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Tränen im Leisniger „Wirbelwind“

Bei einigen Kindern blieben die Augen nicht trocken. Denn es heißt Abschied nehmen. Nach 30 Jahren als Leiterin geht Gabriele Marder in den Ruhestand.

Samu, Anni und Greta (von links) verabschieden sich mit Tränen in den Augen von ihrer Kita-Leiterin Gabriele Marder.
Samu, Anni und Greta (von links) verabschieden sich mit Tränen in den Augen von ihrer Kita-Leiterin Gabriele Marder. © Norbert Millauer

Leisnig. Generationen von Leisnigern ist sie als taffe Frau bekannt. Wenn Gabriele Marder etwas gegen den Strich geht, dann sagt sie es frei heraus. Wahrscheinlich auch wegen dieser Ehrlichkeit ist sie mit den Eltern der von ihr betreuten Kinder immer gut zurechtgekommen. „Bis auf ein oder zwei Ausnahmen“, sagt sie nach kurzem Überlegen. 

Das will etwas heißen. Immerhin 47 Jahre hat die Leisnigerin in dem Erzieherberuf gearbeitet, 30 Jahre davon als Leiterin der Leisniger Einrichtung „Wirbelwind“ am Eulenberg. So lange hat es gewiss kaum jemand an der Spitze einer Kita ausgehalten.

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Dass sie nun in den Ruhestand geht, daraus hat Gabriele Marder schon länger kein Geheimnis gemacht. Deshalb ist sie in den vergangenen Tagen immer mal wieder darauf angesprochen worden, ob sie nicht traurig ist, aufzuhören? Auch da ist die 63-Jährige ehrlich und sagt: Nein.

„Alles hat seine Zeit, die des Lernens, des Arbeitens und auch die des Loslassens. Jetzt freue ich mich auf meine Zeit, in der ich auch mal mein herrliches Wohnumfeld genießen, Freundschaften intensivieren und viel Zeit mit meinen Enkeln verbringen kann“, erzählt Gabriele Marder. Eines geht auch in den „Wirbelwind“. Für die gesamte Gruppe war sie bisher „Oma Gabi“.

Irgendwie wie eine große Familie

1963 hat die Leisnigerin Krippenerzieherin gelernt. Davon geträumt hat sie nicht. „Ich wollte etwas Kreatives machen, was mit Dekorieren und Inneneinrichtung“, erinnert sie sich. Das sei zu DDR-Zeiten schwierig bis unmöglich für sie gewesen. Daher sei sie dem Ratschlag gefolgt, Erzieherin zu werden. Da sei auch Kreativität gefragt, hatte man ihr gesagt. „Stimmt“, bestätigt sie heute lächelnd. „Und Kinder habe ich ja ohnehin schon immer geliebt.“

Selbst hat Gabi Marder zwei Kinder, „aus denen etwas geworden ist“. Darauf sei sie stolz. Das treffe aber auch auf viele andere Mädchen und Jungen zu, die sie in den ersten Jahren ihres Lebens in der Einrichtung begleiten durfte. „Die schönsten Momente waren für mich, wenn ehemalige Schützlinge später ihre eigenen Kinder zu uns ins Haus gebracht haben“, sagt sie. Über die Jahre sei so eine große Familie gewachsen. Kein Wunder, dass der „Wirbelwind“ bislang Gabriele Marders zweites Zuhause war.

Das kann sie jetzt ruhigen Gewissens in die Hände einer Jüngeren übergeben. So manche Baumaßnahme hat sie noch auf den Weg gebracht und gemeinsam mit dem Sozialverband VdK Sachsen als Träger und der Kommune als Haus- beziehungsweise Grundstückseigentümer umsetzen können. Ihr letzter Wunsch im Job – eine neue Tür fürs Leiterinnenzimmer – wird Gabi Marder noch erfüllt. Dabei ist sie nicht böse, dass davon hauptsächlich ihre Nachfolgerin Anja Harnack profitiert.

Deren Einarbeitung läuft schon seit April. „Zum Glück“, sagt die bisherige Chefin. „Ohne ihre Unterstützung hätte ich die Corona-Zeit anfänglich nicht so gemeistert“, denkt sie. Anja Harnack hat beispielsweise das Hygienekonzept für den Neustart im „Wirbelwind“ geschrieben. Dass ihr bald eine Stellvertreterin zur Seite gestellt wird, darüber freut sich Gabi Marder. Sie hat eine derartige Entlastung bisweilen vermisst.

Schreibtisch statt Sandkasten

Als Herausforderung der letzten Jahre bezeichnet die bisherige Kita-Chefin den Wechsel der Einrichtung von der Kommune als Träger in die Freie Trägerschaft des VdK. „Das war eine riesige, mit großem Aufwand verbundene Umstellung. Doch ich selbst habe mich beim VdK auf- und angenommen gefühlt“, blickt sie zurück.

Dass sie in ihrer Leitertätigkeit immer weniger Zeit für die Kinder selbst hatte, oft nur vertretungsweise in den Gruppen eingesprungen ist, das bedauert Gabriele Marder ein wenig. Gern hätte sie häufiger statt am Schreibtisch am Rand von Riesensandkasten oder Fußballplatz gesessen. „Ja“, sagt sie, „das Lachen der Kinder wird mir schon fehlen“, denkt sie an die Tage, die vor ihr liegen.

Darauf verzichten muss sie aber nicht. Sie hat ihrer Enkelin versprochen, sie regelmäßig aus der Kita abzuholen und ihren Kolleginnen, bei Verstaltungen wie dem Oma- und Opa-Tag mit anzupacken. Insgesamt 24 Mitarbeiterinnen betreuen im Moment 165 Kinder. Auf sie sei bei der Umsetzung des pädagogischen Konzeptes genauso Verlass gewesen wie auf Eltern und weitere Unterstützer. Ohne sie wäre manches nicht geworden.

In Corona-Zeiten wünscht sich Gabriele Marder für ihren (Un-)Ruhestand, dass sie und ihre Familie gesund bleiben. Sie will die vor ihr liegende Zeit genießen. Der eine oder andere aus ihrem Umfeld konnte das nicht mehr. Das hat die 63-Jährige nachdenklich gemacht. Und es hat sie bestärkt, genau jetzt aufzuhören. „Ideen hab‘ ich schon noch“, versichert sie. Diese setzt sie nun zum Beispiel beim Dekorieren um.

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