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Riesa

Traditions-Pension öffnet mit neuem Chef

Unternehmer Ronny Skuppin hat die einstige Kaiserkrone übernommen. Zur Vorbereitung ging er auf Motorradtour.

Insgesamt 15 Betten zählt die „Pension Zentrum Riesa“, die Ronny Skuppin Anfang des Monats eröffnet hat. Das Traditionshaus war zuvor mehr als 20 Jahre lang von Uwe Friedland geführt worden, der 2018 plötzlich starb.
Insgesamt 15 Betten zählt die „Pension Zentrum Riesa“, die Ronny Skuppin Anfang des Monats eröffnet hat. Das Traditionshaus war zuvor mehr als 20 Jahre lang von Uwe Friedland geführt worden, der 2018 plötzlich starb. ©  Sebastian Schultz

Riesa. Ronny Skuppin macht einen entspannten Eindruck. Dabei hat er gerade noch mit einer Spitzhacke Betonklumpen zerlegt: Der Innenhof unter den Weinranken braucht einen neuen Fußboden. Nun hört man die Bienen darin summen, kaum was vom Straßenlärm draußen. Dabei befindet man sich bei Ronny Skupin mitten in der Stadt: An der Ecke Pausitzer/Goethestraße hat der 46-Jährige jetzt eine Pension neu eröffnet, die nach einem tragischen Todesfall im Mai 2018 geschlossen hatte.

Dabei hatte der damalige Inhaber Uwe Friedland damals gerade erst die Zimmer neu gemacht. „Auf richtig gutem Niveau“, sagt sein Nachfolger. Mit Details wie der Möglichkeit, sich in jedem Zimmer einen Kaffee zu kochen, will er künftig die Drei-Sterne-Klassifizierung für Pensionen locker erreichen, wenn nicht übertreffen.

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Auch ohne das Zertifikat sei der Anfang gut geglückt. Erst Anfang Juni hatte Skuppin die Pension offiziell eröffnet, seitdem sei er sehr oft ausgebucht. „Die ersten Gäste waren zwei völlig durchnässte Radfahrer aus Hamburg“, sagt der Riesaer. Die kamen auf gut Glück, weil sie draußen das Pensions-Schild gesehen hatten. „Dabei war hier noch Baustelle und ich komplett schwarz vom Ofenabriss.“ Der Hinweis, dass die Pension noch nicht eröffnet sei, schreckte die Radler nicht ab. „Die brauchten vor allem eine heiße Dusche.“

Das Bedürfnis konnte der Unternehmer nachvollziehen: Denn zur Vorbereitung seines neuen Projekts war der Riesaer mit einem Freund auf eine zehntägige Motorradtour durch Süddeutschland, Italien, Österreich gegangen, wo auch viel schlechtes Wetter herrschte.

 „Wir haben in zehn verschiedenen Pensionen genächtigt und uns mit den Betreibern unterhalten.“ Denn Skuppin stammt nicht aus der Branche: Sein eigentliches Geschäft sind Reinigungssalons, von denen er in der Region mittlerweile sieben betreibt, außerdem noch Tabakläden und Lotto-/Postfilialen.

Mit einer Textilreinigung war er Mieter im Gebäudekomplex an der Pausitzer Straße. „Nach dem Tod meines Vorgängers hieß es, dass das gesamte Haus verkauft werden soll“, sagt der Riesaer. 

Zur Textilreinigung in seiner Heimatstadt hat er eine besondere Beziehung: Seine Mutter hatte sie zur Wendezeit eröffnet. Aber der Kauf eines einzelnen Gebäudeteils habe sich als schwierig erwiesen – weshalb Skuppin nun das ganze Objekt erworben hat. Und so beschäftigt er sich nach seinem Tagwerk mit den Reinigungsgeschäften abends etwa mit dem Pflastern des Innenhofs. Der soll mit Grill, Hollywoodschaukel, Hängematte attraktiv für Gäste werden.

Mittag und Abendbrot wird es in der früheren Pension Friedland, die jetzt „Pension Zentrum Riesa“ heißt, nicht geben. 
Mittag und Abendbrot wird es in der früheren Pension Friedland, die jetzt „Pension Zentrum Riesa“ heißt, nicht geben.  ©  Sebastian Schultz

In Blumenkästen wachsen Schnittlauch, Basilikum, Minze. „Das ist für die Köchin, die das Frühstück macht“, erläutert der Pensionsbetreiber. Denn er hat auch die Küche des einstigen Restaurants „Kaiserkrone“ wieder in Betrieb genommen. Zwei Mitarbeiterinnen kümmern sich darum, dass die Zimmer sauber sind und auf die Gäste ein Frühstück wartet.

Skuppin selbst widmet sich nun der Heizung: Die soll noch vor dem Winter auf Pellet-Betrieb umgestellt werden. „Da kann ich die Anlage auch per Handy von zu Hause steuern und so die Zimmer rechtzeitig anheizen, wenn mal Gäste kurzfristig kommen.“ Sollten die Besucher spät abends anreisen, kann er ihnen die Zimmerschlüssel in per Codes zu öffnenden Schlüsselsafes an der Hauswand hinterlegen.

Insgesamt 15 Betten in Ein- bis Dreibettzimmern bietet Skuppin derzeit an, je Zimmer werden pro Nacht zwischen 25 und 68 Euro fällig. Dafür können die Riesa-Besucher auch ein Billardzimmer nutzen, in dem noch ein altes Klavier und eine Darts-Anlage stehen. „Davon waren ein paar Interessenten begeistert: Die haben gleich zehn Betten für die nächste Darts-WM in der Stadt gebucht.“

Mittag und Abendbrot aber wird es in der früheren Pension Friedland, die jetzt „Pension Zentrum Riesa“ heißt, nicht geben. „Wir haben deshalb die Speisekarten da vom Terrazzino, dem Casa Mia, O’Reilly’s oder dem Pane & Vino – das haben wir alles selbst schon getestet und für empfehlenswert befunden.“ Die einstige Gaststätte wird nur als Frühstücksraum genutzt – allerdings ohne die prägenden Gemälde aus der Monarchie, die Ronny Skuppin nicht von seinem Vorgänger übernommen hat.

Die Wohnung über der Gaststätte wird als Nächstes umgebaut – in ein Büro für den Chef und weitere Pensionszimmer. Viel Werbung muss er dafür nicht machen – die Vermietung läuft über das Portal booking.com, das dafür eine Provision erhält. „Immer, wenn es auf meinem Handy piept, hat jemand gebucht“, sagt Skuppin. Zuletzt waren es etwa sechs Radler, zwei Arbeiter, zwei holländische Käse-Vertreter. „Es ist viel zu tun hier. Zum Glück habe ich gute Kollegen, die mir den Rücken frei halten.“

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