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Tränen nach Verhandlung über Diebstahl

Ein 66-Jähriger soll die Haustür aus einem Einfamilienhaus gestohlen haben. Seine Ex-Frau zeichnet ein drastisches Bild von dem Angeklagten.

Symbolfoto: Ein Striegistaler soll eine Tür aus seinem eigenen Haus gestohlen haben. Der Fall landet vor Gericht.
Symbolfoto: Ein Striegistaler soll eine Tür aus seinem eigenen Haus gestohlen haben. Der Fall landet vor Gericht. © dpa

Striegistal/Döbeln. Es ist ein Scheidungskrieg, der nun schon zwölf Jahre dauert. Er hat viele Facetten. Diesmal geht es um Diebstahl.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, im Zeitraum zwischen August 2018 und August 2019 die Eingangstür eines Einfamilienhauses ausgebaut und gestohlen zu haben. Wert: 600 Euro. 

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Das Haus steht in Striegistal und zur Zwangsversteigerung. Es gehört zu gleichen Teilen dem 66-Jährigen und seiner Ex-Frau. Die hat ihn beschuldigt, die Tür entwendet zu haben.

Angeklagter bestreitet Diebstahl und Wert der Haustür

Der Mann hatte einen Strafbefehl erhalten, gegen den er Einspruch einlegte. Den formulierte aber seine Schwester. Scheinbar erinnert sich der Angeklagte nicht mehr so ganz an den Inhalt. Deshalb muss Richterin Ines Opitz immer wieder nachfragen.

Ja, die Tür fehlt, erklärt er. Aber er habe mit dem Diebstahl nichts zu tun. Erst als die Polizei im Februar dieses Jahres bei ihm aufgetaucht sei und ihm den Strafbefehl zugestellt habe, sei er über die geklaute Tür informiert worden. 

Da ihn die Beamten auf seine Sicherungspflicht aufmerksam gemacht hätten, habe er dann eine Zwischentür zugeschraubt, damit niemand ins Haus komme. „Jeder ist neugierig und jeder braucht etwas“, meint er. Außerdem hätten bereits Kinder darin gespielt.

Und er betont immer wieder, dass er mit dem Diebstahl der Tür nichts zu tun habe. Die Eingangstür habe ohnehin eine Bekannte im Jahr 2014 gekauft. Somit gehöre die Tür ja ihr und nicht ihm. Außerdem sei sie keine 600 Euro wert gewesen. 

Zum Beweis legt er einen originalen Kaufvertrag vor, auf dem ein Betrag von 109 Euro steht. Die Tür sei weiß und aus Plastik gewesen. Aber wann er sie zum letzten Mal gesehen habe, wisse er nicht. Er sei ja auch nicht permanent vor Ort.

Ex-Frau: "Er hat mir das Leben zur Hölle gemacht"

Das Haus stehe seit 2017 leer. Er selbst wohne mal hier und mal dort. Eine feste Adresse gebe es nicht. Aber er erzählt von einer Holzlaube in einer Parzelle in der Nähe des Einfamilienhauses. Eine Nachbarin habe sich bereiterklärt, dass seine Post in ihren Briefkasten geworfen werden darf und sie diese dann an den Rentner weiterreicht.

Der Mann mit dem rechts gescheitelten Haar und dem kleinen, mittig sitzenden Oberlippenbart würdigt seine Ex-Frau keines Blickes, als diese als Zeugin aussagt. 

Die 53-Jährige schildert ein drastisches Bild von dem Angeklagten. „2008 habe ich mich von ihm getrennt. Zuvor hat er mir das Leben zur Hölle gemacht“, erzählt sie.

Drei Tage vor Weihnachten sei sie damals überstürzt und ohne etwas mitzunehmen mit ihrem Kind ausgezogen, weil es nicht mehr auszuhalten gewesen sei. Er habe damals die Möbel zerschlagen. 

Auch innen gibt´s Zerstörungen

Da er für sein Kind keinen Unterhalt bezahle, habe sie die Pfändung beantragt. So sei es auch zur noch laufenden Zwangsversteigerung des Hauses gekommen. Dafür sei sie 2018 mit einem Schätzer im Haus gewesen. 

Dort habe sie festgestellt, dass der Fußboden herausgerissen, Wasser- und Abwasserleitungen demoliert waren. Inzwischen seien die Außenwände auch mit Hakenkreuzen beschmiert.

Ob sie gesehen hat, dass ihr Ex-Mann die Haustür ausgebaut und weggebracht hat, will Richterin Opitz wissen. Das verneint die Zeugin. Es sei eine Vermutung. Auch nachgefragt habe sie nicht. 

Ein Gespräch mit ihrem Ex-Mann sei nicht möglich. "Es herrscht Hass zwischen uns. Jede Provokation von meiner Seite würde er mir dreifach zurückzahlen."

Aber einer der beiden anderen Zeugen habe ihr gegenüber zu Silvester 2019 erklärt, dass er die Tür mit getragen habe. „Mein Ex-Mann hat eine Art, alles kaputtzumachen“, sagt sie. Auch das Grundstück sei inzwischen verwildert.

Zeugen haben Erinnerungslücken

Zwei weitere Zeugen – Männer aus demselben Dorf – sind sich einig, dass es eine weiße Plastik-Tür war, die nun fehlt. Und einer weist darauf hin, dass es sich dabei nicht um die Hauseingangstür handelt, sondern um eine „Nebentür“.

Beide geben zu, die Tür samt Zarge ausgebaut und am selben Ort stehengelassen zu haben. Der Erste habe den Zweiten gebeten, zu helfen. Wer dazu den Auftrag gegeben hat, daran können sich beide nicht erinnern. 

Sie sind sich aber ganz sicher, dass der Angeklagte beim Ausbau nicht mitgeholfen hat und auch nicht anwesend war. Was aus der Tür geworden ist, sei ihnen ebenfalls nicht bekannt. Der eine meint, der Ausbau sei im Frühjahr oder Sommer 2019 erfolgt, der andere erinnert sich nur noch daran, dass es warm und „ein lustiger Tag war“. 

Weshalb die Tür ausgebaut werden soll, danach habe keiner der beiden gefragt. Sie hätten nur geholfen.

Vieles nicht mehr so, wie es mal im Haus war

Beim ersten Satz des Plädoyers der Vertreterin der Staatsanwaltschaft bricht die Ex-Frau in Tränen aus. Der Vorwurf des Diebstahls habe sich nicht bestätigt. Er beruhe auf Vermutungen, nicht auf konkreten Feststellungen. Deshalb sei der Angeklagte freizusprechen.

Diesem Antrag schließt sich Richterin Ines Opitz an – nach dem Grundsatz der Entscheidung zugunsten des Angeklagten. Sie weist darauf hin, dass es in Verfahren, bei denen der Tatnachweis schwierig zu führen sei, besonders auf die Zeugen ankomme. 

Die hätten sich jedoch an den Auftraggeber für den Ausbau der Tür nicht erinnern können. Deshalb könne die Tat eines Diebstahls nicht sicher nachgewiesen werden. Sicher sei nur, dass sich der Angeklagte nicht sehr um die Sicherung des Hauses gekümmert hat. 

Fotos, die dem Gericht vorlägen, belegten, dass in dem Haus offensichtlich vieles nicht mehr so ist, wie zu der Zeit, als das Paar dort noch zusammen lebte, so die Richterin.

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