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Traktoren im Winterschlaf

Bevor Landwirte im Märzen ihre eisernen Rösslein einspannen, wird die Technik durchgecheckt. Auch in Gersdorf.

© Uwe Soeder

Von Manuela Reuß

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In der haushohen Werkstatthalle riecht es nach Öl, ein gleichmäßiges metallenes Hämmern liegt in der Luft. Gerade werden zwei Traktoren durchgecheckt. Dafür muss Tom Frommberger gelegentlich auch mal einen Blick unter die Maschinen werfen. Doch Hebebühnen, so wie in Autowerkstätten, sind im Technik-Pflegestützpunkt der Lausitzer Hügelland Agrar AG eher unzweckmäßig. Stattdessen klettern die Mechaniker in die Werkstattgrube.

In der kalten Jahreszeit tun das Tom Frommberger und seine Kollegen weitaus öfter als sonst. Kein Wunder. In den Wintermonaten haben die Landwirte reichlich Zeit für Wartungsarbeiten. So werden in der betriebseigenen Werkstatt beispielsweise Grubber, Scheibenegge oder Sämaschine instand gesetzt, Traktoren oder Häcksler turnusgemäß gewartet, erklärt der Vorstandsvorsitzende Dr. Wilfried Furchert. Denn bis zum Frühjahr muss die Technik wieder einsatzbereit sein.

Man muss sich nicht schinden

Im Einsatz sind dabei nicht nur die zwei Mechatroniker, die im Pflegestützpunkt arbeiten, sondern auch die Fahrer. Sie seien ebenso in der Lage, einen Ölwechsel vorzunehmen oder ein Rad umzuschrauben, so Wilfried Furchert. Angesichts mannsgroßer mächtiger Traktorenräder kommt der Laie da schon ins Grübeln. Schafft man das überhaupt allein? „Kein Problem“, sagt Marco Habendorf. Dafür gebe es Kranbahn und Hubwagen, so der Produktionsleiter Pflanzenbau. „Damit man sich nicht so schinden muss.“ Allerdings sind die Reparaturmöglichkeiten, gerade bei Technik aus Übersee, heutzutage begrenzt. Bei größeren Problemen müssen die Maschinen in eine Spezialwerkstatt, so Wilfried Furchert. Dafür fehle es im betriebseigenen Stützpunkt, den es übrigens schon seit DDR-Zeiten gibt, an speziellem Werkzeug.

Die Gersdorfer haben einen großen Fuhrpark. Den brauchen sie auch. Schließlich wollen rund 2 700 Hektar Acker- und Grünland bewirtschaftet werden. „Wer modern wirtschaften will, muss eine breite Basis haben“, weiß der Vorstandsvorsitzende. Deshalb steht in der Lausitzer Hügelland Agrar AG neueste Technik bereit: drei Mähdrescher, ein Häcksler, verschiedenste Traktoren. Wilfried Furchert weiß, in welchen Zeiträumen ein Techniktausch angebracht ist. Mähdrescher sollten alle drei Jahre erneuert werden, Häcksler alle fünf Jahre. Schlepper seien nach 10 000 Betriebsstunden reif für den Austausch. „Wenn die richtig ran müssen, ist diese Stundenzahl in sechs oder sieben Jahren erreicht.“ Unter anderem sind Abgaswerte und Spritverbrauch dabei „ganz wichtige Dinge“. Und die lege der Gesetzgeber fest.

Alte, robuste Technik im Einsatz

Neben kraftvollen Schleppern mit beispielsweise 450 PS stehen bei den Gersdorfer Landwirten auch etliche mittlere und kleinere Traktoren im „Stall“. Schließlich könne man nicht jede Zugmaschine für jede Arbeit einsetzen. Auch nicht bei modernster Niederdruckbereifung. Von Aussaat über Bodenbearbeitung bis Transport gebe es zig Einsatzarten. Man könne beispielsweise nicht mit allen Traktoren auf Grasland fahren. Der Schlepper habe deutlich über zehn Tonnen. Wenn man den Hänger richtig volllade, seien dort auch 20 Tonnen drin. „Das ist schon ein ganz schönes Gewicht. Da kann ich keinen ZT 300 davorspannen. Das kriegt der nicht weg. Schon gar nicht in unserer hügeligen Gegend, wo er auch Steigungen hochkommen muss.“ Doch die Gersdorfer haben aber nicht nur modernste, sondern auch sehr alte, aber robuste Technik im Einsatz. Schlepper aus Vorwendezeiten. Seinerzeit im Minsker Traktorenwerk gebaut. „Für die Stallarbeit tun es die alten MTS auch.“

Derzeit dreht sich auf den Feldern der Lausitzer Hügelland Agrar AG witterungsbedingt allerdings kaum ein Rad. Deshalb nehmen die meisten in der Feldwirtschaft eingesetzten Mitarbeiter im Winter Urlaub und bummeln Überstunden ab, die sie übers Jahr gesammelt haben. Arbeit gibt es für die Landwirte trotzdem. Im Stall, wo rund 1 000 Kühe nebst Kälbchen und etwa 800 Jungrinder zu versorgen sind. Auf den Feldern: „Wenn wir bissel Frost haben, dann bringen wir Stalldung raus“, so der Vorstandschef. Und vor allem im Pflegestützpunkt. Denn im Frühling müssen die Traktoren wieder rollen.

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