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Zittau

Torjäger-Legende kommt nach Ostritz

Dem rechtsextremen SS-Festival setzt die Stadt am Wochenende wieder Fairplay und Weltoffenheit entgegen - und ein großes Fußballfest mit einem großen Gast.

Immer wieder Grund zum Jubeln: Fußball-Legende Cacau in seinen besten Zeiten.
Immer wieder Grund zum Jubeln: Fußball-Legende Cacau in seinen besten Zeiten. © Archivfoto: dpa/Bernd Settnik

Mit dem zweitschnellsten Tor einer Weltmeisterschaft ist er in die Fußball-Geschichte eingegangen: Claudemir Jerônimo Barreto, besser bekannt als Cacau. Bei der WM 2010 hat er im Auftaktspiel gegen Australien genau 110 Sekunden nach seiner Einwechslung ins Spiel ein Tor für Deutschland geschossen.

Inzwischen ist der gebürtige Brasilianer 38 und nicht mehr auf dem Rasen aktiv.  Stattdessen kümmert er sich beim DFB als Integrationsbeauftragter um ein respektvolles Miteinander die Sportler aus aller Herren Länder und Kulturen.

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In dieser Mission kommt Cacau nun ins sächsische Ostritz. Die Fußballer vom Ostritzer Ballsport Club (OBC) haben ihn zu ihrem Jubiläum eingeladen. Am Freitagnachmittag wird er zur Eröffnungsfeier im Festzelt erwartet: 100 Jahre Fußball in Ostritz - schon seit zwei Jahren steht fest, dass das an diesem Wochenende ganz groß gefeiert wird. Und vor allem friedlich.

Das müssen die Ostritzer in diesen Tagen immer wieder betonen, denn zeitgleich findet nur ein paar hundert Meter weiter, auf dem Gelände des Hotels Neißeblick, ein rechtsextremes "Sommerwende-Sommerfest" statt, die dritte Auflage des "Schild- und Schwert-Festival" mit Rechtsrockkonzerten, politischen Reden und Devotionalien-Verkauf. Nur die angekündigten "Nibelungen-Kämpfe" werden nach Medienberichten wohl ausfallen, weil sich nicht genügend Kämpfer gefunden haben. Veranstalter Thorsten Heise, stellvertretender NPD-Bundesvorsitzender, vorbestraft und zentrale Figur der rechtsextremen Szene, rechnet mit bis zu 1.000 Teilnehmern.

Dem werden sich die Ostritzer erneut mit friedlichem Protest entgegensetzen. Weil das große Fußballfest lange geplant ist, wird es diesmal aber kein Friedensfest auf dem Marktplatz geben. Die Friedensfest-Initiative unterstützt stattdessen den Ballsportclub. 

Ihren Marktplatz wollen die Ostritzer aber dennoch nicht den Rechten überlassen. Sie werden den Platz wie bei den vergangenen Neonazitreffen an der Neiße auch diesmal besetzen. "Das Friedensfest macht Bildungsurlaub", wird das Motto am Wochenende lauten. Kirchgemeinden, Vereine, Verbände und der DGB werden "klare Kante gegen Rechts" zeigen, kündigt Cäcilia Schreiber vom Organisationsteam an. Unter anderem mit dem Grundgesetz-Lesen. Es werden ein Soccer-Turnier-Feld aufgebaut und ein Sandstrand aufgeschüttet.

Schon am Donnerstag wird es im Festzelt OBC eine ganz besondere Szenische Lesung geben: Unter dem Titel "Annes Kampf" lesen Schauspieler Passagen aus Hitlers ,Mein Kampf' und Auszüge aus dem Tagebuch von Anne Frank und lassen die Zitate aufeinanderprallen. Beginn ist 19 Uhr.

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Protest gegen das SS-Festival haben auch zwei linke Initiativen angekündigt. Der Görlitzer Landtagsabgeordnete der Linken, Mirko Schultze, hat eine Kundgebung mit bis zu 200 Teilnehmern angemeldet. Das linke Aktionsnetzwerk "Leipzig nimmt Platz" will ebenfalls mit bis zu 300 Teilnehmern gegen den Aufmarsch der Rechten demonstrieren. Die Polizei plant schon seit Tagen ihren Einsatz. Es wird wieder ein Wochenende im Ausnahmezustand. Bürgermeisterin Marion Prange (parteilos) hofft, dass es aber auch diesmal gelingt, gewalttätige Auseinandersetzungen und Eskalation zu vermeiden.

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