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Tops und Flops aus der Gemüsekiste

Struppens Schellehof bietet Städtern ohne eigenen Garten selbst erwirtschaftetes Gemüse. Die Bilanz nach einem Jahr.

Von Heike Wendt

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Es war ein Start ohne Sicherheitsnetz. Nach nur wenigen Monaten Vorbereitung startete die Solidarische Landwirtschaft (Solawi) auf dem Schellehof in Struppen vor einem Jahr mit dem kreisweit einzigartigen Konzept. Es soll ein faires Wirtschaften unter ökologischen Bedingungen ermöglichen.

Nach der ersten Anbausaison hat der Verein Lebenswurzel, unter dessen Dach sich die Ernteteiler zusammengefunden haben, Bilanz gezogen. Drei Viertel der Ernteteiler wollen der Solawi treu bleiben, hat eine Umfrage ergeben. „Das werte ich nach dem ersten Anbaujahr als Erfolg“, sagt André Türk vom Schellehof.

Völlig unterschiedliche Aussagen gab es zu Menge und Sortiment. Während einige mit dem Inhalt der wöchentlichen Kiste überfordert sind und gar nicht alles verarbeiten und essen können, ist es anderen zu wenig. „Vermutlich ist es ein unlösbares Problem, den Ernteteil so auszurichten, dass er zu allen Lebensentwürfen und Essgewohnheiten passt“, sagt André Türk. Dennoch werde sich der Verein der Herausforderung stellen, die verschiedenen Wünsche auszubalancieren.

Für Überraschung sorgte zudem die „Hitliste“ der beliebtesten und am wenigsten gewünschten Kulturen. Spitzenreiter waren Tomaten und Freilandgurken (Platz 1 und 2), während Zappalito, eine spezielle Kürbissorte, Mangold, Asiasalat und Borretsch erstaunlicherweise ziemlich weit hinten landeten. Dabei ist eines der erklärten Ziele, möglichst vielen unterschiedlichen Arten eine Chance zu geben. Angebaut wird nach ökologischen Aspekten, die gesamtheitliche Kreisläufe berücksichtigen. Das Zusammenspiel unterschiedlicher, sich gegenseitig begünstigender Kulturen gehört ebenso dazu wie der Verzicht auf chemischen Dünger und Unkrautvernichtungsmittel. Um die Sympathie auf dem Salatteller „kämpfen“ zudem eher ungewöhnliche Kulturen wie Gemüsemalve, Winterportulak oder Vogelmiere. Doch was andere als Unkraut in ihrem Garten von den Beeten zupfen, muss nicht zwangsläufig ein Fall für den Kompost sein. Ernteteiler Hartmut Kluge aus Freital ist froh über jedes frische Grün. „Wir essen sehr gern Salat“, sagt er. Das Repertoire an Rezepten für die Verarbeitung der Ernte ist bei ihm genauso stark angewachsen wie in den anderen Ernteteiler-Familien. Den Beweis gibt es am Buffet bei gemeinsamen Veranstaltungen wie dem Frühlings- oder Erntedankfest mit Smoothie von Vogelmiere oder veganen Falafel.

Im zweiten Solawi-Jahr soll es vor allem qualitativ besser werden. Der schwere Boden ist für Wurzelgemüse wie Möhren, Pastinaken oder Rote Bete nicht optimal und erfordert eine entsprechende Vorbereitung. Auch Mäuse oder Möhrenfliegen von den Gemüsebeeten fernzuhalten, ist eine aufwendige Aufgabe. Das Anbauteam soll personell mit einer Fachkraft aus dem Biolandbau verstärkt werden.

Momentan beteiligen sich rund 100 Mitglieder an der Solidarischen Landwirtschaft in Struppen. In diesem Jahr kann die Kapazität um 20 bis 30 Plätze erweitert werden. Die Höhe des monatlichen Beitrags wird in einer Bieterrunde festgelegt. Diese wird am 1. März stattfinden. Jeder Ernteteiler bekommt jede Woche eine Kiste mit Gemüse, Obst und Backwaren. Außerdem stehen Mehl und Getreide zur freien Verfügung. Mehrmals im Jahr wird geschlachtet und das Fleisch kommt zur Verteilung.

Die nächste Informationsveranstaltung zum Solawi-Konzept mit anschließendem Hofrundgang findet am Sonntag, dem 15. Februar, ab 14 Uhr, statt.

www.schellehof.de

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