merken
PLUS Dresden

Streit um Lebensmittelpranger in Dresden

Rund 8.000 Mal rücken die Kontrolleure pro Jahr aus. Nun können die Berichte auch veröffentlicht werden. Das gefällt nicht allen.

Ein Lebensmittelkontrolleur überprüft bei einer Betriebskontrolle die Temperatur der Lebensmittel.
Ein Lebensmittelkontrolleur überprüft bei einer Betriebskontrolle die Temperatur der Lebensmittel. © Archiv/Veit Hengst

Maden im Essen oder Spinnweben in der Küche: Jeder Dresdner wünscht sich ein sauberes Restaurant, wenn er essen geht. Die Initiative Topf Secret der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch gibt nun jedem die Möglichkeit, den Hygienebericht seines Lieblingslokals anzufordern. Doch darüber sind die Gastronomen gar nicht erfreut. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

Wie viele Dresdner Betriebe sind bei den Kontrollen negativ aufgefallen?

Die Dresdner Lebensmittelüberwachung haben gut zu tun: Rund 4.000 Betriebe wurden 2018 bei über 8.300 Kontrollen überprüft. Dabei sind in 90 Einrichtungen Verstöße festgestellt worden, überwiegend in Gaststätten und Imbissen, aber auch in Fleischereien, Supermärkten und bei Gemüsehändlern, wie aus den Zahlen des Gesundheitsministeriums in einer Antwort an den Linken-Abgeordneten Franz Sodann hervorgeht. Am häufigsten gab es Probleme mit der Hygiene, der Reinigung und der Schulung des Personals, wie richtig mit Lebensmitteln umzugehen ist. Die meisten Betriebe kamen mit einer Verwarnung davon. 

Anzeige
Allzeit gut beraten
Allzeit gut beraten

Kompetente Unterstützung zu Gesundheit und den passenden Produkten findet man in Riesa in der Domos-Apotheke in der Elbgalerie sowie in der Galeria-Apotheke.

In 55 Fällen wurden Verwarngelder verhängt. Außerdem sind elf Bußgeldverfahren eröffnet worden. Vier Einrichtungen mussten geschlossen werden – zwei Gaststätten, eine Kantine und eine Fleischerei-Filiale. Die Kontrollen werden auf der Grundlage einer Risikobeurteilung der Betriebe durchgeführt. Dabei spielen Vorschriften eine Rolle. Die Kontrolleure gehen aber auch Beschwerden nach, wenn sich ein Gast nach einem Besuch im Restaurant oder auf einem Weihnachtsmarkt unwohl fühlt und über Durchfall klagt. So meldeten sich 2018 insgesamt 183 Dresdner bei der Behörde. Für das vergangene Jahr liegen laut Gesundheitsministerium noch keine Zahlen vor.

Wie viele Anfragen gibt es aus Dresden an Foodwatch?

Aus Dresden sind es mittlerweile 385 Anfragen, so das Unternehmen auf Anfrage der SZ. Bundesweit sind es 40.412. Das Interesse der Dresdner an Topf Secret war von Beginn an groß. Allein aus Dresden kamen seit dem Start Mitte Januar 2019 bis Februar 2019 rund 130 Anfragen, so Sprecher Dario Sarmadi. 

Foodwatch selbst greife in den Prozess nicht ein. Die Verbraucher selbst stellen der für den Betrieb zuständigen Behörde einen Antrag. Von den über 300 Bürgeranfragen über „Topf Secret“ hat die Lebensmittelüberwachung 84 Schreiben beantwortet. 2019 gab es über 8.000 Kontrollen, hauptsächlich in der Gastronomie.

Wie finden Gastronomen den Internet-Pranger?

Hofwiesen-Wirt Holger Zastrow findet Melde-Portale wie Topf Secret richtig gefährlich. Damit würden Gastronomen an den Pranger gestellt, so Zastrow, der auch den Weihnachtsmarkt auf der Hauptstraße betreibt. „Es gibt in Deutschland ohnehin sehr strenge Lebensmittelkontrollen“, betont er. Auch Dresdens Dehoga-Chef Axel Klein kritisiert Foodwatch. Die Veröffentlichung widerspreche dem Datenschutz. „Das Portal führt außerdem zu Denunziantentum unter den Konkurrenten.“

Bislang hätte er aber nichts gehört, dass es bei einem seiner Mitglieder einen Umsatzeinbruch aufgrund eines negativen Berichtes gegeben hatte. Der Aufwand für die Behörden und die Gastronomen durch die Kontrollen sei sehr hoch und sollte nicht noch mehr gesteigert werden. So sieht das auf Ina Giuffrida aus dem Restaurant Delizia auf dem Weißen Hirsch. „Zu uns kommt, wie zu jedem anderen auch, ohnehin schon drei Mal im Jahr die Lebensmittelkontrolle, das erfordert jedes Mal einen Zeitaufwand von zwei Stunden“, sagt sie.

Warum und wie wollen sich die Wirte wehren?

Weiterführende Artikel

Was Dresdens Lebensmittel-Überwacher fanden

Was Dresdens Lebensmittel-Überwacher fanden

Trotz Pandemie wurde 2020 jeder zweite Betrieb in Dresden kontrolliert. Was besonders häufig beanstandet wurde und wann die Bürger informiert werden.

Dresdner Gastronomen am Pranger

Dresdner Gastronomen am Pranger

Mehr und mehr Dresdner verlangen die Herausgabe von Hygieneprotokollen in Gaststätten - mit Erfolg. Das steht in den Berichten.

Gastronomen am Pranger?

Gastronomen am Pranger?

Die Dresdner können über das Online-Portal Foodwatch Hygieneberichte von Lokalen und Bäckern anfordern. Die Branche wehrt sich.

Dehoga-Chef Axel Klein kündigte bereits rechtliche Schritte gegen die Verbraucherinitiative an. „Wir werden keine rechtlichen Möglichkeiten ungenutzt lassen, gegen die Veröffentlichungen anzugehen, und prüfen hier das sinnvollste Vorgehen.“ Die Stadtverwaltung prüfte auch, ob und unter welchen Umständen sie die Protokolle herausgeben darf. Es gibt aktuell schon drei Gerichtsurteile, die die Verwaltung in ihrem aktuellen Handeln bestätigten, so die Stadt. Alle Betriebe können Stellung nehmen, bevor die Berichte über sie verschickt werden. Die Wirte erfahren, welcher Dresdner den Bericht über ihr Lokal angefordert hat, inklusive der Adresse des Fragestellers.


Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden