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Tourismus in Zeiten des Coronavirus

Die Unterkünfte rund um Altenberg waren im August gut gebucht. Doch reicht das, um die Corona-Einbußen auszugleichen?

Mit seinen Steinofen-Pizzas zum Mitnehmen brachte Peppe Binascoie das Landhotel Altes Zollhaus in Neuhermsdorf über die Corona-Zeit.
Mit seinen Steinofen-Pizzas zum Mitnehmen brachte Peppe Binascoie das Landhotel Altes Zollhaus in Neuhermsdorf über die Corona-Zeit. © Karl-Ludwig Oberthuer

„Nein, kein Platz mehr frei heute. Das ganze Wochenende nicht.“ Für Marcel Gundel ist es noch ungewohnt, Anfragen für seinen Campingplatz am Galgenteich bei Altenberg abschlägig zu beantworten. Als Pächter und Betreiber steuert er den Platz in diesem Jahr durch seine zweite Sommersaison – aber die hatte es in sich. „Mit Himmelfahrt ging es los. Die Pfingstferien in Bayern haben wir schon an unseren Gästen bemerkt“, sagt er. In den Sommerferien schlugen dann vor allem Brandenburger, Berliner und Sachsen am Galgenteich ihre Zelte auf oder spannten das Vordach vors Wohnmobil. 

Dabei ließen die Corona-Verordnungen kaum Luft für Vorplanungen: „Es war beispielsweise lange nicht klar, ob wir den Badesee für Gäste öffnen dürfen“, sagt Marcel Gundel. „Entsprechend hatte ich natürlich zunächst kein Personal angefragt“. Doch dann durfte er öffnen, dann kletterte das Quecksilber im Thermometer zusammen mit der Sonne auf einen Dauer-Zenit, parallel füllte sich der Campingplatz: „Extrem viel Arbeit!“, sagt Gundel - und freut sich sichtbar: „Die Einnahmen jetzt können wir dringend gebrauchen!“

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Pizza statt Hochzeitsgesellschaft

Auch Elke Fromm freut sich über die Gäste, die das Neuhermsdorfer Landhotel „Altes Zollhaus“ seit Mai wieder bevölkern. „Unsere Yoga-Kurse werden gut angenommen“, sagt die leitende Rezeptionistin, die für Hotel-Inhaber Gerrit Circio die Stellung hält, während er in seinem zweiten Hotel im sizilianischen Cefalù weilt. 

An den Wochenenden treffen Individualreisende aus Brandenburg, Berlin und Dresden ein: „Die Menschen mit Seen vor der Haustür kommen, um sich die Berge anzusehen. Umgekehrt fahren die Bergmenschen ja auch am liebsten an die See“, erläutert sie ihre These. Die Pizza, die der italienische Koch im Steinofen der früheren Weinstube bäckt, schmeckt Einheimischen wie Touristen gleichermaßen. 

In der Zeit zwischen März und Ende Mai, als das Hotel coronabedingt schließen musste, entpuppte sich das italienische Nationalgericht als Wundermittel zur Abfederung der Corona-Umsatzeinbußen: „Wir haben sie ofenfrisch aus dem Fenster verkauft. Dass jemand eine Pizza bestellt und dann bei uns abholt, haben wir gleich beibehalten“, sagt sie. Nur die Hochzeitsgesellschaften haben sich noch nicht wieder eingestellt. „Etwas so Planungsintensives gingen die meisten dieses Jahr nicht mehr an“, sagt sie.

Deutsche statt Niederländer

Die „Ferienanlage Geisingblick“ mit ihren sieben Bungalows unterhalb der Bergarbeitersiedlung war im August ausgebucht, auch für September gibt es bereits Reservierungen. Dennoch macht sich die Eigentümerin Rosalinde Knippers Sorgen um ihre Zukunft: „Wir haben hier enorm viel Kraft reingesteckt“, sagt die Holländerin, die das Gelände mit ihrem Partner vor drei Jahren kaufte. „Die Häuschen sind komplett modernisiert, mit Zentralheizungen und Kaminöfen.“ 

Als ausgesprochener Hundefan und Besitzerin eines Deutsch Kurzhaars und eines Border Terriers hat sie ihr Angebot vor allem auf Urlauber mit Hund ausgerichtet – und natürlich auf Gäste aus den Niederlanden. Die blieben dieses Jahr jedoch größtenteils aus: „Dafür kamen erstmals Deutsche zu uns“, sagt sie. 

Doch ohne einen Kredit ihrer Hausbank hätte sie die Einbußen vom März bis Juni finanziell nicht durchstehen können. Ihr Antrag auf Soforthilfe wurde nicht bewilligt, jetzt wartet sie auf das Ergebnis ihres Einspruchs – und fürchtet einen zweiten Lockdown: „Eine neue Sperre überstehe ich nicht.“

Geising statt Griechenland

"Wir können uns nicht beklagen", sagt Mandy Vogel vom Hotel zum Bären in Oberbärenburg: "Rund um den Männertag ging es los, seit dem ist es hier voll." Die einen buchen über die Buchungsportale, andere - vor allem aus dem Raum Dresden - stehen direkt an der Rezeption und wollen nach einem Ausflug ins Osterzgebirge spontan einen  Tag länger bleiben. "Alle loben die schönen Wanderrouten und die Ruhe, auch die, die sagen, normalerweise wären sie nach Griechenland gefahren oder auf Kreuzfahrt gegangen." 

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Die Nähe zu Tschechien, die Sommerrodelbahn, nette Badegelegenheiten, der Geisinger Tierpark und natürlich die vielen Wanderwege, die nicht so überrannt sind wie in der nahen Sächsischen Schweiz - das sind die Punkte, die viele Gäste immer wieder gelobt hätten. Mit der derzeitigen Auslastung sind die Beherbergungsunternehmen zufrieden - doch um den Corona-Knick auszugleichen, darf sich die Lage nicht verschlechtern. 

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