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Trainer klagt gegen den Sportclub

Thomas Kupper geht gegen seine Kündigung vor. Für den Riesa SC gibt es nun zwei Möglichkeiten.

Von Britta Veltzke

Die absolute Härte. Das sind die Worte, mit denen SC-Geschäftsführer Michael Schönfelder die beiden Optionen kommentiert, die dem Verein nach der Klage des Ex-Fußball-Trainers Thomas Kupper gegen seine Kündigung bleiben.

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Gestern trafen beide Parteien vor dem Dresdner Arbeitsgericht aufeinander: Karl Walluszek, der neue SC-Präsident, samt Anwalt auf der einen und Thomas Kupper samt Anwalt auf der anderen Seite. In der Verhandlung ging es vor allem um die Höhe der Abfindung, die der Verein dem Ex-Trainer schuldig ist.

Nach Bekanntwerden der Misswirtschaft in dem Verein hatte die Führung Kupper den Laufpass gegeben. Der soll Zuschläge erhalten haben, die die damalige Geschäftsführerin Peggy Freytag nicht abgesprochen hatte, sowie einen Dienstwagen für private Zwecke genutzt haben. Das jedoch war nicht die offizielle Begründung für die Kündigung Kuppers.

Die wurde betriebsbedingt ausgesprochen. Die vielfältigen Aufgaben des Trainers hätten unter den Vorstandmitgliedern aufgeteilt werden können, hieß es gestern vor Gericht. Die Misswirtschaft durch die geschasste Geschäftsführerin Freytag war in der gestrigen Verhandlung kein Thema – unrechtmäßige Zuschläge und der Dienstwagen ebenso wenig wie möglicherweise rückdatierte Dokumente Freytags, die gestern zur Sprache kamen. „Das wären Fälle für ein Strafgericht“, erklärt Richter Ulrich Busch. Damit blieb einzig die Kündigung, die Kupper für unrechtmäßig hält, Thema der Verhandlung. Klar ist, dass die Kündigungsfrist nicht eingehalten wurde. Kupper arbeitete seit 2003 für den SC.

Ab zehn Jahren Beschäftigung muss der Arbeitgeber eine Frist von vier Monaten vor eine betriebsbedingte Kündigung beachten. „Danach hätte Herr Kupper erst zum 31. März dieses Jahres gekündigt werden dürfen“, stellte der Richter fest. Stattdessen hatte der Trainer Mitte November seine Kündigung zum 31. Dezember erhalten, also lediglich anderthalb Monate im Voraus. Kupper steht laut dieser richterlichen Anerkennung also noch Lohn zu.

Streit gab es gestern auch um die Höhe der Abfindung. Die Vorstellungen darüber liegen etwa um 6 000 Euro auseinander. Kuppers Anwalt beharrte auf drei Monatsgehältern. SC-Verteidiger Andreas Berger versicherte seinerseits, dass der Verein finanziell nicht in der Lage sei, mehr als zwei Löhne zu zahlen. „Das ist einfach nicht finanzierbar. Der Verein erwirtschaftet keine Überschüsse. Der SC lebt von Drittmitteln, die an bestimmte Projekte gebunden sind, von den Beiträgen der Mitglieder und von Spendern.“ Gerade Letzteren sei es „absolut nicht“ zu vermitteln, dass ihr Geld für etwas anderes ausgegeben werde als für den Sport, so Berger weiter.

Der geschasste Fußball-Trainer hält dagegen. Kupper verweist auf die Sport Commerz Gmbh, in der der Sportclub die Vermarktung des Vereins ausgegliedert hat. SC-Präsident Karl Walluszek sagte dazu: „Aber auch die Commerz Gmbh ist keine Goldgrube.“ Kupper bezeichnete die Strategie des SC vor Gericht als Druck auf die Tränendrüse.

Nachdem Richter Ulrich Busch beide Seiten gehört hatte, schlug er einen Vergleich vor. Danach müsste der Verein mehrere Tausend Euro an Kupper nachzahlen. Beide Seiten haben nun bis zum Ende des Monats Zeit, zu entscheiden, ob sie auf den Kompromissvorschlag eingehen. Wenn nicht, treffen sich beide Parteien am 7. Mai vor dem Arbeitsgericht wieder.

Der Sportclub Riesa hat seine Vorstandmitglieder für diesen Freitag einberufen. Die können dann entscheiden, ob der SC zahlt – oder aber, ob sie Thomas Kupper wieder einstellen.