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Torlinientechnik für kleine Vereine nicht finanzierbar

Nur noch wenige Tage, bis die Weltmeisterschaft beginnt. Und die Diskussion um Kameras und Schiri-Entscheidungen mit Hilfe von Aufzeichnungen geht weiter.

Von Bernhard Donke

Drin oder nicht drin? Mats Hummels Nicht-Treffer im DFB-Pokalfinale war vielleicht einer, ist aber nicht gezählt worden. Was da in der 64. Minute im DFB-Pokalfinale zwischen Borussia Dortmund und Bayern München gelaufen ist, hat ein hochemotionales Nachspiel – und könnte kleinere Vereine vor hohe finanzielle Hürden stellen. Schiedsrichter Florian Meyer hat bei dem Spiel das Tor nicht gegeben. In den Kameraaufnahmen mag es etwas anders ausgesehen haben. Die Bayern feiern.

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Geld sicher und gut anlegen? Das ist in Zeiten der Nullzinspolitik nicht einfach. Deshalb sollte man sich gerade jetzt gut beraten lassen.

Die Debatte über technische Hilfsmittel für Schiedsrichter ist neu entbrannt. Nun erfolgte bei den Verantwortlichen und Fußballern des FC Bayern München die Erkenntnis, dass die Torlinientechnik unbedingt eingeführt werden muss. Und das so schnell wie möglich, trotz Widerstand aus den Vereinen der Ersten und verstärkt aus der Zweiten Bundesliga. Auch der Deutsche Fußballbund DFB und die Deutsche Fußballliga gehen mit – und wollen schon im Pokalfinale 2015 die Technik einsetzen.

Doch ist die 100-prozentig sicher? Das zumindest glaube ich nicht. Wie beim Internet, so könnten sich auch dort Unbekannte mit den Ziel, die Technik zu stören, einfinden. Und was, wenn plötzlich, obwohl der Ball noch Meter vor dem Tor gespielt wird, die Technik anschlägt? Oder der Ball mitsamt seinem Chip liegt schon einen Meter hinter der Torlinie im Torraum und die Technik schweigt? Ich denke, man sollte doch nach wie vor dem Schiedsrichter und seinen Assistenten die Entscheidung überlassen. Ich bin auch nach 39 Jahren aktiver Schiedsrichtertätigkeit und Schiedsrichterbeobachtertätigkeit nach wie vor der Meinung: Man sollte nicht nur aus finanziellen Gründen, weil die Technik für die meisten Vereine unterhalb der Bundesliga bis hinein in die Kreisklasse kaum finanzierbar ist, alles beim Alten lassen. Es sind doch gerade die Schiedsrichterentscheidungen, auch wenn es manchmal in den Augen der Zuschauer Fehlentscheidungen sind, die den Fußball so spannend und interessant machen.

Ebenso bin ich gegen jeglichen Videobeweis. Der würde nur das Spiel zerreißen, es in die Länge ziehen wie beim Eishockey. Und ich bin mir sicher, wenn man Schiedsrichter, Spieler und Linienrichter auf den Monitor schauen ließe, gäbe es auch drei Meinungen. Deshalb sollte man schon allein den Schiedsrichtern die Entscheidung überlassen. Wer würde heute noch über das Finalspiel bei der WM 1966 in London sprechen, wo England und Deutschland gegeneinander gespielt haben – und der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst ein Tor nicht gegeben hat? Niemand.

Gastautor Bernhard Donke schreibt als Journalist für die Sächsische Zeitung. Er ist Mitglied der Schiedsrichterkommission des Fußballverbandes Oberlausitz-Schiedsrichter und seit 1975 beim SV Gebelzig 1923. Zudem ist er Schiedsrichterbeobachter im Fußballverband Oberlausitz.