merken
PLUS

Niesky

Trauer um Harald Schwarz - ein Nachruf

Schwarz-Reisen in Hähnichen ist ein Begriff. Doch der Seniorchef war viel mehr. Er unterhielt ein Wildgehege, engagierte sich im Lions Club, am Bärwalder See.

Harald Schwarz (li.), hier mit seinem Stiefsohn und Unternehmensnachfolger Patrick Schultze, war engagierter Unternehmer in Hähnichen. Nun ist er gestorben.
Harald Schwarz (li.), hier mit seinem Stiefsohn und Unternehmensnachfolger Patrick Schultze, war engagierter Unternehmer in Hähnichen. Nun ist er gestorben. ©  André Schulze

"Jetzt kann ich mich den Dingen widmen, für die ich bisher keine Zeit hatte", sagte Harald Schwarz vor genau drei Jahren im Gespräch mit der SZ. Damals war der Hähnichener 60 Jahre alt. Das richtige Alter, um eine Zäsur zu machen, betonte der Unternehmer, nachdem er "Schwarz Reisen" in die Hände seines Stiefsohnes Patrick Schultze gegeben hatte. 

Mit seinem bisherigen Bus- und Reiseunternehmen hatte Harald Schwarz zumindest geschäftlich ab 2017 nichts mehr zu tun. Stattdessen wollte sich der Frührentner verstärkt seinem Tiergehege und der Immobilienverwaltung in "Tankeshausen" widmen. Dass ihm dafür nur drei Jahre Zeit bleiben werden, daran war zu diesem Zeitpunkt nicht zu denken.     

Anzeige
Zwischen Säge und Spänen

Wer Lust auf eine kreative und coole Ausbildung hat, der sollte nicht lange zögern und sich für eine Lehre zum Tischler bewerben!

Am 30. Dezember wurde es zur traurigen Gewissheit für seine Familie: Harald Schwarz hatte den Kampf gegen seine Krankheit verloren - und die Familie ihren Ehemann, Vater und Bruder. Harald Schwarz ist nur 63 Jahre alt geworden. Mit seinem Tod verliert die Region nicht nur einen engagierten Unternehmer und Unterstützer, sondern Tankeshausen auch seinen "Bürgermeister". So nannte Harald Schwarz die 30 Hektar große Fläche, die zu DDR-Zeiten ein Tanklager für die NVA war. 1997 kaufte er das Areal von der Treuhand und etablierte dort nicht nur sein Busunternehmen, sondern baute nach und nach die ehemaligen Soldatenunterkünfte zu modernen Wohnungen aus. Zehn an der Zahl sind heute vermietet.

Hier war jetzt auch Platz für seine und mit Ehefrau Hannelore geteilte Leidenschaft: ein eigenes Wildgehege zu haben. Neben Ziegen, Dam-, Rot- und Muffelwild wurden zwischen Hähnichen und Stannewisch auch Straußenvögel heimisch. Nach seinem Tod soll das Wildtiergehege weiterhin in Tankeshausen seinen Platz haben, versichert Hannelore Schwarz.        

Als Gemeinderat ein Lösungssucher

So abgeschieden, wie der Betriebssitz lag, so zurückgezogen lebte und arbeitete Harald Schwarz nicht. Für seine Gemeinde Hähnichen engagierte sich Harald Schwarz bis zum Vorjahr als Gemeinderat. Als Werner Queiser 2008 zum ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt wurde, saß der Busunternehmer schon ein paar Jahre in dem Gremium. "Ich kenne Harald als einen  freundlichen und couragierten Menschen und wir verstanden uns privat auch sehr gut", sagt Werner Queißer. Als Gemeinderat war es Schwarz wichtig, dass es immer vorwärts ging. Nach Lösungen zu suchen ist ihm wichtiger gewesen als Probleme nur zu benennen. Viele Jahre gehörte Harald Schwarz dem Technischen Ausschuss an und zeigte sich hier von seiner pragmatischen Seite.

Harald Schwarz hat auch über seine Gemeinde hinaus viel Gutes getan. Als Mitglied im Görlitzer Lions Club verkaufte er auf den Weihnachtsmärkten nicht nur Glühwein für einen guten Zweck, sondern überreichte auch Schecks der Löwen. So 2011 beispielsweise für die Sanierung der Wehrmauer um die Kirche in Horka.

Zum innerlichen Abschalten liebte es Harald Schwarz, einfach nur die Angel auszuwerfen und zu warten, bis etwas anbeißt. Deshalb schloss er sich den Anglern im Nieskyer Ortsteil See an. Aber auch Boote und Wassersport waren sein Metier. Dafür bot ihm der Nautic-Club Bärwalder See beste Gelegenheit, dessen Mitglied er seit der Gründung des Vereins war. Andreas Ulbricht, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im Nautic-Club, sagt, dass Harald Schwarz eine große Stütze für den Verein gewesen ist. Beim jährlichen Nautic-Cup auf dem Bärwalder See war Harald Schwarz mit seinem Motorboot immer zur Stelle, wenn es um die Absicherung des Wettbewerbes ging. Er wird dem Verein sehr fehlen.    

In Vaters Tischlerei gelernt

Und noch eine Leidenschaft zog sich wie ein roter Faden durch das Leben von Harald Schwarz, sagt seine Frau Hannelore:  die Imkerei. Die Leidenschaft dafür und einige Bienenvölker hatte er von seinem Großvater geerbt. Diesem Hobby wollte der Hähnichener aber nicht allein nachgehen, deshalb trat er dem Rothenburger Imkerverein bei. Er brachte dort sein Wissen über die Bienen ein und holte sich im Gegenzug auch so manche Anregung. Damit schließt sich der Kreis seiner Naturverbundenheit, die in jungen Jahren mit dem Werkstoff Holz begann. 

Harald Schwarz erlernte in der Werkstatt seines Vaters den Tischlerberuf und krönte ihn mit dem Abschluss als Meister. Eigentlich sollte er Vaters Tischlerei fortführen. Aber als 1988 Heinrich Tzschoppe an die Tür klopfte und fragte, ob er sein kleines Busunternehmen nicht übernehmen wolle, kamen bisherige Vorsätze ins Wanken und Harald Schwarz tauschte den Holzhobel gegen das Lenkrad ein - für die nächsten drei Jahrzehnte.  

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier