merken
PLUS Görlitz

Tom Cruise kommt zu spät

Die Hollywood-Pläne für die Sprengung einer Brücke in Niederschlesien riefen einen Sturm der Empörung herauf. Jetzt handelten die Denkmalschützer.

Blick aus der Luft auf die Bahnbrücke am Pilchowice See, Pilchowice/Polen.
Blick aus der Luft auf die Bahnbrücke am Pilchowice See, Pilchowice/Polen. © Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Was Kinofans das Herz höher schlagen ließ, brachte die Denkmalpfleger auf die Palme.  Und das seitdem, als vor knapp zwei Wochen die ersten Nachrichten von der Idee bekannt wurden, dass für eine Folge der Hollywood-Serie "Mission Impossible" die historische Eisenbahnbrücke über den Pilchowice See im Bobertal bei Jelenia Góra (Hirschberg) gesprengt werden soll.  Hauptdarsteller der Reihe ist Schauspieler Tom Cruise. 

"Gegen diese Sprengung eines mitteleuropäischen Bauwerks durch Hollywood-Filmmacher", schrieb der frühere Berliner Baurat und gebürtige Görlitzer, Wolfgang Liebehenschel, "müsste doch ein Proteststurm losbrechen."  Die Pläne seien aus seiner Sicht nichts anderes als "Taliban-Terror-Sprengungen aus kommerziellen Gründen".

Anzeige
Jetzt ein neues Lebensgefühl entdecken
Jetzt ein neues Lebensgefühl entdecken

schaffer-mobil feiert 30. Jubiläum. Es warten Workshops, Top-Neuheiten und jede Menge Angebote. Vor allem Gebrauchte werden zum Schnäppchen.

Liebehenschels Wunsch allerdings war da schon längst Realität. Denkmalpfleger, Architekten, Heimatkundler - sie alle mahnten die polnischen Behörden, die Sprengung nicht zuzulassen. Das scheint Wirkung erzielt zu haben.

So teilte  das Denkmalamt der Provinz Niederschlesien mit, dass die Brücke in das Denkmalregister aufgenommen wurde. Dazu veröffentlichten polnische Medien wie Radio Wroclaw auf ihrer Internetseite das entsprechende Schreiben des Landeskonservators. Es trägt das Datum vom Dienstag dieser Woche. Da die Brücke nun im Denkmalregister eingetragen ist, kann sie nicht mehr einfach mal so weggesprengt werden. Auch nicht von Hollywood.

Wie ernst gemeint waren die Pläne?

Allerdings begann nun in Polen auch eine Diskussion über die Ernsthaftigkeit der Pläne der Filmemacher. Ganz sicher ist das nicht. Womöglich war es nur der Wunsch einiger polnischer Behörden. Denn die Brücke muss eigentlich saniert werden, doch dafür ist kein Geld da. So entstand die Idee, Hollywood könnte die Brücke sprengen, müsste sich aber verpflichten, das Geld für den Wiederaufbau der Brücke  zur Verfügung zu stellen.

Ob die Filmindustrie dieses Spiel überhaupt mitgemacht hätte, ist ziemlich zweifelhaft. Zumal am Computer praktisch jede Brückensprengung in Echtheit inszeniert werden kann.

Weiterführende Artikel

Hollywood will historische Brücke sprengen

Hollywood will historische Brücke sprengen

Für Dreharbeiten von „Mission: Impossible“ mit Tom Cruise soll das Bauwerk in Niederschlesien weg. Es gibt Protest.

Mit der Entscheidung der Denkmalpfleger ist aber die Zukunft der Brücke noch nicht geklärt. Denn auf der Strecke von Jelenia Góra (Hirschberg) ins benachbarte Lwowek Slask (Löwenberg) sind schon lange keine Züge mehr gefahren. Zwar will das polnische Bahnunternehmen PKP stillgelegte Strecken übernehmen und reaktivieren. Auch versicherte das Unternehmen, dass dazu diese Strecke durch das Tal des Bober-Flusses zählt. Aber sicher wird es erst sein, wenn wieder der erste Zug über die  Bogenbrücke fährt. 

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier

Mehr zum Thema Görlitz