merken
PLUS Niesky

Kommt der Urlauber-Boom noch ins Neißeland?

Vor allem auf den Campingplätzen läuft es schon gut. Sonst ist die Nachfrage eher noch verhalten. Bis auf eine Ausnahme.

Schon zum zehnten Mal machen Familie Hanisch und ihre Freunde aus Schwarzheide in Brandenburg Urlaub auf der Kulturinsel Einsiedel.
Schon zum zehnten Mal machen Familie Hanisch und ihre Freunde aus Schwarzheide in Brandenburg Urlaub auf der Kulturinsel Einsiedel. © André Schulze

In Brandenburg haben sie schon angefangen, in Sachsen ist es in eineinhalb Wochen soweit: Sommerferien! Viele Urlauber werden coronabedingt in Deutschland bleiben. Doch profitiert auch die Region zwischen Rothenburg, Niesky und Stausee Quitzdorf davon? Die SZ hat bei einigen Tourismusanbietern nachgefragt.

"Wir hoffen es", sagt Jürgen Bergmann. "Bis jetzt sieht es jedoch anders aus." Der Gründer und Ideengeber der Kulturinsel Einsiedel hätte sich schon ein paar Buchungen mehr gewünscht für die Baumhäuser, Campingstandorte und all die anderen Übernachtungsmöglichkeiten, die es im Freizeitpark an der Neiße gibt. "Um den Jahreswechsel herum sah es richtig gut aus. Das ist die Zeit, in der sich die Leute überlegen, was sie im Sommer machen wollen." Aber der Vorlauf sei weg, durch Corona seien die Zahlen eingebrochen. Allerdings zeichne sich zumindest eine positive Tendenz bei den Anfragen ab. "Da sind die Leute aber noch lange nicht bei uns. Viele haben immer noch wegen des Virus Angst und überlegen sich bis zuletzt, was sie machen sollen."

Bauen und Wohnen
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Kulturinsel fehlen Finanzen fürs Marketing

Auf der Kulturinsel sind wegen der Einschränkungen ganze Teilbereiche weggefallen. Gruppenübernachtungen gibt es bis auf unbestimmte Zeit überhaupt nicht mehr. Auch Hochzeiten und andere Familienfeiern, die bisher gern hier durchgeführt wurden, fallen momentan nicht mehr ins Gewicht. Durch das Einnahmeloch fehlen der Kulturinsel Finanzen für das Marketing. "Wir mussten die Werbung generell herunterfahren", bestätigt Bergmann. Das sei vor allem bitter für den Quellmarkt rund um Dresden. Etwa ein Drittel der Kulturinsel-Gäste kommt von dort. Ob die Einrichtung unter diesen Voraussetzungen 130.000 Besucher wie im vergangenen Jahr erreichen kann, scheint unrealistisch. "Würden wir noch 100.000 schaffen, wären wir schon glücklich", so Bergmann.

Die "besten Ferien der letzten Jahre" erwartet dagegen Tino Kittner. Sonst, sagt der Neiße-Tours-Chef, habe der Sommer eher ruhig begonnen, "weil viele erst mal in den Flieger gestiegen sind." Jetzt aber gehe es gleich richtig los. "Unsere Pension Cubana ist voll, auch auf dem Zeltplatz nimmt die Nachfrage deutlich zu. Bei den Bootstouren kann Kittner das Interesse inzwischen kaum noch befriedigen. "All das könnte wirklich etwas ganz tolles werden." Damit hofft er, die Einbußen in der Gastronomie aufzufangen. "Ob uns das gelingt, müssen die nächsten Wochen zeigen." Schon an diesem Sonnabend lädt er vor allem Einheimische ein: Ab 9 Uhr geht's auf einer Wanderung ab dem Neißehafen durch die Neißeaue Richtung Stadtpark und wieder zurück. "Das ist mal was Neues. Wir wollen zeigen: Die Gegend hier ist wunderschön."

In Thräna sind sogar schon Litauer und Finnen da

Auch Joachim Mitschke hat neuen Optimismus geschöpft. "Es sieht gut aus", freut sich der Betreiber des Freizeit- und Campingparks in Thräna. Allerdings werde die Region wohl auch in diesem besonderen Jahr nur begrenzt von Langzeiturlaubern nachgefragt. "Aber schon wenn die Leute ein paar Tage bei uns bleiben, können wir zufrieden sein." Er hat einen Trend hin zu verlängerten Wochenenden ausgemacht. "Viele bleiben von Donnerstag bis Dienstag und fahren dann in die nächste Region weiter." Zwar fallen auch in Thräna Gruppenbesuche völlig weg. Trotzdem aber ist der Campingplatz ordentlich belegt. Sogar Finnen, Litauer, Tschechen und Polen waren schon da. 

Heinz Hampel muss in diesem Jahr gleich zwei Probleme bewältigen. Neben Corona macht seinem Ferienpark Stausee Quitzdorf vor allem der miserable Wasserstand zu schaffen. "Die Leute kommen ja nicht nur der schönen Natur wegen her. Sie wollen auch baden. Aber das geht eben momentan nicht." Trotzdem hat er viele seiner Bungalows für die nächsten Wochen schon vermietet. Er ist überzeugt: "Das läuft jetzt an." Auf dem Campingplatz sieht es dagegen viel bescheidener aus. "Hier haben wir Schwierigkeiten mit der Sanitäranlage. Ich denke aber, dass wir bald eine Lösung finden."

Viele Gäste kommen, die schon mal hier waren

Für Marie-Kristin Tschamke-Brußig ist es eine "fast normale Saison, vergleichbar mit 2019." Ein Boom wegen des Deutschland-Urlaubs vieler Menschen sei allerdings nicht in Sicht. Trotzdem: "Die Wochenenden sind sehr gut gebucht", erzählt die Inhaberin der Rothenburger Pension "Zum Postamt". Bei ihr legen zu 70 Prozent Radtouristen ihr müdes Haupt zur Ruhe. Die bleiben ein paar Tage und fahren dann weiter. "Vom Boom profitieren wahrscheinlich eher die klassischen Urlaubsregionen - wie Ostsee oder Gebirge", vermutet sie.

Als "grundsätzlich nicht schlecht" beurteilt Maja Daniel-Rublack die Situation. Vor allem der Camping-Sektor laufe gut, sagt die Geschäftsführerin der Touristischen Gebietsgemeinschaft (TGG) Neißeland. Insgesamt hätten die Menschen vor dem Corona-Virus noch sehr viel Respekt. "Wir haben jetzt vermehrt Gäste, die waren vor einiger Zeit schon mal hier und wissen, auf was sie sich bei uns einlassen."

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Niesky