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Tote Fische in der Röder

Seit Mittwoch treiben zahlreiche Tiere im Fluss in Großenhain. Die zuständige Behörde hat bereits einen Verdacht.

Kein schöner Anblick: Seit der Wochenmitte treiben tote Fische in der momentan eher stinkenden Röder in Großenhain. Besorgte Röderstädter wandten sich an die Zeitung und die Stadtverwaltung.
Kein schöner Anblick: Seit der Wochenmitte treiben tote Fische in der momentan eher stinkenden Röder in Großenhain. Besorgte Röderstädter wandten sich an die Zeitung und die Stadtverwaltung. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. Nass, klitschig und vor allem tot. Das Bild, welches sich seit ein paar Tagen an den Ufern der Großenhainer Röder bietet, ist eines des Jammers. Abgesehen davon, dass das Wasser stinkt und ebenfalls keinen erfrischend gesunden Eindruck macht. Seit Wochenmitte treiben zuhauf leblose Tiere im Fluss und kommen am Rand des Gewässers zum Liegen. 

"Das ist ja wirklich ganz grässlich", sagt eine betagte Röderstädterin und schaut pikiert. Am Nachmittag spaziere sie immer mit ihrem Hund durch den Gartenschaupark und habe bereits am Montag zwei Fische entdeckt. Am Dienstag wären keine zu sehen gewesen, aber am Mittwoch dafür umso mehr. 

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"Ich kann mich noch gut an das große Fischsterben in der Röder vor zwei Jahren erinnern! Damals ging es auch so los", sagt die 79-Jährige bedauernd und schüttelt den ergrauten Kopf.

Dass es so schlimm wie im August 2018 werden wird, daran will Tilo Groß noch gar nicht denken. Wie der Chef der Teichwirtschaft Schönfeld betont, müsse man angesichts des momentanen Wetters jedoch für alle Eventualitäten gerüstet sein. Denn natürlich habe man in denen neben der Dammühle bewirtschafteten zahlreichen Teichen in den letzten Wochen auch schon mit leichtem Sauerstoffmangel zu tun gehabt.

Ein Bild des Jammers bietet sich an verschiedenen Uferplätzen der Röder. Tote Fische wurden angespült. Vermutlich starben sie aufgrund des zu niedrigen Sauerstoffgehalts im Wasser.
Ein Bild des Jammers bietet sich an verschiedenen Uferplätzen der Röder. Tote Fische wurden angespült. Vermutlich starben sie aufgrund des zu niedrigen Sauerstoffgehalts im Wasser. © Foto: Kristin Richter

Etwaige Probleme mit Niederschlag - gleich nun, ob zu viel oder zu wenig - oder hochsommerlichen Temperaturen zu erklären, sei jedoch zu einfach. Und obendrein falsch. 

"Viele Sonnenstrahlen bedeuten mit ausreichendem Anteil an Wasserpflanzen eigentlich auch viel Sauerstoff. Erst wenn das Gefüge innerhalb des jeweiligen Gewässers durcheinander geraten ist - eben weil beispielsweise die Konzentration an abgestorbenen Pflanzen zu hoch ist, der Pegel extrem zurückgegangen ist und damit nicht ausreichend Wassermasse zur Verfügung steht - kann das ganze System ins Wanken geraten", weiß der erfahrene Fischwirt.

 Immerhin schwimmen in den Gewässern Algen und Bakterien, die tagsüber zwar den unverzichtbaren Sauerstoff liefern, ihn nachts aber auch wieder verbrauchen. Am Morgen könne es da schon mal recht knapp werden, und die Fische drohten, zu ersticken. 

Nicht jedes schuppige Tier zeige sich allerdings abgeneigt gegenüber der Wärme, wie sie jetzt der Sommer in der hiesigen Region aufbietet. Karpfen etwa, ursprünglich aus Südostasien stammend, liebten geradezu Temperaturen um die 30 Grad - vorausgesetzt im wässrigen Zuhause stimmten der Sauerstoffgehalt und was es sonst noch zum munteren bleibenden Dasein braucht. 

Forelle, aber auch Zander, Barsch, Gründling oder Plötze würden dagegen schon aus anatomischen Gründen bei Wassertemperaturen von 21 Grad weniger fressen. Nach dem völligen Hungerstreik bei zwei Grad mehr, werde es dann ab 24 Grad für sie richtig gefährlich.

Eine Gefahr, der nun die Fische in der Großen Röder ganz offenbar erlegen sind. Untersuchungen der unteren Wasserbehörde - angesiedelt bei der Landkreisverwaltung Meißen - hätten ergeben, dass tatsächlich der Sauerstoffgehalt im Gewässer zu gering gewesen sei. 

Eine Verunreinigung, so Anja Schmiedgen-Pietsch, habe indes nicht ermittelt werden können. Das bedeutet praktisch: "Die genaue Ursache für den plötzlichen Abfall des Sauerstoffgehaltes ist damit unbekannt", so die Behördensprecherin auf SZ-Anfrage. 

Nach neusten Erkenntnissen habe sich die Lage am Mittwochnachmittag schon entspannt, und am Donnerstagmorgen hätten die Sauerstoffwerte wieder im normalen Bereich gelegen. Dennoch werde die Verlustmenge an Fischen durch den Anglerverband „Elbflorenz“ Dresden e. V. auf 30 bis 40 Kilogramm geschätzt. 

Die Wasserführung in der Großen Röder sei aber weiterhin unter der Kontrolle der Landestalsperrenverwaltung und liege momentan nicht im kritischen Bereich. Ein erfreulicher Grund zum Auf- und Durchatmen für jene, die schwimmend darin leben. 

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