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Ruinen-Problem in Löbau?

Im Stadtrat gab's Kritik am Zustand der früheren Tonhalle samt Tanzsaal nahe Ebersdorf - ist die Sicherheit in Gefahr? Dabei wächst hier längst Neues.

Hier haben die Löbauer mal das Tanzbein geschwungen. Jetzt ist von der alten Tonhalle nahe Ebersdorf nicht mehr viel übrig. Sie wird abgerissen.
Hier haben die Löbauer mal das Tanzbein geschwungen. Jetzt ist von der alten Tonhalle nahe Ebersdorf nicht mehr viel übrig. Sie wird abgerissen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Tausende fahren täglich achtlos vorbei, doch im Löbauer Stadtrat war die alte Tonhalle am Rande von Ebersdorf und an der B178 gelegen jüngst überraschenderweise ein Thema. Ob man nicht allein aus Sicherheitsgründen einschreiten müsse angesichts des völlig verfallenen einstigen Tanzsaales, fragte Stadtrat Ingo Seiler (Bürgerliste). Müsse man nicht - zumindest nicht die Stadt - erwiderte Bauamtsleiter Albrecht Gubsch von der Löbauer Stadtverwaltung. Denn in diesem Fall sei der Landkreis mit seinem Bauamt zuständig.

Unbedingt ins Auge fällt die Ruine einer der einst besten Adressen in Löbau in der Tat nicht. Die Mauerreste des alten Gebäudes kaschiert zur Bundesstraße hin derzeit das satte Grün der Bäume. Und was der spontane Beobachter auch nicht sieht: Es hat sich in den vergangenen zwei Jahren durchaus etwas getan vor Ort. Wenn auch nur Stück für Stück. Roland und Karla Klemm, die das Grundstück samt aller zum ehemaligen Gasthaus Tonhalle gehörenden Gebäude Anfang 2018 gekauft haben, haben einiges geschafft: Zunächst haben sie das Dach der beiden ineinander gehenden Wohnhäuser an der Straße saniert und gerade jetzt ist auch die Dachgeschosswohnung fertig geworden - eine Sieben-Raum-Wohnung für eine große Familie, rar in der Region. "Wir hatten auch schon einen Mieter gefunden, aber aus persönlichen Gründen ist die Familie mit den fünf Kindern dann ganz kurzfristig wieder abgesprungen", berichtet Roland Klemm. Die Wohnung sei nun wieder zu haben.

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Roland und Karla Klemm haben das Dachgeschoss des einstigen Gasthauses Tonhalle saniert. Jetzt bieten sie hier eine 7-Raum-Wohnung an.
Roland und Karla Klemm haben das Dachgeschoss des einstigen Gasthauses Tonhalle saniert. Jetzt bieten sie hier eine 7-Raum-Wohnung an. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
So sah das Dach vor fast genau einem Jahr aus. Roland Klemm macht das meiste in Eigenleistung. Er selbst arbeitet im Handwerk.
So sah das Dach vor fast genau einem Jahr aus. Roland Klemm macht das meiste in Eigenleistung. Er selbst arbeitet im Handwerk. © Rafael Sampedro
Auch die Reste des Tanzsaals müssen noch weggeräumt werden. Die Eigentümer tun das in Eigenregie Stück für Stück.
Auch die Reste des Tanzsaals müssen noch weggeräumt werden. Die Eigentümer tun das in Eigenregie Stück für Stück. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Der 35-Jährige arbeitet selbst im Handwerk, hat generell Geschick und Lust zum Sanieren. In der Tat hat sich der Dachboden im Vergleich zum SZ-Besuch vor einem Jahr komplett verwandelt. Wichtig ist den Klemms, die mit ihren beiden Schulkindern gleich gegenüber leben, dass die Wohnungen in Schuss sind, damit sie vermieten können, denn die Gegend ist gefragt. Das Dach hatten sie gleich zu Beginn in Angriff genommen, danach gab es an den Wohnungen immer wieder zu tun. Nun, da auch das Dachgeschoss ausgebaut ist, wollen sie sich verstärkt dem Schuttberg vor der Tür widmen.

"Es hat sich aber auch dort schon einiges getan", betont Roland Klemm. Der Schuttberg ist in der Tat geschmolzen. "Wir haben insgesamt schon 150 Tonnen Schutt und Ziegel weggeräumt, auch die Teerpappe ist größtenteils entsorgt", erklärt er und deutet auf die freien Flächen, die am Bauzaun als Mieter-Parkplätze markiert sind. Die waren vor einem Jahr noch nicht da. Dass die Ruine ein Sicherheitsrisiko ist, können die Klemms nicht erkennen. Zum einen grenzt das Gelände des Ballsaals nicht an eine öffentliche Straße oder einen öffentlichen Weg, sondern öffnet sich zum Löbauer Wasser hin - alles privat. Zum anderen ist gerade der ruinöse Teil ringsum mit einem Bauzaun versehen.

Klemms nehmen das sehr ernst, weil sie wissen, dass die Gebäudereste zwar mitunter heftigen Wettern trotzen, dann aber plötzlich - bei völliger Windstille - auch mal bröckeln können: "Dort hat niemand etwas zu suchen und da passen wir auf", sagt der Bauherr. Eines Nachts, so berichtet das Ehepaar, hätten ihre Mieter Geräusche von der Ruinen-Fläche gehört und sofort angerufen. "Ich bin dann gleich rüber und habe nachgeschaut, aber es war keiner mehr da." Das Landratsamt, so betont Roland Klemm, kenne das Grundstück übrigens ebenfalls und war auch vor Ort. Auflagen habe es wegen des Ballsaals aber keine gegeben.

Keine Chance auf Fördermittel

Dass die Beräumung des Schuttberges so lange dauert, wird sich kaum ändern lassen, denn die Familie arbeitet sich Stück für Stück mit eigenen Kräften und einem kleinen Bagger vor. Klar sähen es auch Klemms lieber, wenn die kleine grüne Oase, die anstelle des Ballsaals entstehen soll, rascher voran käme. "Aber wir haben keine Aussicht auf Fördermittel", erklärt Roland Klemm. Denn zum einen liegen sie nicht im Sanierungsgebiet der Stadt, zum anderen aber auch nicht auf dem Land, sodass man aus den Fördertöpfen für ländliche Entwicklung etwas erhalten könne. Und auch die Abriss-Förderung, wie sie größere Wohnungsunternehmen erhalten können, kämen für sie eben nicht in Frage.

Dass ihr Grundstück jetzt im Stadtrat Thema war, hat die beiden 35-Jährigen überrascht. Zwar sind sie es gewohnt, dass Anwohner und Passanten neugierig über den Zaun schauen, wenn sie arbeiten. Aber, dass sich der Stadtrat damit befasst, verwundert sie. "Wenn die Stadt Löbau uns etwas zur Sanierung dazugeben will - gern", sagt Roland Klemm verschmitzt mit einem Augenzwinkern.

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