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Tourismus, Trauerhalle und Trampelpfade

Was es in Schönau-Berzdorf dringend zu verbessern gilt, ist klar erkennbar. Doch manches ist bislang nur Wunschdenken.

© Rafael Sampedro

Von Andreas Herrmann & Anja Beutler

Schönau-Berzdorf. Die alte Scheune unweit des Schönauer Friedhofes wäre ideal, um ein Dauerproblem zu lösen: Das Gebäude auf dem Gelände des Pfarrhofes könnte zu einer passablen Trauerhalle umgebaut werden. Seit Jahren sucht Schönau-Berzdorf nach einem Ort für den würdevollen Abschied: Die Halle an der Kirche ist zu klein, in der Kirche selbst sind keine weltlichen Trauerfeiern möglich. Und das Vereinshaus nahe der Kirche ist aus verschiedenen Gründen keineswegs ideal. Deshalb erwägt Schönau-Berzdorf, an der Scheune ein Stück Land zu kaufen und sie umzubauen.

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Beim Ortsrundgang konzentrierten sich die Teilnehmer auch auf eine gute Wegeanbindung und Ausschilderung im Ort.
Beim Ortsrundgang konzentrierten sich die Teilnehmer auch auf eine gute Wegeanbindung und Ausschilderung im Ort. © Andreas Herrmann

Zustimmung zu diesen Plänen signalisierten die Teilnehmer bei der Dorfbegehung, die kürzlich durch den Ortsteil Schönau führte. Rund zehn Bürger, darunter Gemeinderäte, aber auch Vertreter der Kirche hatten sich eingefunden. Sie wollen schauen, wie das Dorf schöner und touristenfreundlicher gemacht werden kann. Dabei hilft den Schönau-Berzdorfern das Planungsbüro Richter + Kaup aus Görlitz. Planer Ansgar Kaup verwies zu Beginn des Rundganges darauf, dass man besonderes Augenmerk auf Wegeverbindungen legen wolle. Damit komme man auch dem Nachbarn Bernstadt entgegen, der ebenfalls eine gemeinsam abgestimmte Wegeführung und bessere Beschilderung anstrebt. Und um dieses Ziel zu erreichen, gebe es noch einiges zu tun, bestätigt Bürgermeister Christian Hänel (parteilos). Ein Punkt dabei ist auch eine gute Radwegeanbindung zum Berzdorfer See. Ziel sei es, eine möglichst ebene Fläche zu schaffen, ohne dass die Radfahrer über die Kippe, die immerhin 60 Meter Höhenunterschied hat, zum See kraxeln müssen.

Doch ein Dorf besteht nicht nur aus Wegen. Auch Traditionspflege und Ortsgeschichte sind den Anwohnern wichtig: Heinz-Henning Oberland vom Heimatverein verwies zum Beispiel auf den Grabstein des ehemaligen Gutsbesitzers Tempel mit einer sehr schönen Bildhauerarbeit. Es gibt zudem ein schmiedeeisernes Kreuz und Gräber von Menschen, die einmal in einem Frankreichfeldzug waren, zählt Oberland auf. Auch das Grab eines Tapeziermeisters sei allein schon wegen der aussterbenden Berufsbezeichnung interessant. Ansgar Kaup vom Planungsbüro stimmte dem zu, verwies aber gleichzeitig darauf, dass man eher an strukturelle Dinge denken müsse und für die Förderung von Tradition eine Paketlösung anstreben sollte. Eine Lösung gilt es auch für die alten Umgebindehäuser im Ort zu finden, die wenig attraktiv und weitgehend verfallen sind. Drei bis vier solcher Häuser, so sagt Hänel, wolle man gern abreißen.

Abgerissen werden soll auch der sogenannte Nordrandumfluter. Das Beton-Relikt aus den 60er Jahren, in denen der Tagebau den Ort prägte, soll schon seit Jahren zurückgebaut werden. Zuständig ist der Bergbausanierer LMBV, der bereits seit dem Jahr 2000 Pläne in der Schublade hat. Wann genau hier die Arbeiten beginnen und was von den alten Planungen nun tatsächlich umgesetzt werden soll, kann auch Christian Hänel nicht sagen. Sicherlich muss man die derzeitige Sohle – also den Grund des Umfluters – wieder deutlich anheben. Vielleicht kann auch einmal ein Radweg da entlangführen. Doch das sind bislang nur Ideen.

Gleich in der Nähe des Umfluters gibt es eine kleine Fußgängerbrücke, die den Zufluss zur Pließnitz überwölbt. Auch dieses Bauwerk müsse dringend saniert werden, der Beton bröselt bedächtig. Auf keinen Fall aber darf die Brücke dabei tiefergelegt werden – wegen des Hochwasserschutzes – erklärt einer der Anwohner der Ortsrundgang-Gruppe mit Nachdruck. Denn welche Schäden entstehen können, wenn das Wasser nicht abfließen kann, wissen die Schönau-Berzdorfer von den Jahren 2010 und 2013 nur zu genau.

Große Pläne hat die Gemeinde auch an der Bergstraße. Hier, gleich neben dem Gelände der Firma Immofant mit dem noch immer im Dornröschenschlaf befindlichen Gebäude, soll ein Sportplatz entstehen. „Der ist nötig, weil der Sportplatz auf dem Hutberg zwar für den Schulsport gut ist, aber für den Vereinsfußball weder die richtigen Maße noch die passende Form hat – er ist nicht einmal rechteckig“, sagt der Bürgermeister. Deshalb will die Gemeinde einen Hektar Acker kaufen, um einen neuen Sportplatz anzulegen.

Die Ergebnisse der Dorfbegehung werden in einer der kommenden Gemeinderatssitzungen nochmals zusammengefasst. Die Ortsbegehung in Kiesdorf startet an diesem Sonnabend um 10 Uhr am Feuerwehrhaus per Fahrrad.