziell hat das Organisationskomitee Kosten in Höhe von rund 11,5 Milliarden Euro ausgewiesen. Das National Audit Board Japans hatte diese Summe aber unlängst mehr als doppelt so hoch eingeschätzt. Das gehört in der Welt der Sport-Großereignisse inzwischen zum guten Ton: Zwischen zuvor errechneten und dann tatsächlichen Ausgaben liegen oft Milliarden. 

Während sich die reinen Organisationskosten noch einigermaßen gut beziffern lassen, lässt sich vor allem bei den Investitionen der Regierung zum Beispiel in die Infrastruktur und den Tourismus selten eine klare Grenze ziehen, was ausschließlich den Olympischen Spielen dient, und was ohnehin hätte bezahlt werden müssen.

Mit welchen Einnahmen haben die Organisatoren und das IOC gerechnet?

Das IOC hat im Verlauf der letzten Olympiade rund 5,3 Milliarden Euro verdient, im aktuellen Zyklus dürfte mit einer Steigerung zu rechnen sein. Den größten Anteil zahlten die Medienpartner. Dazu kommen die Premiumsponsoren, die sich ihre Werbung während der Spiele meist mehrere Hundert Millionen Euro kosten lassen. Der Ausrichter ging in diesem Jahr zudem von weiteren Milliarden-Einnahmen aus, zum einen direkt durch die Olympia-Touristen und zum anderen indirekt durch sich auszahlende Investitionen.

Welche Einbußen muss Japan nun fürchten?

Das IOC hat sich gegen eine Absage der Spiele versichert, inwieweit die Versicherung bei der Verschiebung greift, ist offen. Für die Sommerspiele 2016 in Rio, in deren Vorfeld über das Zikavirus debattiert worden war, kostete die „Insurance premium for Games cancellation“ rund 13,3 Millionen Euro. 

Die finanziellen Folgen für die japanischen Organisatoren erscheinen dramatischer: Experten rechneten alleine im Falle der Verschiebung mit Kosten von 5,4 Milliarden bis 5,7 Milliarden Euro.

Betrifft die Entscheidung auch die Paralympics?

Ja. Die vom 25. August bis 6. September geplanten Paralympics werden ebenfalls erst 2021 stattfinden. Ein genauer Termin steht hier aber ebenfalls noch nicht fest.

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Erhalten die Spiele im nächsten Jahr einen neuen Namen?

Nein. Nach Angaben des Gouverneurin der Präfektur Tokio, Yuriko Koike, sollen die Wettkämpfe weiter als „Tokio 2020“ bezeichnet werden. (sid, dpa)