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Kamenz

Sächsische Touristen müssen Israel verlassen

Das Coronavirus hat Auswirkungen auf die Reisebranche. Das bekommen jetzt auch Urlauber aus Pulsnitz zu spüren.

Reiseveranstalter Maik Förster (knieend) aus Oberlichtenau ist derzeit noch mit Urlaubern in Israel unterwegs. Weitere Reisegruppen dürfen nicht mehr einreisen. Förster kämpft nun mit dem finanziellen Verlust.
Reiseveranstalter Maik Förster (knieend) aus Oberlichtenau ist derzeit noch mit Urlaubern in Israel unterwegs. Weitere Reisegruppen dürfen nicht mehr einreisen. Förster kämpft nun mit dem finanziellen Verlust. © Maik Förster

Oberlichtenau.  Besonders heftig hat das Coronavirus die Reisebranche erwischt. Das erlebt Bibelgärtner Maik Förster aus Oberlichtenau derzeit hautnah. Er ist zugleich Reiseveranstalter mit seinem Unternehmen „Evangtours“. Das führt zu biblischen Orten, also auch nach Israel, das drastische Maßnahmen getroffen hat.

 „Corona verhagelt mir eben alle Gruppen. Es gilt jetzt ein komplettes Einreiseverbot für Deutsche“, so Maik Förster. Das hat den Veranstalter kalt erwischt. Kurz vor Schließung aller Grenzen sei er noch mit einer Reisegruppe mit 15 Teilnehmern aus Pulsnitz, Dresden und Chemnitz ins Land gekommen - und kann nun live berichten: „Es ist definitiv die letzte Reisegruppe, die über unseren israelischen Reise-Partner Diesenhaus ins Land gekommen ist. Das ist immerhin der zweitgrößte Veranstalter in Israel.“ Das bekomme seine Truppe zu spüren, sie muss das Land wohl auch vorzeitig verlassen.

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Es gebe trotz regulärer Einreise Hotels, „die verweigern unserer Gruppe bei gültiger Buchung die Aufnahme“. Da sei großes Geschick gefragt, das ausgeschriebene Programm zu realisieren und Umbuchungen hinzubekommen: „Der Zugang nach Palästina ist komplett abgeschottet und damit Betlehem nicht erreichbar. Es wurden bereits Tausende Deutsche ausgeflogen.“ Die Evangtours-Gruppe zähle zu den letzten Deutschen, die überhaupt noch im Lande unterwegs sind.

Beklemmendes Gefühl

So erzählt der Oberlichtenauer auch von verstörenden Erlebnissen: „Sobald wir sagen, dass wir aus Deutschland kommen, gibt es Menschen, die sofort eine Schutzmaske aufsetzen. Es ist ein beklemmendes  Gefühl.“ Andere würden sich aber freuen, dass überhaupt noch ein paar Touristen da sind. 

Alle Nationalparks und Checkpoints seien allerdings angewiesen, das Virus sehr ernst zu nehmen. „Da hängen wir dann manchmal auch fest. Als Reiseleiter kann ich nach 30 Jahren Erfahrung, Programme und Routen zum Glück so umbauen, dass am Ende noch alles zum Wohle der Gäste funktioniert.“ So sei die Gruppe trotz der Erschwernisse zufrieden. Er habe einen mobilen Internet-Hotspot eingerichtet, quasi in der Hosentasche. „Dadurch haben alle Gäste dauerhaften Internetkontakt und wir sind über alle Entwicklungen immer informiert.“

Doch für ihn und viele andere Reiseveranstalter werde es nun kritisch. Nicht nur mit Reisen nach Israel. Die USA zum Beispiel lassen vorerst gar keine Europäer mehr ins Land. Maik Förster hatte bis Ende April eine deutsche Reisegruppe nach der anderen für Israel-Touren im Plan. Alles sei gebucht und bezahlt, natürlich auch der Reiseleiter. „Ich muss jetzt vielen künftigen Gästen absagen, die in den nächsten Wochen kommen wollten.“ 

Auch mit seiner aktuellen Reisegruppe könne er nicht mehr bis zum offiziellen Reiseende bleiben. Am Sonntag gehe es nun zum Glück nur einen Tag eher als geplant  heim. Für seine Gruppe und ihn selbst, weil ja auch keine Deutschen mehr einreisen dürfen: „Mal sehen, wer fliegt. Die meisten Linien haben die Flüge nach Tel Aviv eingestellt."

Möglichst umbuchen

Er wolle nun mit möglichst vielen seiner Gäste sprechen und hoffe, dass sie umbuchen. So könne er bei dem einen oder anderen Hotel oder Auto-Miet-Service vielleicht auf Kulanz zählen und die Verluste etwas reduzieren. Er rechne dennoch mit riesigen Einbußen im sechsstelligen Bereich. So würden die Folgen der Krise letztlich auf die kleinen Unternehmen abgewälzt: „Wir müssen die Zeche bezahlen.“ Hilfe von der Regierung komme keine. Gerade die kleinen Veranstalter würden im Stich gelassen.

Immerhin habe das Zwangsende  des Reiseprogramms noch einen positiven Aspekt. Als  Kreisrat könne er nun doch noch an der kommenden Sitzung am Montag teilnehmen.

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