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Torten, Trost und Träume

Das Kaffeehaus Zimmermann in Königstein ist eröffnet. Nur einer hat den ersten Arbeitstag nach der Flut verschlafen.

© Norbert Millauer

Von Ines Mallek-Klein

Auf der schneeweißen Untertasse für den Kaffee liegt eine kleine Katze. Sie ist aus Schokolade und fein säuberlich in goldener Alufolie verpackt. Es ist ein Gruß von Willi. Der Kater gehört zum Kaffeehaus Zimmermann wie die leckeren Torten und der Plausch mit der Chefin, Antje Zimmermann. Doch heute ist von Willi nichts zu sehen. „Er hat verschlafen, er muss sich wohl erst noch an die neuen Arbeitszeiten gewöhnen“, sagt Antje Zimmermann und schaut auf die Plätze in ihrem Café. Die sind am 1. April gut gefüllt, vor allem auf der Terrasse vor dem Haus.

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Ein sonniger Tag tut Körper und Geist gut. Doch ob auf dem Balkon, im Garten oder am Wasser: Hautschutz ist dabei unerlässlich.

Fast zehn Monate ist es her, dass sich dieser Anblick der Gastronomin das letzte Mal bot. Das war im Juni 2013, kurz bevor das Wasser kam und viel Arbeit brachte. Alles auf null. Wieder einmal. Ans Aufgeben hat Antje Zimmermann nie gedacht. „Das geht gar nicht, die Banken wollen ihr Geld“, sagt sie. Als das Wasser weg war, wurde Putz abgehackt. Der Versuchung, schnell zu sanieren und wieder zu eröffnen, hat Antje Zimmermann widerstanden. Das Mauerwerk war einfach zu feucht. Erst im September konnte mit der Sanierung begonnen werden. Die letzten Handgriffe wurden vor wenigen Tagen gemacht.

Nun wartet die Eierlikörschokotorte neben der Schwarzwäldersahne auf Genießer. Die ersten großen Tortenstücke werden noch vor dem Mittagessen serviert. Bei ihren Kreationen setzt Antje Zimmermann auf Bewährtes – zumindest am Eröffnungstag. Stammgäste dürfen sich aber in den nächsten Wochen auf eine neue Tortenkreation freuen.

In der Zwischenzeit sind wieder Gäste gekommen. Sie bestaunen die farbenfrohe Auslage und haben Mühe, sich für eine der Leckereien zu entscheiden. Antje Zimmermann bedient unterdessen den Kaffeeautomaten. Der Finger fährt suchend über das Bedienfeld. Man muss erst wieder reinfinden, der Körper ist noch auf Putzen programmiert, sagt sie und lacht. Unzählige Stunden hat sie mit ihren Mitarbeiterinnen in dem Café verbracht und gegen den Baustaub gekämpft. „Ohne die Unterstützung meiner Mädels hätte ich das nicht geschafft“, sagt Antje Zimmermann. Ihre Stimme verrät: Es waren keine einfachen Wochen für sie. Doch es gab auch viel Trost. Stammgäste schauten vorbei, brachten neben aufmunternden Worten manch kleines Präsent mit. Am schwersten wiegt für Antje Zimmermann aber ihr Versprechen, dem Café die Treue halten zu wollen.

Gute Wünsche für den Neustart gibt es viele. Auch Bürgermeister Frieder Haase kommt zum Gratulieren. Die Wiedereröffnung ist ein wichtiges Signal und ein Zeichen, dass Königstein dabei ist, die Folgen des letzten Hochwassers zu überwinden, sagt er. Wie ein Mahnmal lag monatelang ein großer Baumstamm vor dem Café. Die Flut hatte den fünf Meter langen Giganten angespült. Er war gegen das Glasdach geschwommen und hatte sich später zwischen zwei Blumenkübeln verhakt. Ein Mann wollte die Pappel haben, hat sie vor Ort zersägt und schließlich weggefahren, erzählt Antje Zimmermann. Nun erinnern nur noch die Risse an der Hausfassade an das Hochwasser. Die Giebelwand ist schon saniert. Die Front bekommt erst im Herbst einen neuen Anstrich. Dann, wenn eine hoffentlich gute und umsatzstarke Saison vorbei ist. „Wir haben in den letzten Wochen viel Geld ausgegeben, aber keines eingenommen“, sagt die Chefin. Wie hoch die Sanierungskosten insgesamt sind, kann sie noch nicht abschätzen. Die letzten Rechnungen stehen noch aus. Antje Zimmermann schätzt die Ausgaben aber auf rund eine Viertelmillion Euro. Glücklicherweise war sie versichert.

Kater Willi kümmert das nicht. Es ist mittlerweile Mittagszeit, doch er schläft immer noch friedlich in Frauchens Wohnung. Aber irgendwann wird auch er merken, dass jetzt wieder alles beim Alten ist, sagt Antje Zimmermann und legt lächelnd eine neue Schokokatze auf die Untertasse.

Das Kaffeehaus hat Montag bis Sonnabend 7 bis 18 Uhr geöffnet. Sonntags werden Gäste ab 14 Uhr bedient.