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Traditionsläden am Markt machen weiter

Auch nach der Schließung von Geschäften kann in Weißenberg gut eingekauft werden. Doch es fehlt ein Arzt, sagen die Händler.

© Uwe Soeder

Von Kerstin Fiedler

OSTRALE Biennale O19

Die zweite Biennale und 12. OSTRALE widmet sich ab dem 11. Juni bis zum 1. September dem Leitgedanken „ismus“.

Wenn weiter nur über die Schließung von Geschäften geschrieben wird, dann werden wohl bald gar keine Kunden mehr auf den Weißenberger Markt kommen, beschweren sich die verbliebenen Händler am Markt. Hartmut Hanusch von der Markt-Drogerie will das aber nicht gelten lassen. Schließlich hat die Drogerie zehn Jahre lang dem größeren Konkurrenten Schlecker Paroli geboten – und überlebt. Darauf ist Hanusch stolz. Und er weiß auch, warum er es geschafft hat: „Ich habe schon viele Jahre ein sehr breit gefächertes Angebot, das vor allem Stammkunden annehmen, die spezielle Dinge suchen“, sagt Hartmut Hanusch. So ist er zum Beispiel einer der wenigen Händler, bei dem man Zubehör zur Weinherstellung bekommt. Oder auch Pflanzenschutzmittel, Produkte zur Schädlingsbekämpfung und spezielle sächsische Kosmetikprodukte. „Vor allem Besucher aus dem Westen holen sich manchmal für ein Jahr die Waren bei mir“, sagt Hanusch. Er ist aber auch immer bereit, auf die Wünsche seiner Kunden einzugehen. „Ich bestelle dann auch gern die gewünschten Waren, denn auf Vorrat kann ich sie nicht lagern“, sagt er. Um die Preise moderat gestalten zu können, arbeiten die Drogerien in Ostsachsen zusammen und bestellen gemeinsam ihre Waren. Gern angenommen werden auch Batteriewechsel und die Anfertigung von Bewerbungs- und Passfotos – ein weiteres Standbein. Immerhin ist die Drogerie seit 70 Jahren an diesem Platz, seit über 50 Jahren im Besitz der Familie Hanusch. Hartmut Hanusch führt sie seit über 20 Jahren. Und der 53-Jährige will auch nicht aufgeben. Bis 1994 gab es sogar noch eine Zapfsäule vor dem Geschäft. Viele Ältere werden sich daran erinnern. Und wenn es etwas nicht in seiner Drogerie gibt, dann verweist er auch gern auf die Nachbarn, zum Beispiel auf den Schreibwarenladen von Günter Panitz.

Mit 77 Jahren könnte Panitz ja eigentlich längst im Ruhestand sein. Aber er kann nicht loslassen. Fast 30 Jahre lang war er Lehrer, bevor er das Geschäft seiner Eltern übernahm und umgestaltete. Das war zur Wendezeit. Waren es früher zwölf Schulen, die im Laden ihre Schulbücher bestellten, sind es heute nur noch drei. Es ärgert den Weißenberger, dass zum Beispiel die Stadtverwaltung ihr Büromaterial woanders bestellt. „Die wissen doch gar nicht, wie meine Preise sind. Wenigstens ein Angebot hätten sie ja mal von mir einholen können“, sagt Günter Panitz. Er hofft, dass das Geschäft, das 2015 sein 115-jähriges Bestehen feiern kann, weiterbesteht. Sein Sohn wollte es erst im Nebenerwerb machen, aber der Mindestlohn war dann das letzte Gegenargument. Nun hat Günter Panitz einen Nachfolger gefunden, der fast sicher ist. „Ich werde ihn gern die erste Zeit begleiten“, sagt er.

Das Glück eines familiären Nachfolgers hatte Klaus Klinner mit seinem Elektrogeschäft. Das leitet jetzt sein Schwiegersohn Steffen Labitzke. Noch keinen Nachfolger braucht Eberhard Staude vom Sportgeschäft. Er wird zwar dieses Jahr 65, doch er möchte noch ein paar Jahre arbeiten. Sein spezielles Sportsortiment nehmen eher Stammkunden an. Viele Sportvereine der Region sind seine Partner. Auch das Geschäft Sport-Staude ist ein Familiengeschäft. Eltern und Großeltern waren Sattler und Polsterer, hatten später ein begrenztes Sortiment an Camping- und Sportartikeln. Seit 1982 hat seine Frau das Geschäft. Dass es in den vergangenen Jahren immer weniger Kunden gibt, liegt aus seiner Sicht unter anderem an der älter werdenden Bevölkerung, aber auch am veränderten Kaufverhalten der Leute. „Viele bestellen solche speziellen Waren eben übers Internet“, sagt Eberhard Staude.

Günter Panitz will nun noch einmal auf die Stadt zugehen. Denn für ihn und auch für Hartmut Hanusch oder Eberhard Staude ist eins klar: Es muss wieder ein Arzt nach Weißenberg kommen. Dann lohnt es sich auch wieder, einen kleinen Einkaufsbummel rund um den Markt zu machen. Immerhin sitzt ja eine Ärztin im Stadtrat. „Die müsste man doch nach Weißenberg locken können“, findet Günter Panitz.

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