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Transdev löst Städtebahn ab

Der VVO hofft, dass der Betreiberwechsel möglichst reibungslos funktioniert. Profitieren werden vor allem die Fahrgäste auf der Strecke Pirna–Neustadt–Sebnitz.

So könnten die neuen Transdev-Züge in Sachsen aussehen. Ein Zug des Unternehmens Transdev Sachsen-Anhalt GmbH, HEX (HarzElbeExpress), steht zur Abfahrt nach Halle bereit.
So könnten die neuen Transdev-Züge in Sachsen aussehen. Ein Zug des Unternehmens Transdev Sachsen-Anhalt GmbH, HEX (HarzElbeExpress), steht zur Abfahrt nach Halle bereit. © Peter Endig/dpa

Das Unternehmen Transdev Regio Ost übernimmt den Bahnverkehr auf den Strecken Heidenau – Glashütte – Altenberg, Dresden – Kamenz, Dresden – Königsbrück und Pirna – Neustadt – Sebnitz. Es löst damit die Städtebahn Sachsen ab, die im Juli in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten ist und derzeit von einem Insolvenzverwalter geführt wird. 

Beschlossen wurde der Betreiberwechsel auf einer Sondersitzung der Verbandsversammlung des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) am Montagvormittag. Die Sächsische Zeitung beantwortet die wichtigsten Fragen:

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Wann erfolgt der Betreiberwechsel auf den Zugstrecken?

Ursprünglich war dieser zum 1. Oktober geplant. In der Mittelung, die der VVO am Montag herausgab, wurde kein konkretes Datum angegeben. „Der VVO hofft, dass der neue Betreiber in wenigen Wochen den Zugverkehr von der Städtebahn Sachsen übernehmen kann“, heißt es. Auf Nachfrage erklärte VVO-Sprecher Christian Schlemper, dass die Übergabe noch im Herbst stattfinden soll. Da es sich um eine Notvergabe handelt, ist der Zuschlag für die Transdev befristet. Das Unternehmen wird nur bis Ende 2021 auf den Strecken fahren. Ganz sicher ist der Zuschlag, den der VVO erteilt hat allerdings noch nicht, sagt Schlemper. „Unterlegene Bieter haben nun die Möglichkeit, innerhalb von zehn Tagen Widerspruch einzulegen.“

Was ändert sich für die Fahrgäste?

Im Prinzip nicht viel, sagt Schlemper. Die Fahrpläne bleiben unverändert, die Ticketpreise ändern sich ebenfalls nicht. Allerdings werden die Triebwagen eine andere Farbe bekommen. Denn Transdev wird dieselben Fahrzeuge fahren wie die Städtebahn. Diese hatte sich die Triebwagen von Typ Desiro vom Kölner Leasinggeber Alpha Trains geliehen. Allerdings werden die Schaffner eine andere Uniform tragen, so Schlemper. An neue Gesichter werden sich die Fahrgäste nicht gewöhnen müssen. Denn die Transdev wird die Mitarbeiter der Städtebahn übernehmen.

Wer ist der neue Betreiber, der die Städtebahn nun ablöst?

Die Transdev GmbH mit Sitz in Berlin ist eine Tochter der französischen Transdev Group. Sie ist das zweitgrößte in Deutschland aktive Eisenbahn- und Busunternehmen. Im VVO ist Transdev als Mitteldeutsche Regiobahn zwischen Dresden und Tharandt unterwegs sowie als Eigentümer der Regionalbus Oberlausitz (RBO) aktiv.

Was sagen die Eisenbahner zu dem Wechsel im Dieselnetz?

Die Lokführer sind offenbar mit der Entscheidung zufrieden. „Mit der erfolgreichen Notvergabe erhalten die Kolleginnen und Kollegen nun eine Perspektive für die Zukunft in einem Unternehmen mit dem Bundesrahmentarifvertrag der Gewerkschaft deutscher Lokführer (GDL). „Die Zeit der Unsicherheit geht damit zu Ende“, wird Klaus-Peter Schölzke von der GDL in der Mitteilung des VVO zitiert.

Welche finanziellen Auswirkungen hat der Wechsel?

Die Insolvenz der Städtebahn und die nun fällige Notvergabe kostet Geld. Denn der neue Betreiber erledigt die Aufgaben zu einem anderen Preis als die Städtebahn. Meißens Landrat Arndt Steinbach (CDU), der zugleich stellvertretender Verbandsvorsitzender ist, erklärte nach der Verbandssitzung, dass die Angebote der Eisenbahnunternehmen über dem Preis der Städtebahn gelegen haben. Die höheren Kosten hätten demnach zwei Ursachen. Zum einem ist es die kurze Laufzeit, zum anderen die höheren Löhne und Gehälter, die gezahlt werden müssen, weil es einen Mangel an Lokführern und Zugbegleitern gibt, so Steinbach. „Wir sind froh, dass wir von Transdev ein Angebot erhalten haben, das der Haushalt des VVO in den kommenden zwei Jahren verkraften kann.“ Diese Mehrkosten trägt der VVO aus seinem Budget, sagt Schlemper. Dieses speist sich zum Großteil aus Steuergeldern des Bundes, die dieser als sogenannte Regionalisierungsmittel über den Freistaat Sachsen an den VVO weiterreicht.

Warum wurde der Betreiberwechsel notwendig?

Die Städtebahn stellte am 29. Juli überraschend den Betrieb auf allen Strecken rund um Dresden ein, es wurde Insolvenz angemeldet. Der VVO musste quasi über Nacht einen Ersatzverkehr organisieren. Das Amtsgericht Aschaffenburg beauftragte das Büro Pluta mit der Geschäftsführung der Städtebahn und bestellte Dr. Stephan Laubereau zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Diesem gelang es, dass die Städtebahn wieder den Betrieb aufnehmen konnte. Der VVO wollte trotzdem einen neuen starken und wirtschaftlich gesunden Partner. Nach ihrer Insolvenz erfülle die Städtebahn dieses Kriterium nicht mehr, so Schlemper.

Wird Transdev auch Probleme mit umgefallenen Bäumen bekommen?

Ausgeschlossen ist das nicht. Der Verkehrsverbund hofft, dass sich die DB Netz als Streckenunterhalter an ihre Zusagen hält und alle Bäume rechts und links der Trassen entfernt, die auf die Gleise zu kippen drohen. In der Vergangenheit kam es auf den Strecken der Städtebahn des Öfteren zu Kollisionen auf den Gleisen. Laut der Städtebahn gab es zwischen 2011 und 2018 genau 60 betriebsgefährliche Zusammenstöße mit „Bäumen im Gleis“. „In 32 dieser Fälle kam es zu Kollisionen mit erheblichen Sachschäden in Forderungshöhe von 1,6 Millionen Euro. Beim schlimmsten Fall führte die Kollision mit einem Baum zu einer Entgleisung“, so die Städtebahn.

Hat der Wechsel Folgen für die Erweiterung des Angebotes?

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Derzeit fahren die Züge der Städtebahn im Ein-Stunden-Takt zwischen Dresden und Kamenz. Die Kamenzer hoffen indes auf einen Halbstunden-Takt nach Dresden. Diesen hatte der VVO als einjähriges Pilotprojekt mit einer Absichtserklärung ab Dezember in Aussicht gestellt. Der jetzt vorgenommene Betreiberwechsel wird das Projekt nicht beeinflussen, sagt Schlemper. Um den Halbstunden-Takt einzuführen, bräuchte der Verbund einen Zuschuss vom Freistaat Sachsen. Eine Zusage dafür liege aber noch nicht vor, sagt Schlemper.

Das Dresdner Dieselnetz

Die Strecken Heidenau – Glashütte – Altenberg, Dresden – Kamenz, Dresden – Königsbrück und Pirna – Neustadt – Sebnitz gehören zum sogenannten VVO-Dieselnetz.

Auf diesen Strecken werden jährlich rund 1,9 Millionen Zugkilometer gefahren. Im Netz sind täglich knapp 10 000 Fahrgäste unterwegs.

Die Relation: Dresden – Kamenz ist die Strecke mit den meisten Fahrgästen. Stark nachgefragt ist auch die Strecke Heidenau – Glashütte – Altenberg. Diese wird vor allem von Pendlern genutzt, die in der Uhrenindustrie arbeiten. (SZ/mb)

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