SZ +
Merken

Torgauer Doppelmörder gefunden - Selbstmord im Oktober

Leipzig/Torgau - Neun Jahre nach dem Doppelmord an der 17-jährigen Antje und ihrer 18 Monate alten Cousine Sandy aus Rosenfeld bei Torgau ist der Fall aufgeklärt. Der aus Sachsen-Anhalt stammende Täter...

Teilen
Folgen

dpa

Leipzig/Torgau - Neun Jahre nach dem Doppelmord an der 17-jährigen Antje und ihrer 18 Monate alten Cousine Sandy aus Rosenfeld bei Torgau ist der Fall aufgeklärt. Der aus Sachsen-Anhalt stammende Täter nahm sich Mitte Oktober im Maßregelvollzug Uchtspringe nahe Stendal das Leben, nachdem ihn die Polizei zur Abgabe eines Fingerabdruckes und eines Gentests aufgefordert und ihn damit so gut wie überführt hatte. „Damit kann er leider nicht mehr für sein schreckliches Verbrechen zur Verantwortung gezogen werden“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Norbert Röger am Donnerstag in Leipzig.

Zufall beendete Leben der Mädchen

Nach Polizeiangaben hatte der Täter Gerhard D. 1994 wenige Tage vor dem Mord an den beiden Mädchen seine Lebensgefährtin getötet. Anschließend flüchtete er quer durch die Republik, legte mit einem Auto rund 20.000 Kilometer zurück und stieß vermutlich zufällig in einem Waldstück bei Zwethau (Kreis Torgau-Oschatz) auf seine beiden Opfer. Die Mädchen waren mit der Mutter von Sandy beim Pilzesuchen. Fast drei Wochen später wurden ihre stark verwesten Leichen im 400 Kilometer entfernten niedersächsischen Buchholz gefunden.

Zu diesem Zeitpunkt war Gerhard D. bereits von der Polizei wegen des Verbrechens an seiner Freundin festgenommen worden. 1995 verurteilte ihn das Landgericht Dessau zu achteinhalb Jahren Haft und ordnete seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Bereits zu DDR-Zeiten 1977 war der Mann vom Bezirksgericht Halle wegen Mordes und versuchter Vergewaltigung zu lebenslanger Haft verurteilt worden, nach einer Amnestie während der Wende in der DDR aber frei gekommen.

Größter DNA-Test brachte späten Erfolg

Nachdem in dem Torgauer Fall acht Jahre lang alle Ermittlungen zur Identifizierung des Täters scheiterten, entschlossen sich Polizei und Staatsanwaltschaft im Herbst 2002 zu einem groß angelegten DNA-Test. 15.460 Männer aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg gaben dabei Speichelproben ab. Als Vergleichsmaterial diente eine spärliche DNA-Spur auf einem Handtuch, das in einem Plastikeimer bei den beiden ermordeten Kindern gefunden worden war.

„Das war unsere letzte Chance. Der Erfolg zeigt, dass wir Recht hatten“, sagte der Leiter der Polizeidirektion Torgau, Wolfram Thiele. 20 Beamte hätten ein Jahr lang in mühevoller Kleinarbeit Proben genommen. Lediglich 217 Menschen hätten ihre Mitwirkung verweigert. Der Massengentest kostete nach ersten Schätzungen rund eine halbe Million Euro.

Die Eltern von Antje und Sandy gaben nur eine kurze schriftliche Stellungnahme ab. „Für uns ist es fast unmöglich, mit diesem Verlust ein normales Leben zu führen. Alles, was von außen diesbezüglich an uns herangetragen wird, bedeutet für uns erneuten starken Schmerz und Trauer“, teilten die Familien mit. „Es ist für uns als Eltern schon unbeschreiblich schwierig, auf solch brutale Art ein Kind zu verlieren und immer wieder daran erinnert zu werden.“