SZ +
Merken

Tortenpreise sorgen für Ärger nach der Geburtstagsfeier

Die Feier in dem Bischofswerdaer Hotel war schön, die Rechnung war es aus Sicht der Gäste nicht. „Für eine Nougattorte, eine kleine Fruchttorte und einen gemischten Kuchen wurden 80,90 Euro berechnet, beim Bäcker kosten sie zusammen 29 Euro.

Teilen
Folgen

Von Ingolf Reinsch

Die Feier in dem Bischofswerdaer Hotel war schön, die Rechnung war es aus Sicht der Gäste nicht. „Für eine Nougattorte, eine kleine Fruchttorte und einen gemischten Kuchen wurden 80,90 Euro berechnet, beim Bäcker kosten sie zusammen 29 Euro. Das ist ein Aufschlag von 150 Prozent“, sagte Simone Pospiech jetzt am SZ-Lesertelefon. Ist das rechtens?

WELCHEN AUFSCHLAG DARF EIN WIRT VERLANGEN?

Henry Reichmuth, Inhaber des Hotels „Goldener Engel“, steht zu dieser Rechnung: „Ich schlage immer 150Prozent plus Mehrwertsteuer auf den Einkaufspreis auf“, sagt er und rechnet vor: Der Kuchen muss geschnitten und serviert, der Tisch gedeckt, der Raum für Familienfeiern geheizt und die Kellnerin bezahlt werden. – Die gleichen Argumente führt der Chemnitzer Unternehmensberater Andreas Vieweg ins Feld, der im Auftrag des sächsischen Hotel- und Gaststättenverbandes tätig ist. „150 Prozent Aufschlag sind normal und alles andere als überzogen“, sagt er unter Verweis auf eine Studie, die Sachsens Wirtschafts- und Arbeitsministerium 2006 herausgegeben hat. Demnach betrage in Sachsens Gaststätten der Aufschlag auf den Einkaufspreis im Durchschnitt sogar 194 Prozent. Um im Interesse des Bestehens der Betriebe auf lange Sicht „optimal“ zu wirtschaften, müssten es sogar noch einige Prozentpunkte mehr sein. „Vor allem kleinere Gaststätten verkaufen Speisen und Getränke zu preiswert“, sagt Andreas Vieweg aus seiner Erfahrung.

Wie machen es Andere in Bischofswerda?

Um wirtschaftlich zu arbeiten, muss jeder Wirt selbst seine Kosten – und folglich seine Preise – kalkulieren. Einen einheitlichen Maßstab gibt es nicht. Von der SZ befragte Gastronomen in Bischofswerda geben Preisaufschläge an, die zwischen 60 und 100 Prozent variieren. „Wenn wir die Zeit haben, backen wir selbst. Dann wird es natürlich preiswerter“, sagt ein Wirt. – Im Berggasthof auf dem Butterberg setzt man auf eine Mischkalkulation: „Beim Kuchen ist der Aufschlag etwas höher als bei Torte, er liegt aber unter 100 Prozent“, sagt Geschäftsführerin Heidi Duda. Die entscheidende Frage sei, ob der Gast mit den Preisen noch mitgehen könne oder nicht.

Welche Rechte Haben Verbraucher?

Dirk Mittrach von der Verbraucherzentrale in Bautzen empfiehlt, sich schon über die Preise abzustimmen, wenn man für eine Feier bestellt. „Hat es im Vorfeld keine Preisabsprache gegeben, ist die Rechnung zu bezahlen“, sagt er. Ein Richtwert, um sich als Gast zu orientieren, können die ortsüblichen Aufschläge sein, wenngleich sie nur schwer zu ermitteln seien. Grundsätzlich, sagt auch der Verbraucherschützer, gebe es keine Regeln für die Preisgestaltung. „Jeder Wirt kann frei kalkulieren.“ – Sein Tipp für Feiern in Gaststätten: sich vorher über Preise informieren und sie verbindlich vereinbaren. „Das gibt beiden Seiten Sicherheit“, betont Dirk Mittrach.